Diebe legen Regensburger Feuerwehren lahm – besorgte sich die Mocro-Mafia neues Material?

Von André Baumgarten · 5. Dezember 2024 um 19:00

Wut und Schock sitzen tief: Einbrecher stehlen Spezialgeräte aus Gerätehäusern rund um Regensburg. Drei Taten binnen 48 Stunden sorgen für Fassungslosigkeit bei den Ehrenamtlichen – und bereiten große Probleme.

„Eine Riesen-Sauerei“, sagt Kommandant Christian Ederer. Die Feuerwehr in Fußenberg-Hauzenstein ist Opfer einer dreisten Diebesbande geworden. Und sie ist nicht allein: In Harting und Tegernheim schlugen die Einbrecher auch zu. Abgesehen hatten es die Täter wohl ganz gezielt auf Rettungsspreizer sowie -schere samt Aggregat. Bis Ersatz beschafft ist, sind die Ehrenamtlichen nicht einsatzbereit. „Das kann schlimmstenfalls Menschenleben kosten“, warnt Kreisbrandrat Hans Bornschlegl.

Die Spuren, die die Täter im Wenzenbacher Ortsteil Fußenberg hinterlassen haben, sind kaum zu übersehen: Großflächig liegen die Scherben der Hintertür auf dem Boden, Beamte der Kriminalpolizei gehen immer wieder darüber in das Feuerwehrhaus und wieder heraus, sichern Spuren und befragen die Verantwortlichen. Gleich zwei Tatorte haben die Ermittler am Donnerstagfrüh zu bearbeiten.

Denn auch im nur gut zehn Kilometer entfernten Tegernheim haben die Täter im selben Zeitraum (die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag) zugeschlagen. Zwei Tage zuvor, von Montag auf Dienstag, offenbar auch in Harting. Drei Fälle arbeitet die Kripo derzeit ab, wie Polizeisprecher Jonas Krauß auf Nachfrage der Mediengruppe Bayern bestätigt. „Ob es Zusammenhänge gibt, wird natürlich geprüft.“

Sind die Taten das Werk der Mocro-Mafia?

Nach jüngsten Recherchen deutet viel darauf hin, dass in allen Fällen Profi-Einbrecher am Werk waren. Gezielt sind die hydraulischen Rettungssätze und auch Werkzeuge der Ehrenamtlichen entwendet worden. Geräte, die die Retter benötigen , um Leben zu retten. Immer wieder geschieht das, quer durch Deutschland. Dreister Klau bei örtlichen Feuerwehren scheinen geradezu in Mode zu sein.

Es gibt allerdings auch Vermutungen, dass die holländische Mocro-Mafia dahinter stecken könnte – weil sie solches Werkzeug für Geldautomaten-Sprengungen benötigt. Kommentieren will das von Polizeiseite offiziell allerdings keiner. „Mögliche Hintergründe sind selbstverständlich Teil unserer laufender Ermittlungen“, heißt es. Den aktuellen Beuteschaden beziffert Polizeisprecher Krauß auf rund 40.000 Euro. In Harting sei es beim Versuch geblieben.

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Tegernheim ist nicht das erste Mal Opfer geworden, wie Bürgermeister Max Kollmannsberger sagt. „Ich kann nicht verstehen, warum man sowas tut.“ Auf rund 15.000 Euro schätze er den zudem angerichteten Schaden am Feuerwehrhaus. Eine Hintertür sei völlig zerstört, die Täter seien aber da gescheitert. Letztlich seien sie wohl durch ein Fenster am Tor in Gerätehaus gelangt. Mangels Einsatzbereitschaft abmelden muss sich die Tegernheimer Feuerwehr dieses Mal aber nicht. Kommandant Michael Schindlbeck hat kurzfristig ein Leihgerät organisieren können. Der Chef der Aktiven ist fassungslos: „Man ist da, um Menschen zu helfen, und dann werden die Geräte geklaut.“

Ersatzgeräte für Feuerwehr nicht leicht zu kriegen

Das stellt uns jetzt schon vor größere Probleme“, sagt Wenzenbachs Bürgermeister Sebastian Koch. Moralisch sei das „besonders verwerflich, was zu klauen, dass lebensrettend sein kann“. Mit Hochdruck sondiere man bereits den Markt, um schnell Ersatz zu bekommen. Womöglich könne der Ausstatter des Fahrzeugs mit einem Leihgerät aushelfen. Kommandant Ederer hat klare Worte: „Diese Idioten wissen nicht, was sie da tun und wie gefährlich das ist.“ Im Ernstfall könne man bei einem Unfall jetzt gar nicht helfen. Er ist sicher: Fußenberg sei ganz gezielt ausgesucht worden.

Spezialisten der Kriminalpolizei sicherten an den Tatorten akribisch Spuren, nahm mit Tupfern DNA-Proben und sicherte Fingerabdrücke. Ob es einen schnellen Ermittlungserfolg gibt, ist derzeit offen. Fakt ist aber: Vor dreieindreiviertel Jahren hatten Täter nach demselben Muster zugeschlagen. „Das ist noch gar nicht so lang her“, weiß Kreisbrandrat Bornschlegl. Ihn wurmt daran ganz besonders, dass mit solchen Taten in ein Rettungssystem eingegriffen werden, „ohne jedweder Rücksicht auf Verluste“.

Waren es wieder Einbrüche auf Bestellung?

Anfang 2021 wurde in Köfering und eben in Tegernheim schon einmal eingebrochen. Auch damals war genau das Spezial-Rettungsgerät zum Spreizen und Schneiden, das bei schweren Unfällen benötigt wird, im Visier der Täter. So spezielle Geräte könnten „gezielt für einen im Vorfeld bekannten Abnehmer entwendet werden“, vermutete die Polizei damals. Gefasst wurden die Täter bis heute nicht.

Polizei sucht Zeugen

In einer am Freitag veröffentlichten Pressemitteilung bittet die Polizei nun um Hinweise zu den Einbrüchen. Zeugen, die in der Nacht von 2. auf 3. Dezember (Montag auf Dienstag) in Harting oder in der Nacht von 4. auf 5. Dezember (Mittwoch auf Donnerstag) in Tegernheim bzw. Thanhausen, verdächtige Personen oder Fahrzeuge feststellen konnten oder andere sachdienliche Angaben machen können, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 0941/506-2888 bei der Kriminalpolizeiinspektion Regensburg zu melden.

Die Regensburger Kriminalpolizei hat die Ermittlungen in drei Fällen übernommen. Auch in Tegernheim und Harting schlugen die Täter wohl zu. Foto: Baumgarten
Kripobeamte sicherte am Tatort akribisch Spuren. Der Auszug für Rettungsspreizer und -schere (Bildmitte) ist jetzt leer. Foto: Baumgarten