Schlechte Deutschkenntnisse: In Parsberg soll Tamara Macha für Abhilfe schaffen – so geht sie vor

Die Stadt Parsberg ist laut Bürgermeister Josef Bauer die Kommune im Landkreis Neumarkt mit dem höchsten Ausländeranteil. 71 Nationen leben hier. Deswegen beschäftigt die Stadt seit September mit Tamara Macha eine besondere Erzieherin. Der Clou: Von ihr profitieren auch die Kinder mit Deutsch als Muttersprache.
Macha, selbst Mama, hilft den Kindern in der städtischen Kindertagesstätte nämlich ihre deutschen Sprachkenntnisse zu verbessern. Der Grund ist einleuchtend: „Wir wollen so früh wie möglich anfangen, Kindern mit Migrationshintergrund Deutsch zu lehren“, sagt Bauer. Damit sich ein Szenario nicht mehr wiederholt, das er bei einem Besuch einer vierten Grundschulklasse im Rathaus erleben musste.
Schlechte Deutschkenntnisse verursachen Probleme in Schulen
„Da waren einige Kinder dabei, die überhaupt kein Deutsch sprachen“, erinnert sich Bauer. Gleichzeitig bekämen die Stadt und auch er von der Grundschule, aber auch von den weiterführenden Schulen, immer wieder die Rückmeldung, dass nur ein Kind, das die Sprache nicht kann, den Unterricht einer ganzen Klasse schwierig mache. Zudem sei es wegen der Größe der Klassen in der Schule sehr schwierig, dieses eine Kind gezielt beim Spracherwerb zu fördern.
In jungem Alter und vor der Schulzeit gelinge dies aus seiner Sicht einfach viel besser. Deshalb hätte vor allem Geschäftsleiter Stefan Schmidmeier, der die städtische Kindertagesstätte „immer vorbildlich im Blick hat“, nach einer Möglichkeit gesucht, schon dort die Sprachförderung zu etablieren, damit es die Kinder, wenn sie dann in die Schule kommen, leichter haben. Und auch im Alltag würden diese durch gute Deutschkenntnisse profitieren. Bauer: „Die Integration kann nicht früh genug beginnen.“
Passend zum städtischen Vorhaben kam Tamara Macha aus der Elternzeit und hatte Lust, sich dieser Aufgabe zu widmen. Sie hatte nach dem Abschluss der Realschule den Beruf der Erzieherin erlernt und bereits als Gruppenerzieherin im Parsberger Kindergarten gearbeitet.
Dann kam ihre zweijährige Babypause. Danach hat sie sich zur Sprachförderkraft weitergebildet und im September die Aufgabe in der Kindertagesstätte übernommen. Bauer: „Eine Erzieherin bietet sich für diese Aufgabe an, weil sie im Umgang mit den kleinen Kindern schon geübt ist.“
Sprachkompetenzen werden in Kleingruppen verbessert
Und Macha ergänzt: „Du musst ja auch wissen, wie ein Kind mit drei Jahren sprechen sollte.“ Nur dann könne man beurteilen, ob die Sprachkompetenzen passend zum Alter entwickelt sind, oder ob das Kind gefördert werden muss.
Sie selbst habe bei ihren regelmäßigen Fortbildungen ein Hauptaugenmerk auf Sprache gelegt und so Grundkenntnisse, theoretische Hintergründe und auch praktische Anwendungen zur Sprachförderung mitgenommen.
Aktuell betreut Macha 40 Kinder, 27 davon haben einen Migrationshintergrund. Andere sind trotz deutscher Muttersprache beim Spracherwerb noch nicht so weit, wie sie für ihr Alter sein sollten. Sie alle arbeiten nun in Kleingruppen spielerisch daran, ihre sprachlichen Fertigkeiten zu verbessern.
„Das ist sicherlich nicht vergleichbar mit dem Unterricht in der Schule. Wir spielen zusammen Spiele, die zum Sprechen anregen, und singen gemeinsam Lieder“, erklärt Macha. Dabei werde der Wortschatz erweitert, das Sprachverständnis gefördert sowie Grammatik und Satzbau verbessert.
Ihr Augenmerk liegt aber nicht nur auf den sogenannten Vorschulkindern. „Wir fangen schon bei den Krippenkindern an, die gerade erst sprechen lernen“, sagt Macha, die bei den Kindern sehr viel Motivation für die Sprachförderung wahrnimmt. „Die Kinder lieben es und reißen sich darum, dabei sein zu dürfen“, erzählt sie. Und auch sie selbst habe mit der neuen Rolle eine für sie passende Aufgabe gefunden.