Auf den letzten Drücker zum begehrten Amt: Helena Kaiser wurde das Rötzer Christkindl

Von Bernadette Gabler · 7. Dezember 2024 um 11:00

Die Letzten werden die Ersten sein. Dieser Spruch trifft auf Helena Kaiser, das diesjährige Rötzer Christkind zu. Sie hatte nämlich die Bewerbungsfrist für das himmlische Amt ausgereizt und ihre Unterlagen erst am letztmöglichen Tag im Tourismusbüro abgegeben.

Trotzdem erhielt die 14-Jährige aus Steegen schnell Post aus dem Rathaus. Im Briefumschlag: Die Zusage. Kaiser ist das Rötzer Christkind 2024.

Da war die Freude natürlich riesig, erzählt das Mädchen. Und der Papa hatte auch noch recht behalten. Der habe nämlich schon vor ein paar Jahren vorausgesagt: „Du wirst einmal das Rötzer Christkindl.“

Damals sollte der Ausspruch wohl als Trost dienen. Mit der Bewerbung als Engerl hatte es für Helena nicht geklappt. Auch wenn sich Franz Bücherl selber an diesen Satz nicht mehr so genau erinnern kann: Freude und Stolz darüber, dass er Wirklichkeit geworden ist, sind ihm und seiner Frau Anita ins Gesicht geschrieben.

Helena liebt Weihnachten. Die Schülerin dekoriert teilweise schon Ende Oktober ihr Zimmer für die Adventszeit. Die Begeisterung für das Fest teilt die ganze Familie.

Ein gemeinsamer Besuch des Rötzer Christkindlmarktes gehört selbstverständlich jedes Jahr dazu. Heuer waren Eltern, Geschwister, Nichten und Neffen schon vormittags mit dabei, um den großen Augenblick mitzuerleben.

Geheimnis gelüftet

Dann lüftete der Bürgermeister nämlich das gut gehütete Geheimnis um den Namen des Christkindes. Nach der Begrüßung des Bürgermeisters kam dann das Christkind selbst zu Wort. Helena Kaiser eröffnete mit ihrem Prolog offiziell den Christkindlmarkt. Etwas aufgeregt sei sie gewesen, erzählt Helena. Damit sie die Nervosität nicht übermannte, bediente sie sich eines guten Tricks: „Ich hab einfach immer meine Leute angeschaut. Das mach ich auch bei Referaten so, dass ich mir eine bestimmte Person suche, die ich anschaue, von der ich weiß, dass sie mich gern hat.“

Außerdem war Helena bestens vorbereitet, hat die Texte zu Hause geübt und vorgetragen bis auch die Betonungen saßen. Damit dazu noch die Optik perfekt war, ging es am Samstagmorgen schon zum Friseur, um das blonde lange Haar in Locken legen zu lassen. Bei der Vorbereitung war es keine Überraschung, dass die Besucher einen souveränen Auftritt erlebten. Begleitet wurde Helena von den zwei Engeln Julia Ruhland und Marie Schnellbögl. Die drei Mädchen hatten sich den Tag über gegenseitig ermutigt mit der Parole: „Wenn ich das schaffe, schaffst du das auch!“

Ebenfalls eine große Hilfe für das himmlische Trio war die Familie Throner. Insbesondere Gisela Throner kümmerte sich wie jedes Jahr herzlich um Christkindl und Engerl, indem sie ihre gute Stube zum Aufwärmen zur Verfügung stellte, Getränke und Plätzchen anbot und auch gern den Fernseher zur Verkürzung der Wartezeit auf den großen Moment einschaltete.

Gemeinsame Aktion mit dem Nikolaus

Ein besonderer Moment für Kaiser war das Austeilen der Adventskalender gemeinsam mit dem Nikolaus. Der Andrang war groß. Dabei konnte sie den Kindern eine Freude machen, was für sie ohnehin das wichtigste bei der Sache ist. Den ganzen Tag über war sie gefragtes Fotomotiv und auch wenn ihr die Arme mit der Zeit schon weh getan haben vom Ausbreiten, sei es sehr schön gewesen. Besonders bewegt hatte sie auch die Freude einer älteren Dame, zu der sie extra geholt wurde, um ein gemeinsames Foto zu machen. Manche Kinder hätten sie sogar spontan umarmt. Ihre Mama Anita freute es besonders, dass die Tochter den ganzen Tag über so freundlich war. „Es war ein sehr schöner Tag. Alles ist gut gelaufen und da war wirklich ein Zauber in Helena“, schwärmt sie.

An Weihnachten gefällt Christkind Helena besonders das Beschenken ihrer Liebsten. Deswegen macht sie sich viele Gedanken und wichtelt auch mit ihren Freunden. Vor ihnen das Geheimnis zu wahren, dass sie Christkind sein wird, fiel der Realschülerin eigentlich nicht schwer. Allerdings hatten viele Freundinnen schon Vermutungen in diese Richtung angestellt, die sie versuchte zu zerstreuen. Die strikte Geheimhaltung stellte Kaiser aber anderweitig vor Schwierigkeiten, war sie doch genau am ersten Adventssamstag, der Termin des Christkindelmarktes, zeitgleich zum Ministrieren beim Gottesdienst eingeteilt. Wie viel leichter wäre es doch gewesen, hätte sie einfach ehrlich sagen können, warum sie keine Zeit hat.

Aktiv bei der Feuerwehr

Neben dem Ministrantendienst ist Helena in ihrer Freizeit aktiv bei der Jugendfeuerwehr in Steegen. Außerdem mag sie Tanzen und Inliner fahren. Diese Vorlieben verbindet sie zu einem ungewöhnlichen Hobby – Tanzen auf Inlinern. Außerdem liest Kaiser sehr gerne. Aktuell besucht das Mädchen die 8. Klasse der Marienrealschule im hauswirtschaftlichen Zweig. Ihr Lieblingsfach ist Ernährung und Gesundheit, aber auch an Physik, Sport und Kunst hat sie Freude.

Dieses Jahr konnten beim Christkindlmarkt wieder Briefe und Wunschzettel abgegeben werden. Diese wird Helena persönlich beantworten. Sie macht sich dazu viele Gedanken. Sie möchte keine Standard-Antwort verschicken, sondern auf jeden Schreiber eingehen. Nach dem ersten großen Auftritt beim Christkindelmarkt stehen für Helena in der Vorweihnachtszeit noch einige Termine an. Zum Beispiel wird sie die Senioren im Herbstblatt und die Vorschulkinder besuchen. Am Montag, den 16. Dezember, um 16.30 Uhr wird Kaiser in der Bücherei vorlesen.

Kaiser eröffnete mit dem Prolog den Christkindlmarkt.
Der Nikolaus mit seinem Krampus und dem Christkind
Viele Besucher nutzten die Möglichkeit auf ein Foto mit Christkind und Engeln. Foto: Anita Drexler