ÖPNV in Burglengenfeld: Erneut Klagen über „überfüllte Busse“ – Schulleiter sieht Ausweg

Alle Jahre wieder flammt in sozialen Netzwerken eine Debatte über die Buslinien auf, die in Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf) auch für die Schülerbeförderung von besonderer Bedeutung sind. Eltern beklagen unzumutbare Zustände, die ein hohes Risiko bergen würden. Die zuständigen Behörden beteuern, man habe die Lage im Blick. So auch jetzt wieder.
Mitte November teilte eine Mutter via Facebook mit, ihr sei mittags in Saltendorf ein Bus entgegengekommen, der aus „allen Nähten platzte“. Die Schüler „klebten bis vorne an die Windschutzscheibe“. Nicht auszudenken, welche Folgen dies bei einem Unfall haben könnte.
Die Reaktionen: Spekulationen über die Ursachen und Kommentare, die auf eine gewisse Resignation schließen lassen. 15 Jahre, so eine Userin, habe sie das Thema verfolgt und immer wieder die zuständigen Stellen kontaktiert. „Geändert wurde nix.“
Tatsächlich hat auch die MZ-Redaktion das Thema aus gegebenem Anlass immer wieder aufgegriffen. Mit fragwürdigem Erfolg. Die Debatten ebbten zwar jedes Mal wieder ab, die Fronten, so schien es, blieben aber verhärtet. Eltern fühlten sich im Stich gelassen – und chauffierten ihre Kinder lieber selbst.
Laut Landratsamt sind die Zahlen rückläufig
Die aktuelle Beschwerde müsste sich auf die Linie 41, die im ÖPNV eine zentrale Rolle spielt, beziehen oder die Linie 141, welche nur einen Teil der Strecke bedient. Sind ihre Busse zu Stoßzeiten derzeit wirklich wieder überfüllt?
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Manuel Lischka, Sprecher des Landratsamts, liefert Zahlen, die beide Linien umfassen, weil es seinen Worten zufolge keine getrennte Statistik gibt. Demnach lag dem Landkreis im Schuljahr 2023/24 täglich für exakt 882 Schüler eine Beförderungspflicht vor. Im laufenden Schuljahr sei dies für etwas weniger, nämlich 859 Schüler der Fall. Die Situation könnte sich demnach also etwas entspannt haben, auch wenn man laut Lischka teils noch Kinder und Jugendliche aus dem Landkreis Regensburg sowie Selbstzahler hinzurechnen müsse. Hierzu lägen der Behörde aber keine Daten vor.
Zählungen bestätigten „gute Auslastung“
Um die Auslastung der Busse beurteilen und notfalls reagieren zu können, habe die Regionalbus Ostbayern (RBO) als Betreiber auch heuer bereits Zählungen durchgeführt, berichtet Lischka. Derzeit würden weitere laufen. Dabei sei in der Tat festgestellt worden, dass die Busse ab 13 Uhr in Burglengenfeld in Richtung Regensburg „gut ausgelastet sind“. Allerdings existiere in dieselbe Richtung auch um 13.46 Uhr noch eine Fahrt ab dem Johann-Michael-Fischer-Gymnasium, welche ebenfalls Schüler befördern könne. Daher versuche man, auf das gesamte Fahrplanangebot hinzuweisen. So ließe sich die Situation entspannen.
Dass viele Kinder und Jugendliche in den Bussen zum Stehen gezwungen sind, wird seitens der Behörde nicht bestritten. Das sei aber nicht gleichzusetzen mit einer Überfüllung. Das Landratsamt beruft sich hier auf die einschlägigen Rechtsnormen, die den Rahmen vorgeben. Die Zahl an zulässigen Sitz- und Stehplätzen sei in den Fahrzeugpapieren dokumentiert. Die im ÖPNV eingesetzten Busse würden zudem einem „engmaschigen Kontrollnetz“ unterliegen. Würden Verstöße dokumentiert, „wären wir die ersten, die die Reißleine ziehen würden“, versichert Lischka.
Recherchen der MZ haben ergeben, dass es eher selten die Schüler selbst sind, die sich über die Zustände in den Bussen beklagen. Meist sind es die besorgten Erziehungsberechtigten. Viele tauschen sich darüber nur in den sozialen Netzwerken aus, manche wenden sich an die zuständigen Stellen, manche auch an die Schulen.
Schulleiter geht mit gutem Beispiel voran
Zumindest beim Leiter der Realschule, Christian Zingler, finden sie damit ein offenes Ohr, wenngleich er den Eltern sagen muss, „dass unsere Einflussmöglichkeiten sehr begrenzt sind“. Im vergangenen Jahr, berichtet der Pädagoge, habe die Schule mal einen Vorstoß gewagt. Daraufhin seien in den Bussen Scouts mitgefahren. Über ein Ergebnis sei man aber nie informiert worden.
Doch Zingler kann die Lage selbst besonders gut beurteilen. Als Besitzer des Deutschland-Tickets nutzt der Regensburger fast täglich für den Weg zur Arbeit und zurück den ÖPNV. Aus Überzeugung und ohne über die Schwächen zu jammern. Morgens setzt er auf eine Kombination aus Bahn und Bus, am späten Nachmittag wegen eines zu kleinen Zeitfensters für den Umstieg auf die Buslinie 41 oder 42.
Um Gedränge aus dem Weg zu gehen, scheut sich Zingler auch nicht, besonders früh aufzustehen. Der von ihm bevorzugte Zug startet in Regensburg bereits um 6.04 Uhr und ist rund 20 Minuten später in Maxhütte-Haidhof. Von dort aus geht es nach kurzer Wartezeit mit der Linie 41 in die Burglengenfelder Innenstadt.
Lieber eine Verbindung früher nehmen
Auch Schülern empfiehlt Zingler, eine Verbindung früher zu nehmen als es laut Fahrplan nötig wäre. Das diene der Entspannung und garantiere, rechtzeitig im Unterricht zu sein. Manch einen seiner Schützlinge hat er freilich auch schon beobachtet, wie er an einer Haltestelle lieber mit Kumpels ratschte. Die Ausrede, der Bus sei am Zuspätkommen schuld, sei dann natürlich ziemlich faul. Zingler wörtlich: „Da gibt es immer wieder rote Köpfe.“