Regensburg trauert um prägende Figur Wolf Peter Schnetz

Der Schriftsteller dachte Kultur für alle – und erreichte viel: im Stab von Willi Daume bei Olympia 1972, als Kulturdezernent in Regensburg und in Erlangen und als Netzwerker. Jetzt ist der einflussreiche Kulturbeweger gestorben.
„Eine Hand voll Sand, in den Wind geworfen, ist alles, was bleibt“, so endet ein Gedicht von Wolf Peter Schnetz. In seinem Fall könnte nichts falscher sein. Von diesem Kulturbeweger bleibt viel: Von seiner Zeit als Regensburger, dann als Erlanger Kulturdezernent. Von seiner Lyrik, von Erzählungen und Romanen. Von seinem Ansatz, Kultur als gesellschaftlich wirksame Kraft einzusetzen. Und von Begegnungen.
Auch wenn der letzte Kontakt mit Schnetz, der zurückgezogen in einem Seniorenheim lebte, lang zurückliegt: Man erinnert sich gut an ihn, sieht ihn vor sich, voller Körperspannung und Energie, hat seine ruhige Stimme im Ohr, die klaren Worte und die interessanten Gedanken. Er war ein Mensch, der Eindruck machte. Auch bei Willi Daume, dem Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland.
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Wolf Peter Schnetz, 1939 in Regensburg geboren, hatte 1967 gerade sein Studium (unter anderem Theaterwissenschaften und Germanistik) mit Promotion abgeschlossen, als ihn Daume in seinen Stab holte. Im Organisationskomitee für die Olympischen Spiele 1972 verantwortete Schnetz das Ressort Kultur und fand eine ideale Aufgabe. Mit seinem breiten Kulturbegriff, mit seinem Konzept, Kultur für alle Lebensbereiche und alle Menschen zu denken, war er ein Pionier, in einer Zeit, in der der Begriff soziokulturell außerhalb einschlägiger Zirkel noch neu und sperrig klang.
Kultur als Kitt: Schnetz hatte das nicht nur im Kopf, er setzte das Gedachte auch pragmatisch um. In München gründete er Anfang der 1960er die Künstlervereinigung Junge Akademie und die Maistraßenpresse. In Regensburg initiierte er als Kulturdezernent (1968-1973) die Regensburger Kulturtage und stieß den Austausch etwa mit Österreich und Tschechien an, lud Kreative und kritische Denker zum Atelierfest in seine Altbauwohnung, rief zu Lesungen in die spätgotische Kapelle am Römling, richtete die Rathauskonzerte ein. Als Dezernent in Erlangen (1973-2000) bewegte er Großes, machte sich zum Beispiel stark für ein festes Theater und die Kunsthalle.
Nach der Pensionierung zog Schnetz 2001 mit seiner Frau Regine Arends in seine Heimat zurück, als freischaffender Schriftsteller. Die kurze, klare Form lag ihm, das Schnörkelfreie. Seine Gedichte, grundiert von einem lakonisch-heiteren, abgeklärten Ton, treffen einen unmittelbar und hallen nach. Kein zurückgezogener, sondern – etwas Seltenes – ein weltoffener, zugewandter Lyriker war er, bestens vernetzt, auch als Ehrenvorsitzender des Schriftstellerverbands VS Bayern und im PEN Zentrum Deutschland. 2011 schenkte er sein Archiv der Staatlichen Bibliothek Regensburg: ein halbes Leben in säurefreien Kartons, inklusive der Korrespondenz mit berühmten Autoren. Für sein Werk wurde er unter anderem mit dem Friedrich-Baur-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste geehrt und 2011 mit dem Kulturpreis der Stadt Regensburg, gemeinsam mit Alt-OB Christa Meier (SPD) übrigens, die an diesem Abend die Goldene Bürgermedaille erhielt.
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„Lyrik war für ihn immer die Suche nach dem Ort“, sagt Elfi Hartenstein vom VS Ostbayern. „Da war kein Stillstand, immer ein Weiter, Weiter.“ Kein Stillstand: Das galt auch für den ambitionierten Sportler. Im Kugelstoßen und im Diskuswerfen brachte er es sogar zu bayerischen Meistertiteln.
2004 packte Schnetz nochmal Großes an. Regensburg machte sich auf, Kulturhauptstadt Europas zu werden, und Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU) übertrug Schnetz das Büro 2010, um den berühmten „Koffer voller Ideen“ zu packen. „Er beeindruckte mich“, sagt Schaidinger, obwohl beide politisch auf unterschiedlicher Wellenlänge unterwegs waren. Dass Schnetz das Ideal suchte, aber pragmatisch blieb, imponierte ihm. „Er hatte einen eigenen Kopf. Aber was es zum Erreichen des Zieles brauchte, setzte er leidenschaftlich um.“
Schnetz wusste im Büro 2010 Helene Dörner-Pfuff aus der Kulturverwaltung an seiner Seite, die schon in seiner Zeit als Dezernent seine rechte Hand war. Er nannte sie seinen „Generalissimo“, sie schätzte ihn als klugen, großzügigen und straighten Denker und Macher, der präsent war, ohne sich selbst zu inszenieren.
Helene Dörner-Pfuff hütet aus der Ära Schnetz noch viele Beiträge, Briefe und Gedichte, auch eine Notiz, nach einem Artikel zum 60. Geburtstag. In seinem typischen leise-ironischen Ton schrieb Schnetz da: „Es ist ganz schön, wenn man noch zu Lebzeiten seiner Vergangenheit beiwohnen darf.“
Im Alter von 85 Jahren ist Wolf Peter Schnetz am 2. Dezember im Kreis seiner Familie friedlich eingeschlafen.