Punsch bei Polizeipräsenz: So wird für Sicherheit auf Weihnachtsmärkten in Bayern gesorgt

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat am Mittwoch ein Messerverbot auf den bayerischen Weihnachtsmärkten und stichprobenartige Kontrollen angekündigt. „Diese sollen aber so dezent wie möglich ausfallen“, heißt es bei einer Umfrage der Mediengruppe Bayern bei den Präsidien in der Region. Trotzdem wird die Polizei vor allem bei den großen Christkindlmärkten Dauerpräsenz zeigen.
Die Meldungen ließen aufhorchen: Ein 17-Jähriger aus Elmshorn soll einen Terroranschlag mit einem Lkw auf eine nicht genauer definierte Menschengruppe geplant haben. Ähnlich dem Anschlag am 19. Dezember 2016 auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz, als ein islamistischer Terrorist einen Sattelzug in eine Menschenmenge steuerte. 13 Menschen starben damals, 67 wurden verletzt. Hinzu kommen weitere vereitelte Anschläge in den vergangenen Wochen und Monaten, etwa beim Taylor Swift-Konzert in Wien.
Sicherheitslage immer noch „abstrakt“
„Die Sicherheitslage ist nach wie vor abstrakt“, sagt Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern-Süd in Rosenheim. Daher reagiert die Polizei vor Ort. In Rosenheim etwa, dem größten Christkindlmarkt im südbayerischen Raum, wird die Polizei dauerhaft Präsenz zeigen. „Es wird immer eine uniformierte Streife vor Ort sein“, so Sonntag. Zudem seien auch Beamte in Zivil unterwegs. Stadt und Rettungsdienste wie Polizei und Feuerwehr hätten dafür ein eigenes Sicherheitskonzept erarbeitet.
Polizeieinsatz je nach Lage
Große Dienststellen wie Rosenheim oder auch Straubing, Ingolstadt und Regensburg haben ausreichend Personal, können eine „Task Force Christkindlmarkt“ ohne Sonderschichten stellen. Anders ist das bei kleineren Dienststellen, in deren Bereich dann aber oftmals mehrere Weihnachtsmärkte zu gleichen Zeit stattfinden. „Dann wird der Einsatz von zivilen und uniformierten Polizeikräften anhand der aktuellen Lageentwicklung individuell festgelegt und angepasst“, erläuter Christian Seiler, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken. In dessen Zuständigkeit fällt mit dem Nürnberger Christkindlesmarkt auch einer der größten und bekanntesten in Deutschland.
Generell ist für die Sicherheit bei solchen Events der Veranstalter, also meistens die jeweilige Kommune, zuständig. Das Nürnberger Konzept beinhaltet unter anderem technische Sperren, mit denen die Zufahrten zum Christkindlesmarkt, zum Markt der Partnerstädte und zur Kinderweihnacht abgeriegelt werden. Seit dem Terroranschlag in Berlin wird das bei fast allen großen Weihnachtsmärkten so praktiziert.
Polizeipräsenz wird erhöht
Einer der wichtigsten Bestandteile der Sicherheitskonzepte aller Weihnachtsmärkte ist aber die polizeiliche Präsenz. Das betont man auch im Polizeipräsidium Schwaben-Nord, in dessen Zuständigkeit etwa der Augsburger Christkindlmarkt fällt. Die Präsenz wird in diesem Jahr sogar noch erhöht, sagt Sprecherin Johanna Kruger, allerdings „unabhängig von den aktuellen Ereignissen“. Nichtsdestotrotz seien die Einsatzkräfte nochmals sensibilisiert worden. Im Fokus ihrer Streifengänge stünden dabei „Handtaschendiebstähle, das Besucheraufkommen und auffällige Personen“.
Was alle Präsidien unisono unterstreichen: Wenn Besucher der Weihnachtsmärkte verdächtige Personen, auffälliges Verhalten oder rätselhafte Gegenstände wie herrenlose Taschen bemerken, sollten sie sich nicht scheuen, die Polizei vor Ort oder per 110 zu verständigen. Denn was auch alle Polizeisprecher sagen und Günther Tomaschko von Präsidium in Niederbayern auf den Punkt bringt: Eine hundertprozentige Sicherheitsgarantie wird es nie geben. Einlasskontrollen werden aber nicht durchgeführt, wohl aber stichprobenartige Taschenkontrollen.
Polizei hat Langfinger im Visier
Trotzdem sollte niemand Bedenken haben, wenn er auf einen Christkindlmarkt geht. Außer wenn es um das eigene Hab und Gut geht, da ist Achtsamkeit angeraten. Tomaschko: „Taschendiebe werden uns sicher heuer wieder beschäftigen.“ Und auch im Innenministerium sieht man in den Langfingern die weitaus flächendeckendere Gefahr bei den Christkindlmärkten in Bayern, so ein Sprecher von Innenminister Herrmann auf Nachfrage: „Gerade in größerem Gedränge können Diebe auf der Opfersuche sein. Selbstverständlich hat die Polizei auch das vor allem mit Zivilfahndern im Blick, kann aber nicht überall gleichzeitig präsent sein.“