Neunburgs Golfer sind auch Naturschützer: Golfclub Oberpfälzer Wald erhält erneut Umweltzertifikat

Golfclubs werden oft nur als Sportstätten mit weitem, grünem Rasen gesehen. Mit Naturschutz werden sie selten in Verbindung gebracht. Dabei ist die Natur und deren Pflege für viele Golfer essenziell – auch für den Neunburger Golfclub Oberpfälzer Wald. Der hat jüngst sein Zertifikat Golf & Natur erneuert.
Die Zertifizierung erfolgt über den Deutschen Golfverband (DGV). Es sind Umweltschwerpunkte wie Natur und Landschaft, Pflege und Spielbetrieb, Arbeitssicherheit und Umweltmanagement sowie Öffentlichkeitsarbeit und Infrastruktur wichtig. Diese Punkte sind den Neunburger Golfern vertraut: Seit fast 30 Jahren setzen sie erfolgreich Naturschutzprojekte um. So wurden beispielsweise Blühwiesen angelegt. Entstanden sind auch Streuobstwiesen mit mehr als 300 Obstbäumen.
„Wir Golfer spielen gern in einer schönen, intakten Natur“, betont Golfclub-Präsident Roland Wacker. Die Natur sei das beste Kapital eines Golfplatzes. Das wird auch an den Zahlen deutlich: Von den insgesamt 70 Hektar Fläche des Golfclubs Oberpfälzer Wald werden nur 20 Prozent extensiv als Golfplatz genutzt. Der Rest sind besagte Blüh- und Streuobstwiesen, aber auch Biotope und Wasserflächen.
Auch Bienenkästen stehen auf Clubgelände
Diese Flächen zu pflegen, bedarf natürlich einiger Anstrengung. Von den zwölf festangestellten Mitarbeitern des Golfclubs sind allein sechs ausschließlich mit der Pflege der Flächen beschäftigt. Sie mähen den Rasen und pflegen die Biotope. Die Obstbäume zu schneiden und das Ernten der Früchte übernehmen ehrenamtlich die Mitglieder des Vereins. Heuer holten sie 2,8 Tonnen Äpfel von den Bäumen und machten daraus 1200 Liter Saft. Neben den Äpfeln ernten sie auch kleinere Mengen Zwetschgen, Birnen und Quitten.
Ein Imker hat zudem seine Bienenkästen aufgestellt. Ein Vorteil auch für die Golfer: Die Bienen bestäuben die Obstbäume auf dem Clubgelände. Für Ameisen und alles, was sonst noch so krabbelt, wurden mit den Totholz-Flächen ebenfalls ideale Lebens- und Futterräume geschaffen. „Wir arbeiten sehr eng mit den Naturschutzbehörden, dem Landschaftspflegeverband und dem Verein Naturpark Oberpfälzer Wald zusammen“, erläutert Wacker. Gemeinsam mit den Fachleuten sollen auch für die Zukunft neue Optionen des Natur- und Landschaftsschutzes erarbeitet werden. Ideen gibt es genügend, wie kürzlich beim Pressetermin anlässlich der Zertifizierung deutlich wurde.
Ein Vorschlag: Die Stadt Neunburg könnte auf dem Areal des Golfclubs Ausgleichsflächen für Baumaßnahmen finden. Bürgermeister Martin Birner (CSU) zeigte sich gegenüber der Idee aufgeschlossen.
Auf manchen Flächen bleibt das Mähgut einfach liegen
Mit anderen Partnern arbeitet der Golfclub bereits zusammen. So mähen Landwirte aus der Umgebung Teilflächen und nutzen das Mähgut als Futter für ihre Tiere. Bei den extensiv als Golfplatz genutzten Flächen wird das Mähgut entweder kompostiert oder in die Biomasseanlage nach Fensterbach gebracht, wie Roland Wacker erklärt. Auf machen Flächen bleibt das Mähgut auch einfach nur liegen, damit dieses im Boden abgebaut und somit wieder zu Nährstoffen wird. Ziel der Aktivitäten ist ein Imagewechsel: Golf soll nicht nur als Sport, sondern auch als Naturschutzprojekt verstanden werden. Ein Teil dieser Strategie ist die freiwillige Zertifizierung Golf & Natur. 2013 erhielt der Golfclub Oberpfälzer Wald erstmals das Zertifikat – seinerzeit noch in Bronze. Bereits ein Jahr später gab es Silber und 2015 Gold.
Werner Dietrich, Leiter der Touristinfo Neunburg und damals Vorstandsmitglied des Golfclubs, hatte deshalb mit einer Journalistin gewettet. Die hatte bezweifelt, dass der Golfclub innerhalb von nur drei Jahren den Gold-Status erreichen kann. Nach der verlorenen Wette habe die Journalistin eine Lederhose für den Auditor gesponsert, erinnert sich Dietrich.
Alle zwei Jahre wurde das Gold-Zertifikat erneuert. Wegen Corona wurde die Re-Zertifizierung 2021 allerdings um ein Jahr auf 2022 verschoben. Das veränderte auch den Zwei-Jahres-Rhythmus: Die Erneuerung des Zertifikats stand deshalb erst heuer wieder an.
Von einer Zertifizierung zur nächsten entwickelt der Club seine eigene Projekte weiter. So wurde das Wasserkonzept zur ressourcenschonenden Beregnung der Golfanlage verfeinert. Oder nach und nach trockenresistentere Grassorten nachgesät. Und auch der Strom, der für die Clubanlagen gebraucht wird, kommt inzwischen von den eigenen Dächern.
Baumkataster soll erstellt werden
Eine Herausforderung sei dabei, die circa 500 Clubmitglieder mitzunehmen. Denn nicht immer trifft es auf Verständnis, wenn man im hohen Gras den kleinen Ball nicht wieder findet. Das bleibt eine Aufgabe für die Zukunft, denn bis zur nächsten Zertifizierung haben die Golfer wieder einiges vor. So soll ein digitaler Biotop- und Baumkataster-Managementplan erarbeitet werden. Dieser soll deutlich machen, an welchen Stellen Baumbestände und Biotope weiterentwickelt werden könnten.
Umweltbildung kann sich Roland Wacker ebenfalls als Thema für die Zukunft vorstellen. Für Kinder könnte beispielsweise ein Naturlehrpfad geschaffen werden.