„Man schläft hier in Ruhe“: Was Syrer aus Abensberg an ihrem Leben in Deutschland schätzen

Viele syrische Familien haben sich in Abensberg ein Leben aufgebaut, Deutschland ist ihnen längst zur zweiten Heimat geworden.
Unabhängig von der Entwicklung in Syrien können sich Syrer, die rund um Abensberg Fuß gefasst haben, nicht vorstellen, zurück in ihrer Heimatland zu gehen. Sie alle haben sich hier in den vergangenen zehn Jahren ein Leben aufgebaut, teilweise auch Kinder hier bekommen, die gar kein Arabisch sprechen, wie die von Khaled Tlas. Er kam 2014 mit Frau und vier Kindern hier her. Seine älteste Tochter ist 18. Zwei Kinder wurden in Deutschland geboren.
Aus ihrer Heimat flüchteten sie vor allem aufgrund ihres Nachnamens. Ein Onkel von ihm sei General in der Regierung von Assads Vater gewesen. Als er einen gemäßigteren Weg einschlagen wollte, kippte die Stimmung. Der ehemalige General ging ins Exil nach Frankreich, doch viele Verwandte mit dem gleichen Nachnamen sahen sich in Syrien Repressalien ausgesetzt, kamen wegen Nichtigkeiten für Tage ins Gefängnis oder sahen sich mit Hausdurchsuchungen konfrontiert. Viele aus der Familie seien gestorben, so Tlas.
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Die Bilder von den freigelassenen Gefangenen, die schockieren freilich alle. „Die sahen aus wie Zombies“, erzählt Neffe Qassem Tlas, der mit zehn Jahren nach Deutschland kam. Er und sein Onkel, die beide einen Sicherheitsdienst führen, erhoffen sich für Syrien und ihre Heimat Homs, dass es gut weitergeht. „Sie haben immerhin Leute befreit. Aber wir wissen nicht, ob sie das halten, was sie sagen. Wir kennen die Neuen ja nicht“, sagt Qassem Tlas.
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Angst hat auch er, dass das Land fundamentalistisch regiert wird, keine andere Religion außer dem Islam mehr zählt. Zudem werde es bestimmt Jahre dauern, bis sich alles normalisiert habe. Auch Souzan Albukai und ihre Tochter Rawaah Fadel Allah sind im Abwartemodus. „Niemand hatte das erwartet, ich habe es nicht geglaubt“, sagt die 18-Jährige, die mit ihrer Mama 2017 aus Damaskus kam, über die Entwicklungen in Syrien.
„Aber wir wissen nicht, was kommt. Jeder sagt, alles ist gut, aber wir müssen abwarten“, meint die Mutter, die trotz allem hofft, bald zumindest Urlaub in ihrem Heimatland machen und ihre Mutter sowie Brüder besuchen zu können. Ihre Zukunft sehen viele in Deutschland, das Land, in dem sie ihre Meinung äußern dürfen, ohne Angst. „Man denkt hier nicht, was soll man morgen essen, man schläft mit Ruhe“, sagt Quassem Tlas.