Vor dem Eingriff in die Verkehrsschlagader Janahof räumt die Stadt Cham alle anderen Baustellen ab

Von Johannes Schiedermeier · 10. Dezember 2024 um 05:00

„Wir haben den Spatz in der Hand gewählt!“ So umschreibt Tiefbau-Ingenieur Josef Ried die Entscheidung der Stadt Cham, die Frühlingsstraße nicht fertig zu asphaltieren.

Zu groß war das Risiko eines Frosteinbruches in die offene Baustelle. Der Katzberg hat den ersten Teil einer neue Hauptwasserleitung und ist wieder befahrbar. Dort wird planmäßig im ersten Halbjahr 2025 weitergearbeitet.

„Wieso sperren die in der Frühlingstraße noch? Da ist doch gar nichts mehr los?“ So mancher Autofahrer hat sich dieser Tage gewundert, weil die Sperrschilder an der Frühlingsstraße noch immer stehen. Allerdings täuscht der Eindruck, dass dort nichts mehr passiert, sagt der zuständige Tiefbau-Ingenieur im Rathaus, Josef Ried.

Die neuen Lampen fehlen

Die STRABAG habe dort noch Restarbeiten erledigt. Die Stadtwerke haben neue Straßenlampen aufgestellt, die allerdings noch kopflos sind und verkabelt werden. „Wir gehe davon aus, dass wir in der zweiten Dezemberwoche die Baustelle in der Frühlingsstraße vorerst freigeben können“, sagt Ried.

„Vorerst“ deswegen, weil die Stadt dort noch nicht ganz fertig geworden ist. „Wir hatten die Wahl: Wir hätten den Bau auf Biegen und Brechen durchziehen können. Wenn der Frost in die Baugrube gekommen wäre, dann wäre sie offengeblieben. Da haben wir uns für den Spatz in der Hand entschieden“, sagt Ried.

„Wir erreichen das Ziel“

So blieb die Taube auf dem Dach und die Baustelle unvollendet — dafür aber passierbar. Erst im Frühjahr will die Stadt dann den Rest der Fahrbahn rund um den Bereich der Handwerkskammer auffräsen und auch dort die Asphaltdecke erneuern.

„Wir erreichen aber auf jeden Fall unser Ziel, dass alle großen Baustellen abgeschlossen sind, bevor der Neubau der Flutbrücke Richtung Janahof beginnt“, verschert Ried.

Wehrmachtswaffe entdeckt

In der Frühlingsstraße wurde jeder Meter der Tiefbauarbeiten von Munitionsspezialisten überwacht. Es kam auch einiges zum Vorschein – zum Glück diesem keine Bombe wie bei den Arbeiten am Bahnhof. Allerdings fanden sich verbogene Waggonachsen, eine zerschossene Tür und ein verrotteter Wehrmachtskarabiner. Die Waffe wurde sofort fachgerecht entsorgt. Den Rest hat die Stadt gestapelt, um ihn zum Bauhof zu bringen. Allerdings wurden die Zeitzeugen des 2. Weltkriegs wohl von einem Schrottsammler entdeckt und waren plötzlich weg. Es gab auch noch zahlreiche Schrottfunde im Bereich der neu gebauten langen Stützmauern. An deren Ausgrabung zeigte die Bahn jedoch kein Interesse. Mit ziemlicher Sicherheit lagern in den Abhängen noch tonnenweise Schrott von den bombardierten Zügen im Bereich des Bahnhofs.

Katzberg planmäßig frei

In der Ortsmitte Katzberg wurde bis in die letzte Novemberwoche planmäßig die neue Hauptwasserleitung verlegt. Bei Vollsperrung aus Richtung Willmering und vom Schulberg her. Im Frühjahr wird die Entwässerung am Fahrbahnrand erneuert, der vielfach geflickte Asphalt abgefräst und durch eine neue Decke ersetzt. Während die Stadt einen neuen Kanal in Richtung Willmering verlegt, werden die Stadtwerke die neue Hauptwasserleitung bis zur Abzweigung Brennet weiterführen. Das wird sich laut Stadtwerkeleiter Stefan Raab bis in den Sommer hinziehen. Allerdings wird es nur noch auf einer kleinen Teilstrecke eine Vollsperrung brauchen, weil der Rest der Straße breit genug ist für eine halbseitige Sperrung.

So mancher Katzberger hat die Zeit genossen und fürchtet die neu ausgebaute Trasse trotz aller vorherigen Behinderungen. „Dann werden wir wieder eine Rennstrecke“, befürchtet ein Anwohner, der den täglichen Verkehr über die Abkürzungstrasse über den Willmeringer Weg zum Schulberg und zurück bestens kennt.

Die Ortsmitte in Katzberg ist inzwischen wieder aus allen Richtungen befahrbar. Die Wasserleitung ist verlegt und im Frühjahr wird gefräst und asphaltiert.