Bauern-Bashing gab es auch schon vor 500 Jahren: Diese Gruppe bricht eine Lanze für Landwirte

An die Proteste der Landwirte mit ihren Traktoren in diesem Jahr können sich die meisten noch erinnern. Der Bauernaufstand vor fast 500 Jahren dagegen wird nur selten thematisiert. Dabei forderte der Krieg, der sich auch in Berching abspielte, bis zu 120.000 Tote.
2025 jährt sich der Bauernkrieg aus dem Jahr 1525 zum 500. Mal. Deshalb veranstaltet die Gruppe Initiative 1525, zu der auch die Berchinger Gerlinde und Alexander Delacroix gehören, zahlreiche Veranstaltungen im Gedenkjahr (siehe blauer Kasten). Gemeinsam mit ihren Mitstreitern wollen sie so an den Aufstand erinnern und das Bewusstsein für den Wert der Demokratie schärfen.
„Die Leistung unserer Vorfahren soll nicht im Misthaufen unserer Geschichte versinken“, sagt Wolfgang Brand, der früher eine Hausarztpraxis in Beilngries führte. Der Allgemeinmediziner hat sich vor knapp 50 Jahren mit seinem Kumpel Thomas Kaiser eine Ausstellung zum 450-jährigen Jubiläum des Bauernkriegs angesehen. „Wir waren enttäuscht, wie schlecht die Bauern dabei weggekommen sind“, sagt Kaiser über das „Bauern-Bashing“ und bricht im Anschluss eine Lanze für Landwirte. Auch heute würde die Leistung der Bauern in der Öffentlichkeit nicht genug gewürdigt und entlohnt.
Dieses in ihren Augen schlechte Bild der Bauern wollten beide zurechtrücken und vereinbarten damals als Studenten, dass sie zum 500. Jahrestag etwas dagegen tun wollen. Und 50 Jahre später halten sie ihr Wort. Als sie vor vier Jahren eines Tages gemeinsam unterwegs in Berching sind, haben sie sich mit den Delacroixs zum Kaffee getroffen – und auch sie von der Idee überzeugt, gemeinsam Veranstaltungen zum Bauernaufstand zu organisieren.
Josef Seger hat ein Buch über den Bauernkrieg geschrieben
Nach und nach wuchs die Gruppe. Es kamen unter anderem Eva Schultheiß, Kreisheimatpflegerin des Landkreises Roth, Hobbyarchäologin Paula Waffler und Josef Seger dazu. Der ehemalige Rektor der Mittelschule Gaimersheim (Landkreis Eichstätt) veröffentlichte 1996 seine Dissertation an der geschichts- und gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität in Eichstätt als Buch.
„Der Bauernkrieg im Hochstift Eichstätt“
In seinem Werk „Der Bauernkrieg im Hochstift Eichstätt“ arbeitet der gebürtige Woffenbacher den Aufstand auf 330 Seiten auf. In einer Zusammenfassung schreibt Seger, dass Beschwerden wegen der hohen Wilddichte und der Belastung durch die Jagd als Auslöser für den Aufstand gedient haben sollen. Im Hochstift Eichstätt stand der „Mässinger Haufen“ im Mittelpunkt. Denn auf dem Hofberg bei Obermässing hatten die Bauern ihr Lager. Von dort aus zogen sie durch die Region.
„Mässinger Haufen“ zog vom Hofberg aus los
Seger schätzt, dass circa 1400 bis 4000 Bauern an dem Aufstand teilgenommen haben. Vom Schloss Hofberg zogen sie weiter nach Greding und eroberten die Stadt. Von dort aus planten sie weitere Angriffe. Am 23. April sollen die Bauern die Städte Berching und Beilngries aufgefordert haben, sich ihnen anzuschließen. Ansonsten würde man gewaltsam gegen sie vorgehen.
Da die Magistrate der beiden Städte die Forderung ablehnten, zogen die Bauern nach Berching, schreibt Seger. „Dort hatte sich aber die bauernfeindliche Partei bereits durchgesetzt“, formuliert Seger in seiner Kurzzusammenfassung. Verschanzt hinter der Berchinger Stadtmauer eröffnete sie das Feuer auf die Bauern. Weil diese nur mangelhaft ausgerüstet gewesen sein sollen, zogen sich die Bauern zurück.
Bauernaufstand 1525: Kloster Plankstetten angezündet
„Das Scheitern der Bauern vor Berching musste das Kloster Plankstetten büßen“, sagt Seger. Die Bauern plünderten das Kloster aus. Auch die Glocken nahmen sie nach Angaben von Seger mit.
Ein paar Tage später versuchten die Bauern erneut, Berching auf ihre Seite zu ziehen. Doch der Magistrat blieb eisern. Als Reaktion darauf zündeten die Bauern das Kloster Plankstetten an. Danach versuchten sie, das Schloss Hirschberg zu erobern. Nachdem dieser Versuch scheiterte, zog sich der Großteil zurück auf den Hofberg, schildert Seger.
In der Nacht von 1. auf 2. Mai sollen die Bauern ihr Lager verlassen und aufgegeben haben, in dem Wissen, dass sie militärisch wohl unterlegen gewesen wären.
Wie viele Menschen bei dem Bauernkrieg in Deutschland umgekommen sind, ist nicht exakt belegt. Die Schätzungen weichen voneinander ab. Seger nimmt an, es seien zwischen 70.000 und 120.000 Tote gewesen.
Initiative 1525 organisiert Veranstaltungen zum Bauernkrieg
Start: Die Initiative 1525 organisiert im Gedenkjahr zahlreiche Veranstaltungen. Den Auftakt bildet am 5. Februar im Marquardussaal des Bistums in Eichstätt eine historiographische Einordnung von Sabine Ullmann. Dort referiert am 12. März auch Bernward Schmidt über den Aufstand.
Vorträge: Weiter geht es am 27. März mit Thomas Geidner im Rathaus in Greding und am 11. April mit Josef Seger im Historischen Pfarrhof in Essing. Geidner beleuchtet Ursachen, Akteure und Verlauf des Krieges, Seger die Auswirkungen auf die nördlichen Ämter des Herzogtums Bayern.
Reden: Am 28. April referiert Seger in Eichstätt, am 14. Mai spricht Abt Beda über das Kloster Plankstetten im Bauernkrieg. Nach einem weiteren Vortrag im Kloster im Juni spricht Bertram Blum am 9. Juli in der Post in Berching. Wolfgang Brand referiert am 17. Oktober im Hotel Fuchsbräu.
Informationen: Es kann durchaus sein, dass sich an den Terminen noch etwas ändert. Ein Blick auf die Internetseite maessinger-haufen.de lohnt sich nicht nur deshalb. Alle Vorträge sind im Übrigen kostenlos. Es herrscht freier Eintritt, wie die Initiative mitteilt.