Alle Samstage wieder – wird Protest in Regensburg zur Gewohnheit?

Von André Baumgarten · 15. Dezember 2024 um 14:32

Demos gegen die Regierung und gegen Fürstin von Thurn und Taxis sorgen in Regensburg für Aufmerksamkeit – ihre Auswirkungen aber bleiben gering. Es gab Kritik und fast mildes Lächeln für die „Sehenswürdigkeit“.

Dritter Adventssamstag, dritter Demosamstag. Statt „alle Jahre wieder“ könnten Anwohner wie Geschäftsleute in Regensburgs Altstadt „alle Samstage wieder“ anstimmen. Was das für Auswirkungen hat, war bei Kundgebungen für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung sowie gegen den Weihnachtsmarkt auf Schloss Thurn und Taxis zu sehen. Die Stimmung in der Stadt scheint geteilt – sie reicht von deutlicher Kritik bis hin zur fast milde belächelten „Sehenswürdigkeit“.

Samstag, 15 Uhr: Es herrscht eine auffällig hohe Dichte an zivilen Polizeifahrzeugen, die in der Regensburger Fußgängerzone unterwegs sind. Wären nicht großräumige Absperrungen am Domplatz, könnte man dennoch meinen, es wäre ein normaler Shoppingsamstag im Advent: viele Menschen, ein paar quengelnde Kinder, alle dick eingepackt gegen eisigen Wind. Die kleine Gruppe am Westportal des Doms mit ihren Fahnen und Schildern wirkte wie ein Attraktion – doch nur wenige Zaungäste nehmen davon überhaupt Notiz.

Wird es langsam aber sicher zur Gewohnheit?

Erst, als sich der Zug mit gut 80 Personen – begleitet von etwa 150 Polizisten – in Bewegung setzt, ändert sich das. „Warum geht es diesmal“, fragt eine Frau ihre Begleiterin auf Höhe des Hotels Goliath. Trommeln, Glocken und Trompeten sorgen nun für Aufmerksamkeit. Es werden reihenweise Handys gezückt – als würde eine „Sehenswürdigkeit“ vorbeiziehen. So geht das einmal quer durch die Altstadt. Man sieht auch Kopfschütteln, als lautstark „Friede, Freiheit, Selbstbestimmung“ skandiert wird. „Kurze Pause“, sagt eine Bedienung am Haidplatz, die das Treiben fast entspannt beobachtet, „der Spuk ist ja schnell vorbei“.

17 Uhr am Emmeramsplatz: In einer Seitenstraße bauen die Aktivisten der „Solidarischen Stadt Regensburg“ ihre Pavillons auf. Erst mit einer Stunde Verspätung steht auch die Bühne – trotz Warnzetteln der Polizei müssen mehrere Autos abgeschleppt werden. Das kostet Zeit, ehe der „Romantische Weihnachtsprotest gegen Thurn und Taxis“ starten kann. Was Organisatoren und den laut Polizei gut 50 Mitwirkenden der Dorn im Auge ist, bringen zwei Moderatoren auf der Bühne auf den Punkt: Nebenan, im Schloss, lauere „getarnt unter dem weihnachtlichen Deckmantel einer bürgerlichen Vergnügungsveranstaltung die hässliche Fratze des Rechtsextremismus“. Dafür stünden aus ihrer Sicht Gloria und Peter Kittel. Mit sowas kuschele man nicht, sondern grenze es aus. „Und das ist nicht woke oder linksradikal, sondern einfach nur anständig“, hieß es. An den Ständen gab es allerlei Infos, dazu Mitmachaktionen und Gaumenleckereien – alles für eine freiwillige Spende. Als Kontrastpunkt zu den nach Ansicht der Demonstranten völlig überteuerten Preisen unmittelbar nebenan.

Peter Kittel äußerst sich zum Protest gegen Markt

Veranstalter Peter Kittel wie auch Fürstin Gloria ließ die Kritik kalt. Die Protestierenden, die „offenbar keine sinnvollere Aufgabe“ hätten, täten ihm „eigentlich nur unheimlich leid“. Sie würden sich am Erfolg anderer Menschen „mit Hass und Neid hochziehen, diese beschimpfen und anpöbeln“, hätten aber selbst nie etwas erreicht. Zumal „unsere Praktikanten in einer Stunde mehr bewegen, als diese Pöbelschaft in ihrem ganzen Leben“.

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Die Geschäftsleute in der Altstadt sehen die laufenden Proteste mit Einschränkungen verbunden. Wenngleich das zu diesem Samstag überschaubar blieb. Harry Gröger, Chef im Trecking Laden in der Obermünsterstraße, bemerkte eigentlich keinen großen Unterschied. Es sei „etwas zu entspannt heute“, ob das an den Demos liege, könne man schwer sagen. Vergangene Woche, am zweiten Adventssamstag, sei es „deutlich spürbar gewesen“. Ähnlich sah das Christine Lehner, Filialleiterin bei Pustet am Domplatz: „Es ist immer blöd, wenn so groß Polizei da ist – manche meiden das Geschäft“. Sie sehe es dennoch „weder negativ noch positiv“. Nach dem „Riesenschreck“ angesichts der Absperrungen habe es sich eingependelt. Weil eine Woche zuvor die Zahlen „bei uns sehr gut war“, erwartet sie das auch für nun wieder. Ihr erstes Resümee: „Ganz positiv.“

Macht sich schleichend das Gefühl von Unsicherheit breit?

Maria Müller, Geschäftsführerin beim Verein Faszination Altstadt, sieht das Problem im „wachsenden Gefühl der Unsicherheit, welches bei solchen Kundgebungen automatisch entsteht“. Das verunsichere die Menschen und lasse sie „unter Umständen über einen Besuch in der Altstadt nachdenken“. Vor allem in der Weihnachtszeit wollten viele lieber „einen Gang runterschalten, etwas genießen, Freunde und Familien wieder treffen“. Ob die Demos „ihre Ziele erreichen, wenn ihre ,Zielgruppe‘ gerade dafür nicht empfänglich ist – darüber lässt sich sicherlich diskutieren“.

Fakt ist: Die Auswirkungen am vergangenen Wochenende hielten sich in Grenzen. Partiell staute sich der Verkehr in der Stadt beim Demozug, aber nicht viel mehr als sonst üblich. Besucher des Romantischen Weihnachtsmarkts ließen sich auch nicht abhalten, trotz der Flyer, die vor dem Eingang ausgegeben wurden. Die Sicherheitsbehörden zogen eine positive Bilanz. „Es gab keine Probleme“, sagt Polizeisprecher Jonas Kraus auf Anfrage. „Wir sind mit dem friedlichen Einsatzverlauf sehr zufrieden“.

Der „romantische Weihnachtsprotest“ am Schloss bot „Glühwein und Plätzchen für lau“ plus Kritik an Köpfen hinter dem Event. Foto: Baumgarten
Der Verkehr in und um die Regensburger Altstadt staute sich nicht mehr als sonst üblich. Foto: Baumgarten
Die Gassen waren dicht belagert – von Shopping oder Marktbesuchen ließ offensichtlich sich kaum jemand abhalten. Foto: Baumgarten
Auch am Schloss Thurn und Taxis lief der Betrienb „Business as usual“. Foto: Baumgarten