Knigge-Experte erklärt: So isst man einen Döner richtig stilgerecht

Döner macht schöner, heißt es. Aber so mancher hat sich schon in unangenehmen Situationen wiedergefunden, nachdem er beherzt in einen Döner gebissen hat – und anschließend sämtliche Zutaten auf der weißen Bluse oder im Bart kleben hatte. Knigge-Experte Clemens Graf von Hoyos gibt Tipps, wie das nicht passiert.
Einen Döner in allen Lebenslagen würdevoll essen, das ist laut Hoyos durchaus machbar. Das vermittelt der Knigge-Experte, der gebürtig aus Regensburg kommt, unter anderem in seinen Videos auf TikTok und in einem eigenen Podcast. Der Leiter der Knigge-Akademie gibt sogar Seminare, die sich eigens mit dem Thema Döner-Knigge beschäftigen. Im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern hat Tipps verraten, mit denen der elegante Verzehr der beliebten Streetfood-Mahlzeit gelingt.
Wie nimmt man den Döner richtig in die Hand?
Einen Döner bekommt man in der Regel in Alufolie eingeschlagen auf die Hand. Hoyos rät, den Kebab zunächst komplett auszupacken, sodass er nur noch in das viereckige Papier eingelegt ist. Nun gilt es, die obere und die untere Papierecke jeweils nach hinten zu klappen.
Diese Falttechnik vermeidet zwei Dinge: Zum einen schützt die doppelschichtige Verpackung davor, sofort fettige Finger zu bekommen. Außerdem hält man das Papier dem Gesicht fern, erklärt Hoyos. Stattdessen hat man freie Sicht – beziehungsweise freien Biss – auf den Döner. Einen Berg an Servietten müsse man beim Kauf der Streetfood-Mahlzeit übrigens nicht mitnehmen: „Mehr als zwei Servietten sollten nicht nötig sein.“
Vom Risikofaktor aus in Halbkreisen essen
Liegt der Döner schließlich richtig in der Hand, kann man beherzt reinbeißen – nur wo zuerst? Hoyos rät, zunächst in die Stelle zu beißen, wo am ehesten etwas rauszufallen droht. Anschließend kann man sich an eine Bisstechnik halten, die Hoyos als „konzentrische Kreise“ bezeichnet.
Ist der erste Bissen getan, sollte man sich halbkreisweise durch das gefüllte Fladenbrot durcharbeiten. Hoyos empfiehlt, sich in „konzentrischen Kreisen“ von links nach rechts, von rechts nach links, und wieder von links nach rechts durch den Döner zu arbeiten.
Handelt es sich um ein Exemplar, das besonders viel Sauce enthält, rät der Knigge-Experte, den Döner nach einiger Zeit umzudrehen, sodass die obere Fladenbrothälfte unten liegt. So kann man vermeiden, dass der Döner durchweicht.
Wem dieses strategische Vorgehen beim Döneressen aus dem Stegreif zu kompliziert ist, „kann zuhause üben bis zur Meisterlichkeit“, empfiehlt Hoyos mit einem Augenzwinkern.
No-Gos beim Döneressen
Was bei anderen Mahlzeiten gilt, sollte man auch beim Döneressen beachten. Zum Beispiel ist es nach Kniggeregeln nicht empfehlenswert, mehr Fleisch für den Döner zu bestellen, aber kein Trinkgeld dafür zu geben. Beim Essen gehört es sich nicht zu schmatzen – allgemein sollte man jegliche Körpergeräusche während des Essens unterlassen, sagt Hoyos. Passiert einem doch der Fauxpas, dass ein Teil des Inhalts des Döners auf den Boden fällt, ist es empfehlenswert, nicht deswegen zu fluchen, sagt Hoyos.
Sache des Respekts
Prinzipiell gebe es aber kein Richtig oder Falsch beim Essen eines Döners. Beispielsweise sei der Döner durch das Fladenbrot so konzipiert, als Fingerfood mit den Händen gegessen zu werden – nach Knigge-Regeln ist es aber auch kein Schwerverbrechen, zu Messer und Gabel zu greifen, wenn man sich damit wohler fühlt
Beim Thema Knigge geht es allgemein um Respekt und gewissen Anstand. Entsprechend gehöre es sich, auch im Streetfood-Kontext respektvoll mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hinter der Verkaufstheke umzugehen. Bitte und Danke zu sagen ist hier obligatorisch für ein Miteinander auf Augenhöhe. „Ein Danke ist immer angemessen“, findet Hoyos.