Messer auf Regensburger Weihnachtsmarkt: Wie geht das trotz Verbot?

Auf dem Romantischen Weihnachtsmarkt im Schloss-Areal in Regensburg werden scharfe Klingen verkauft – das ist rechtens, leuchtet aber nicht allen Besuchern ein.
Der Familienvater aus Falkenstein (Landkreis Cham) hat den Wochenendausflug zum Romantischen Weihnachtsmarkt sehr genossen. Ein Nebenaspekt hat ihn aber derart stutzig gemacht, dass er sich am Montag bei der MZ meldete: „Wie kann es sein, dass wir am Eingang durch eine Taschenkontrolle müssen und dann wenige Meter dahinter Messer aller Art bis hin zum Schlachtermesser verkauft werden?“, fragt er sich.
Einen Regensburger Besucher hat bereits in der Vorwoche genau derselbe Umstand verwundert: „Ich will keinen Ärger und deshalb meinen Namen nicht in der Zeitung nennen – aber was sollen die Einlasskontrollen, die ich absolut befürworte, für einen Sinn haben, wenn dann im Markt solche Kaliber zu haben sind?“
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Diese beiden Beispiele zeigen: In potenziell gefährlicher werdenden Zeiten ist die Öffentlichkeit sensibilisiert. Das heuer erstmals geltende bundesweite Messerverbot auf Weihnachtsmärkten, die Messerangriffe von Solingen und Mannheim sowie die – mittlerweile von den Behörden dementierten – Gerüchte über Anschlagspläne auf den Augsburger Christkindlesmarkt tun ein Übriges. So wird auch ein über Jahre als völlig normal betrachteter Messerstand plötzlich zum Aufreger.
„Das finden viele komisch“
„Das beschäftigt die Leute“, weiß auch Julia Jung vom Förderkreis Regensburger Kunsthandwerker. Dieser veranstaltet den Lucreziamarkt auf dem Haidplatz sowie am Kohlenmarkt. Messer oder vergleichbare gefährliche Gegenstände werden dort nicht verkauft, ein Thema sind sie trotzdem: „Gerade erst am Wochenende haben sich bei uns auf der Aktionsbühne Besucher darüber unterhalten, wie der Verkauf von Messern mit dem neuen Verbot zusammenpasst. Das finden viele komisch“, berichtet Jung.
Peter Kittel, Veranstalter des Romantischen Weihnachtsmarkts auf Schloss Thurn und Taxis, kann den scheinbaren Widerspruch aufklären: „Der Verkauf und Erwerb von Messern ist mit der neuen Messerverordnung vereinbar. Die Verordnung unterscheidet nämlich zu Recht zwischen dem Führen eines Messers und dessen Verkauf“, sagt er und führt weiter aus: „Das Führen eines Messers impliziert seine ständige, unmittelbare Verfügbarkeit und schnelle Zugriffsmöglichkeit. Beim Verkauf hingegen erfolgt eine eher aufwendige Verpackung, zu deren Auflösung mehrere Handgriffe nötig sind.“
Messer sind beim Verkauf aufwendig verpackt
Wie das konkret aussieht, demonstrierte der Messerhändler vom Romantischen Weihnachtsmarkt am Montag gerne. „Ich werde mehrmals am Tag darauf angesprochen, wie sich Sicherheit und Messerverkauf vereinbaren lassen“, reagierte er fast schon froh auf die entsprechende MZ-Anfrage und schritt zur Tat: Zuerst steckte er das Messer in eine Plastikhülle und umwickelte es dann mehrmals und eng mit Wellpappe. Anschließend schnürte er das Päckchen fest mit Bast zu und gab es in eine Papiertüte, die zusätzlich noch zugetackert wurde.
Der eingangs erwähnte Besucher aus Regensburg findet dieses sorgfältige Vorgehen zwar ehrenhaft, aber dennoch nicht überzeugend. „Wenn es einer wirklich drauf anlegt, hat er das Messer innerhalb weniger Sekunden ausgepackt und sticht jemanden damit ab“, beschreibt er unverblümt die Szenerie, die man zwar wohl oder übel unter dem Stichwort „allgemeines Lebensrisiko“ abhaken muss, ihm jedoch als vermeidbar erscheint: „Auf so einem Markt haben Messer einfach nichts verloren.“
Neben dem Lucreziamarkt stellt sich diese Frage übrigens auch auf den restlichen Regensburger Weihnachtsmärkten nicht. „Wir haben keinen Stand mit Messern oder Ähnlichem auf unserem Adventsmarkt im Spitalgarten“, informiert Judith Lauth von der Veranstaltungsagentur Stadtmaus. Gleichlautend äußert sich Stadt-Sprecherin Juliane von Roenne-Styra: „Auf dem städtischen Christkindlmarkt gibt es keine Messerschleifer und es werden auch keine Messer verkauft.“
Was ist mit der Warendult?
Allerdings ergeben sich Folgefragen. Auf dem an jedem Freitag stattfindenden Bio-Donaumarkt zum Beispiel war in der Vergangenheit regelmäßig ein Messerschleifer vor Ort. „Der hat sich schon Sorgen darüber gemacht, wie die Leute ihre Messer zu ihm bringen sollen, wenn das Mitführen jetzt auf Märkten verboten sind“, erzählt Organisator Daniel Frost.
Und spätestens bis zur nächsten Maidult muss sich auch die Stadt genauer mit der künftigen Handhabung dieses Themas befassen, da es auf der Warendult traditionell einen Messerstand gibt. Zum jetzigen Zeitpunkt kann sich die Stadt dazu nicht äußern, „da das Vergabeverfahren für die Waren-Dult noch nicht abgeschlossen ist“.
Erlaubt bleiben Messer auf Märkten selbstverständlich für Beschäftigte, die diese im Zusammenhang mit ihrer Berufsausübung führen, sowie im dazugehörigen Restaurantbetrieb. „Zur Wahrung von zivilisierten Tischsitten“ erfolge daher auf dem Romantischen Weihnachtsmarkt die entsprechende Ausgabe von Besteck und somit auch von Messern, sagt Kittel und schwingt sich zu einem kleinen menschheitsgeschichtlichen Exkurs auf: „Unser Kulturkreis hat sich nämlich über die Jahrtausende hinweg zu eigen gemacht, beim Verzehr von Speisen auf den Gebrauch von ausschließlich der Hände weitgehend zu verzichten.“