Millionen mit AirPods gemacht: Mann (33) betrog den Staat und muss nun in Haft

Ein 33-Jähriger soll dem Finanzamt eine unfassbare Summe vorenthalten haben. Er war wohl Teil eines Netzwerk, dass systematisch den Fiskus hintergeht – diesmal haben Ermittler einen der Drahtzieher geschnappt.
Kriminelle Netzwerke betrügen den Staat Jahr für Jahr um zig Millionen. Mit sogenannten Umsatzsteuerkarussellen – bei denen Waren innerhalb Europas so oft weiterverkauft und ein- und ausgeführt werden, dass Behörden kaum nachkommen, die Firmengeflechte zu durchleuchten. Um bis zu 20 Millionen Euro Steuerschaden ging es nun in Regensburg – das Urteil des Landgericht fiel milde aus.
Vier Jahre Haft verhängte die Wirtschaftsstrafkammer gegen einen 33-Jährigen. Für Steuerhinterziehung in 17 Fällen sowie zwei Versuche. Fast eine Million Euro, die der Tscheche für seine Tätigkeit erhalten haben soll, muss er sogenannten Wertersatz leisten. Heißt: Der Staat pfändet so lange alle Einkünfte, bis die Schulden beglichen sind. Seit Januar 2023 war der Mann europaweit zur Fahndung ausgeschrieben gewesen. Erst Mitte März gelang dann seine Festnahme. Gut zweieinhalb Monate später wurde er an die deutschen Ermittler ausgeliefert.
Das zu erwähnen, ist deshalb so wichtig, weil der 33-Jährige fast eineindreiviertel Jahre in Auslieferungs- und Untersuchungshaft hinter sich hat. Die Hälfte der Strafe wird aufgrund einer Anrechnung von U-Haft also schon im Frühjahr verbüßt sein. Sofern er sich gut führt, könnte er nach den geltenden Regelungen Anfang 2026 wieder freikommen – denn nach zwei Dritteln kommt die Aussetzung auf Bewährung in Betracht. Der Verurteilte ist einer von 16 Personen, die in dem Komplex im Fokus standen.
Teil einer europaweit agierenden kriminellen Organisation
Seit 2021 hatten sie das ausgeklügelte Umsatzsteuerkarussell betrieben. Nach Überzeugung von Ermittlern der Europäischen Staatsanwaltschaft (European Public Prosecutor’s Office) in München war der 33-Jährige bedeutender Teil einer kriminellen Organisation, gegen die wohl bis heute ermittelt wird. Der Modus Operandi, nach dem sie und viele andere arbeiten, ist einfach: Eine Firma importiert Produkte, in dem Fall AirPods, und macht beim Finanzamt die 19 Prozent Vorsteuer geltend. Ein Verkauf aber wird offiziell nie erklärt, wofür dann 19 Prozent Mehrwertsteuer abzuführen wären. Der Staat wird also betrogen, um zig Millionen.
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Der Verurteilte war nach der Überzeugung des Landgerichts Kopf von mindestens fünf Firmen quer durch ganz Deutschland verteilt, teils in Tschechien. Aus den Erfahrungen zahlloser vergleichbarer Fälle wurde mindestens eines der Unternehmen von Finanzbehörden frühzeitig als „Missing Trader“ eingestuft und stand unter Betrugsverdacht. Das dürfte der Start umfangreicher Ermittlungen gewesen sein. Nachgewiesen worden sein soll im aktuellen Fall, dass der 33-Jährige mindestens 910 000 Euro in bar erhielt. Zudem zahlt er sich offenbar insgesamt 100 000 Euro in Tschechien selbst aus.
Horrende Beute gemacht, ohne viel dafür zu arbeiten
Die Tatbeute des Mannes senkte das Gericht im Urteil auf 946 700 Euro. Gemessen daran hat der Mann rein rechnerisch für ein „Jahreseinkommen“ von knapp 240 000 Euro Steuerschaden je ein Jahr abzusitzen – außer er kommt schon nach drei Jahren auf Bewährung frei. Dann wären es noch einmal 75 000 Euro im Jahr mehr, ohne dafür wirklich etwas arbeiten zu müssen.