Schutzraum für Kinder und Jugendliche – Schwesternhaus in Parsberg bekommt eine neue Nutzung

Von Markus Rath · 5. Dezember 2024 um 19:00

160 Jahre lang hatten die Mallersdorfer Schwestern in Parsberg gewirkt. Nach dem Abschied der drei letzten Vertreterinnen stand das Konventgebäude leer. Jetzt soll es – auch dank der Aktion „Sternstunden“ – eine neue Nutzung bekommen, die den Parsberger Schwestern bestimmt gefallen hätte.

Vorgeschichte: Bereits 2020 verkaufte der Orden das Gebäude, in dem nur noch Schwester Pietro, Schwester Ingrid und Schwester Vianette lebten, an die Stiftung Seraphisches Liebeswerk Altötting, die auch Träger des Pädagogischen Zentrums Parsberg (PZP) ist. Es war eine folgerichtige Entscheidung, da das Kinderheim Parsberg, das später zum PZP wurde, ja von den Mallersdorfer Schwestern gegründet wurde.

Zudem hatten zwei der noch in Parsberg verbliebenen Schwestern dort ihr Berufsleben verbracht. Schwester Ingrid als Einrichtungsleiterin, Schwester Pietro als Küchenchefin. Beide – inzwischen im Ruhestand und trotzdem weiterhin fleißig und aktiv – wurde dann zum 1. Dezember 2021 ins Mutterhaus des Ordens zurückbeordert, so dass das Gebäude leer stand.

„Sternstunden“ helfen Pädagogischem Zentrum in Parsberg

Das wird sich nun aber ändern. „Das Gebäude bietet uns Platz für zwei Inobhutnahme (ION)-Gruppen mit je vier Plätzen und drei separate Wohneinheiten für Care-Leaving“, berichtet Birgitt Mederer, Geschäftsführerin des PZP. Dafür müsse das Gebäude aber komplett für rund 1,5 Millionen Euro saniert werden. Und hier kommt die BR-Weihnachtsaktion „Sternstunden“ ins Spiel. Mederer: „Wir können das Projekt nur anpacken, weil wir von dort mit der enormen Summe von einer Million Euro unterstützt werden.“ Ein Umstand, den sie selbst noch gar nicht fassen könne. Schließlich sind es „zwei Herzensprojekte“ von Mederer, die auf diesem Weg verwirklicht werden.

Gleichzeitig werde damit auch im Landkreis Neumarkt ein wichtiger Baustein der Kinder- und Jugendhilfe erweitert. Denn die Nachfrage nach ION-Plätzen – das PZP ist die einzige Einrichtung im Landkreis, die diese anbietet – steigt laut Mederer dramatisch an. Die Geschäftsführerin berichtet von zehn bis 15 Anfragen monatlich, die inzwischen aus ganz Bayern oder sogar aus ganz Deutschland kämen. „Damit sind unsere Kapazitäten aktuell und zukünftig ausgelastet“, sagt Mederer.

Im Moment würden diese Kinder und Jugendlichen, die von den Jugendämtern aus den unterschiedlichsten Gründen in Obhut genommen werden, in den laufenden Gruppenbetrieb des vollstationären Bereichs integriert. Das sei weder für sie, noch für die Kinder, die dauerhaft in den Gruppen leben, optimal. „Die meist traumatisierten Kinder und Jugendlichen kommen so nach der Inobhutnahme in ein Nest, von dem sie wissen, dass sie nicht bleiben können“, schildert Mederer die Situation. Gleichzeitig müssten die Bestandskinder ihre Betreuer mit den fremden Kindern und Jugendlichen teilen. „Das wird von allen Beteiligten als sehr belastend empfunden.“

Die neu geplanten ION-Gruppen seien dagegen konzeptionell bereits dafür ausgelegt, die jungen Menschen, die sich wegen der Trennung von der Familie und den zugrundeliegenden Gründen in einer elementaren Lebenskrise befänden, zu stabilisieren und ihnen so in den kommenden Monaten eine gute Lebensperspektive zu verschaffen.

Mederer: „Die Inobhutnahme ist eine Atempause, in der sich der junge Mensch mit professioneller Unterstützung neu sortiert, neuen Lebensmut findet und seinen Zielkompass neu ausrichtet.“ Sie könne eine Überleitung in ein langfristig haltbares Betreuungsangebot oder eine strukturierte Rückführung in die Familie sein. Wichtig sei durch den Aufbau von zwei ION-Gruppen in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeit, die vier bis zehnjährigen Kinder von den Jugendlichen zwischen elf und 18 Jahren zu trennen.

Drei separate Wohneinheiten für Care-Leaving

Doch nicht nur die ION-Gruppen liegen Mederer am Herzen. Im zweiten Teil des Projekts möchte sie den Jugendlichen, die dem Angebot der vollstationären Kinder- und Jugendhilfe entwachsen sind, eine Chance bieten, nicht von null auf 100 in die Eigenverantwortung zu wechseln. Zu diesem Zweck werden räumlich von den ION-Gruppen getrennt drei eigenständige Wohneinheiten geschaffen, in denen das PVZ dann Care-Leaving anbietet. Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff „Betreutes verlassen“ und versteht sich laut Mederer als „Trainingswohnen“. Dabei sollen junge Menschen sukzessive auf die erste eigene Wohnung und die damit verbundene vollständige Selbstständigkeit vorbereitet werden.

Denn sie stelle zunehmend das Problem fest, dass immer mehr Jugendliche, vor allem auch junge Frauen, die viele Jahre in der Jugendhilfe gelebt haben, sich schwer täten, in ein gesundes und selbstbestimmtes Leben zu finden, weil sie durch die Lebenspraxis überfordert sind. „Dem wollen wir entgegenwirken“, sagt Mederer.

Gut zu wissen

Die Einrichtung: Das Pädagogische Zentrum (PZP) St. Josef besteht aus vollstationären und ambulanten Hilfen zur Erziehung, der Dr.-Nardini-Schule – einem privatem, staatlich anerkanntem Förderzentrum für emotionale und soziale Entwicklung – sowie einem Kindergarten mit Kinderkrippe.

Inobhutnahme: Die Gruppen bieten akut gefährdeten jungen Menschen in Krisensituationen Schutz. Die Gründe für die Inobhutnahme sind dabei vielfältig: Sie reichen von Gewalt und Missbrauch in der Familie bis hin zu einem Unglücksfall, der dazu führt, das Eltern von heute auf morgen ausfallen.

Sternstunden: Mehrmals täglich präsentiert der Bayerische Rundfunk vom 1. bis zum 24. Dezember jeweils ein Kinderhilfsprojekt, das finanziell unterstützt wird. Das PZP wird am 16. Dezember vorgestellt. Die Beiträge werden unter anderem um 15.58 Uhr, um 18.28 Uhr und 19.58 Uhr sowie von Montag bis Freitag bei „Wir in Bayern“ um 16.15 Uhr gezeigt.

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