Viktor will leben für seine Familie: Mit der Diagnose einer seltenen Krebserkrankung änderte sich alles

Noch im Sommer dieses Jahres schien alles in bester Ordnung. Susanna und Viktor Hergerdt aus Burglengenfeld freuten sich auf ihre für September geplante große Hochzeit, und auch das Adoptionsverfahren von Susannas elfjährigem Sohn Adrian durch ihren Verlobten war auf der Zielgeraden. Im Juni fingen dann die Schmerzen an.
Die kleine Familie war glücklich in ihrer neuen Mietwohnung, die sie gemütlich eingerichtet hat, und ein gemeinsames Kind stand ganz oben auf der Wunschliste.
Viktor Hergerdt, Schichtmeister bei Infineon, schrieb sich zudem für ein Fernstudium der Mathematik ein, was ihn sehr interessiert. Ein weiteres Hobby des 37-Jährigen ist der Sport. Er lebt schon immer sehr gesund und trinkt keinen Alkohol, und im Mai absolvierte er den Halbmarathon in Regensburg in zwei Stunden und fünf Minuten.
Eine Beule am Lymphknoten
Als er im Juni Halsschmerzen und ein Fremdkörpergefühl spürte, dachte er sich nicht viel dabei. Der Arzt verschrieb ein Antibiotikum, und man schwelgte weiter in Hochzeitsvorbereitungen. Doch dann ertastete der Burglengenfelder eine Beule am Lymphknoten am Hals, und der Arzt schickte ihn umgehend zu Untersuchungen in die Uniklinik Regensburg. Man äußerte den Verdacht auf einen Tumor, doch nur eine Biopsie könne klären, ob gut- oder bösartig, sagten die Ärzte. Die Untersuchung sollte unmittelbar nach der Hochzeit und den fünftägigen Flitterwochen in Dubai stattfinden, und die Ärzte rieten: „Genießen Sie die Zeit.“
Das tat das frisch vermählte Paar, das aus Kasachstan stammt und seit den 1990er Jahren in Deutschland lebt. Zur Hochzeitsfeier waren 130 Gäste gekommen. „Wir haben große Familien, und alle unterstützen uns, auch in dieser schweren Zeit“, versichert die junge Frau dankbar.
Denn tatsächlich wurde am Ende Krebs festgestellt, und zudem noch eine äußerst seltene und aggressive Art – ein Nut-Karzinom am Kehlkopf, das bereits in die Knochen gestreut hatte. „Nur etwa 30 bis 40 Menschen bekommen das überhaupt weltweit“, erklärt Viktor Hergerdt. Nach dem ersten Schock beschlossen die beiden, nicht aufzugeben – obwohl die Ärzte ihnen nur wenig Hoffnung machten.
„Macht euch als Paar eine schöne Zeit“
Eine Operation, so die Mediziner, könne nichts bewirken und sei nicht möglich. Die Überlebensdauer betrage bei dieser Krankheit fünf bis zehn Monate, noch dazu gebe es wenig Forschungen über diese seltene Krebsart, hieß es. Man könne lediglich die Schmerzen lindern. Nur für eine Woche erhielt der Kranke Chemotherapie und Bestrahlungen, und wieder sagten die Mediziner: „Macht euch als Paar eine schöne Zeit.“
Die Schmerzen waren bald so groß, dass der 37-Jährige täglich Opiate nehmen musste. „Am Anfang habe ich sehr geweint und war verzweifelt. Auch Adrian macht sich große Sorgen“, berichtet Susanna, die als Bürokauffrau arbeitet. „Doch dann sagte ich mir, das kann doch nicht sein – wir kämpfen. Wir geben nicht auf.“ Eine „unglaubliche Welle der Hilfsbereitschaft“ hätten sie erlebt, bis heute, sagt das Paar dankbar. „Leute, die wir gar nicht kennen, bieten Unterstützung an.“
Die Freunde helfen aus
Verwandte und Freunde kommen regelmäßig, um einzukaufen, die Wohnung zu putzen, Wäsche zu waschen oder einfach nur da zu sein. Auch für seine Mutter wolle er kämpfen, sagt Viktor Hergerdt, der Jüngste von drei Söhnen. Einer seiner Brüder ist bereits verstorben, und die Mutter könne doch nicht noch ein Kind verlieren. Als ob das nicht reichen würde, ist nun vor einer Woche auch noch der Vater an einem Schlaganfall verstorben. Von Bekannten erfuhr die Familie von einer spezialisierten Privatklinik in Burghausen, die gute Erfolge bei der Behandlung schwer Krebskranker habe. Das Paar recherchierte, fuhr zur Beratung hin und war überzeugt: Dort könne man helfen. Hoffnung keimte auf. Doch die Kosten schienen für die junge Familie unerschwinglich – insgesamt 84.000 Euro für vier Wochen Chemotherapie mit jeweils drei Wochen Pause dazwischen.
„Damit er lebt“
Alle Hebel wurden in Bewegung gesetzt, ein Fundraising organisiert und Spendenaufrufe gemacht – und auch hier war die Hilfsbereitschaft sofort groß. Über 40.000 Euro kamen bisher schon zusammen, durch kleine und große Beträge. „Eine Familie, die wir gar nicht kennen, verzichtet heuer dafür komplett auf Weihnachtsgeschenke“, sagt Susanna Hergerdt gerührt. Koray, ein fünfjähriger Bub, gab seinen ganzen Schatz von 15 Euro dem Kranken, mit den Worten: „Damit er lebt.“
Das alles gebe ihnen Kraft und Mut, sagt das Paar. Die erste Woche in der Privatklinik haben sie bereits gemeinsam überstanden. „Seitdem sind auf einmal die Schmerzen weg“, erklärt Viktor Hergerdt mit einem hoffnungsvollen Lächeln, und seine Augen leuchten. Tapfer nickt seine Frau: „Wir schaffen das.“ Jeder andere Wunsch sei nun vergessen, das Wichtigste sei, gesund zu werden. Denn das Leben, so sagen beide, gehe doch für sie eigentlich gerade erst los.
So kann man helfen
Spendenkonto: Kontoinhaber: Hilfe für Viktor; IBAN: DE17 7505 1040 0031 8769 64; BIC: BYLADEM1SAD
Spendenseite: hilfefuerviktor.wordpress.com
