Ein Leben für das Center: Am Wochenende wird Ines Geltl zur Teilzeit-DJane

Die Disco ist wie ein fünftes Familienmitglied: Ines Geltl aus Abensberg ist mit dem Center aufgewachsen. Seit ihrer Volljährigkeit hilft sie ihren Eltern, den Betreibern Hans-Jürgen und Petra Geltl, aus.
Am Samstag und am Sonntag kann es schon einmal früher Morgen werden, bis Ines Geltl aus dem Center kommt. Erst wenn die letzten Gläser abgespült sind, geht es nach Hause. Groß ausruhen ist nicht. Denn montags sitzt Geltl als Sachbearbeiterin für Generationenarbeit wieder an ihrem Schreibtisch bei der Stadt Abensberg.
Wenn im Frühling das Center schließt, dann endet nicht nur für Papa und Mama Geltl eine Ära. Auch für die 33-Jährige geht dann ein Abschnitt zu Ende, der sie lange, lange Zeit begleitete. „Ich bin doch froh, wenn es dann einfach auch mal ruhiger wird“, bekennt die junge Frau.
Oma passte auf
Geltl wuchs mit dem Center auf. Wenn ihre Eltern zum Arbeiten in die Nacht hinauszogen, waren entweder die Großeltern da oder Geltl schlief bei Tanten. „Wir haben eine große Familie.“ Oft war auch einfach „Papazeit“, weil nur die Mama im Center war, „das war dann auch schön“. Das Center hat sie ein Leben lang begleitet. Und als sie dann 18 wurde, stand fest, dass sie auch aushelfen will. „Ich habe sogar meinen 18. Geburtstag hier gefeiert. Bis ein Uhr in geschlossener Gesellschaft, dann im offenen Betrieb. Da war sogar meine Oma mit dabei.“
Gut gefügt hat es sich, als sie in Eichstätt studieren konnte, es also nicht weit nach Hause hatte. Da war der Wochenendjob natürlich ein guter Ausgleich zum Lernen.
„Es macht mir einfach Spaß“, sagt Geltl. Das Center ist für sie auch ein Wohlfühlort. Sie hat hier ihren Freund kennengelernt. Und die Angestellten, die sind sowieso wie eine große Familie.
Aber wie überall fordert freilich auch der Discobetrieb seinen Tribut. Urlaube als Familie, die gab es, aber das Center gab immer den Takt vor. „Und so etwas wie Skiurlaub, das kenne ich gar nicht.“ Als sie vor ein paar Jahren mal alle gemeinsam nach Malta flogen, da ging es, „ohne Schlaf“, am Sonntag in den Flieger und zurück kam die Geltl-Familie dann am Freitag, damit man am Abend wieder im Center stehen kann.
DJ-Inspiration auf anderen Partys
Nicht nur Ines Geltl, auch ihr Bruder packt fleißig mit an. Während der eher beim Auf- oder Abbau, bei den „groben Dingen“ hilft, wie sie sagt, schenkt Geltl aus, unterstützt die Eltern bei der Werbung und legt auf. „Das ist das, was ich gerade hauptsächlich tue.“ Nachdem der Freitags-DJ aufhörte, probierte es Geltl einfach, „mit Musik kenne ich mich ja aus, deshalb ist mir das irgendwie geblieben“, sagt sie lachend.
Sie habe ein bisschen bei den anderen DJs abgeschaut, welche Songs bei welchem Publikum am Besten laufen und hat sich Listen gemacht, unterteilt nach unterschiedlichen Musikgenres. „Aber man muss auch up to date bleiben. Ich schaue auch auf anderen Parties, was da so gespielt wird“, erzählt Geltl und fügt hinzu: „Eigentlich bin ich immer irgendwie im Dienst.“ Auch, wenn Klassiker wie beispielsweise Journeys „Don't stop believin'“ oder „Let‘s get loud“ von Jennifer Lopez nach wie vor ziehen, muss Geltl am Laufenden bleiben. Nicht ganz einfach bei so vielen unterschiedlichen Musikstilen: „Es gibt mittlerweile so viele Geschmäcker, da ist es schwierig, die alle zu bedienen.“ Wie gut, dass das Center auch viele Stammkunden hat und Geltl weiß, was die mögen. Auch Wünsche werden erfüllt, zumindest, so fern es geht.
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Trends hat Geltl freilich auch an der Bar miterlebt. „Der ,Pfeffì‘ (ein Pfefferminzlikör, Anm. der Redaktion) oder die ,Berliner Luft‘ (ein klarer Pfefferminzlikör, Anm. der Red.) sind ganz in momentan.“ Eine Zeit lang sei Wodka Bull sehr gut gelaufen, mittlerweile sei eher der Gin Tonic wieder zurück an der Theke.
Center „sitzt“ mit am Tisch
Irgendwann ist dann auch der Barbetrieb zu Ende und der DJ-Laptop zugeklappt. Dann sitzt man zuhause beieinander– und plaudert auch gerne übers Center. Das Center sitzt immer irgendwo mit am Tisch, „freilich reden wir da auch über Ideen“. Und die hätten die Eltern immer auch gerne von ihren Kindern angenommen.
Und trotzdem freut sich Geltl schon ein wenig über die Zeit, wenn mal andere Themen am Familientisch erörtert werden. Vielleicht kann man dann mal über Urlaube reden, „oder einfach zusammen essen gehen“, sagt sie.