Trotz Lernbehinderung: Junger Parsberger wird Modellbauer bei der FIT AG in Lupburg

Von Markus Rath · 29. Oktober 2024 um 11:00

Anthony Loos arbeitet – fest angestellt, sozialversicherungspflichtig – bei der FIT AG in Lupburg. Damit hat der junge Mann mit Lernbehinderung eine seltene Erfolgsgeschichte geschrieben. Denn noch immer haben viele Chefs Vorbehalte gegen Menschen mit Handicap.

„Im Schnitt schafft nur einer unserer Mitarbeiter im Jahr den Schritt aus der Werkstätte für Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt“, berichtet Markus Moosburger, Jobcoach bei der Regens Wagner Stiftung Holnstein. Er hat Loos auf diesem Weg betreut, der über das Förderprogramm „Budget für Arbeit“ möglich wurde.

Der Berufsweg des heute 29-jährigen Loos begann 2016. Seitdem arbeite er in den Holnsteiner Werkstätten. Vor einem Jahr zog er dann in die dort neu gebaute Wohnanlage der Regens Wager Stiftung in Parsberg. Gleichzeitig reifte bei ihm auch der Wunsch, sich beruflich weiter zu entwickeln.

Start mit einem Praktikum bei der FIT AG

„Ich habe mich entschlossen, ein Praktikum zu machen“, erzählt er. Deshalb habe er sich von Moosburger beraten lassen, wie sein Weg in den ersten Arbeitsmarkt aussehen könnte. „Wir sind dann auf die FIT AG gestoßen, haben sie angeschrieben und schon der erste Tag des Praktikums hat mir gut gefallen.“ Auch wenn die Aufgaben im Werkzeug- und Modellbau des Unternehmens eine große Herausforderung für ihn waren.

„Ich habe sowas vorher noch nicht gemacht“, erzählt Loos, nachdem er zusammen mit seiner Kollegin und Anleiterin Brigitte Hirschmann auf dem Sofa im Büro des Vorstandsvorsitzenden Carl Fruth Platz genommen hat. „Wir bearbeiten Kunststoffteile aus dem Vakuum- oder Spritzguss so, wie der Kunde das haben will“, berichtet Hirschmann, die Loos vom ersten Tag an unter ihre Fittiche genommen hat und ihm genau erklärt, worauf es ankommt, wenn verschiedene Prototypen und Kleinserien von Bauteilen produziert werden.

Denn nachdem das flüssige Material – in der Regel Kunststoff – in eine Hohlform gegossen und erkaltet ist, folgen noch viele Nachbearbeitungsschritte, die mit der Hand oder kleineren Geräten ausgeführt werden. So gehört es zum Beispiel zu den Aufgaben von Loos, diese Bauteile sorgfältig zu entgraten.

„Das Schöne ist, glaube ich, bei uns im Modellbau, dass das Tätigkeitsfeld sehr breit ist“, sagt Fruth. Es gebe manchmal ein bisschen gröbere Arbeiten, dann wieder sehr feine Arbeiten. Insofern sei man deshalb in der Lage, die verschiedenen Tätigkeiten so auf die unterschiedlichen Kollegen zu verteilen, dass jeder seiner Begabung entsprechend optimal eingesetzt werde. So ist es auch beim Zusammenwirken von Loos und Hirschmann.

„Ich muss ihm die Dinge halt genau erklären“, sagt Hirschmann. Dafür profitiere sie von seiner Ausgeglichenheit, wenn es stressig wird. „Ich neige dann dazu, hippelig zu werden. Da bringt er mir ein bisschen Ruhe“, sagt sie. Auch Loos bestätigt: „Ich komme gern hier her, die Arbeit macht Spaß, die Kollegen sind total nett und freundlich. Mit denen kann ich mich gut unterhalten und zusammenarbeiten.“

Loos hat es also geschafft. Nach dem Praktikum wurde bei der FIT ein Außenarbeitsplatz zur Werkstatt geschaffen, nachdem sich Loos weiter bewährt, wurde er ab 1. Oktober bei der FIT angestellt. „Wir verlieren in den Holnsteiner Werkstätten eine gute Arbeitskraft“, sagt der Leiter der Werkstätten Franz Hausner. Aber genau das sei ja das Ziel der Regens Wagner Stiftung: „Wir wollen Menschen dazu befähigen, dass sie ihren Weg raus aus der Werkstatt gehen. Dazu braucht es aber auch Arbeitgeber, die sagen: Ja, wir probieren es.“

Doch da gibt es laut Moosburger noch Luft nach oben. Denn viele Arbeitgeber hätten kein Interesse daran, einen Menschen mit Behinderung zu beschäftigen.

Ein Ziel bleibt für den Parsberger noch

Moosburger: „Da heißt es dann zwischen den Zeilen, da haben wir nur einen Haufen Arbeit damit. Dabei haben wir, wie man bei Anthony sieht, gute Erfahrungen gemacht.“ Zudem sei seine Entwicklung noch nicht abgeschlossen. Die Wohnanlage in Parsberg sei nun nach dem Erfolg im Beruf nur eine Durchlaufstation für den 29-Jährigen. „Ich will in eine eigene Wohnung ziehen“, sagt Loos.

Das „Budget für Arbeit“ im Überblick

Voraussetzung: Die Unterstützungsleistungen erhalten Menschen, die einen Rechtsanspruch auf einen Arbeitsplatz in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung haben und ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt aufnehmen können und wollen.

Förderung: Ein Fachdienst beurteilt, wie leistungsfähig ein Mitarbeiter ist, und legt dann fest, wie hoch die Förderung ist. Das „Budget für Arbeit“ ist unabhängig von Einkommen und Vermögen. Der Arbeitgeber erhält einen Zuschuss zu den Lohnkosten von bis zu 75 Prozent des Arbeitslohnes. Zudem werden Assistenzleistungen übernommen.

Sicherheit: Wenn sie das Beschäftigungsverhältnis am allgemeinen Arbeitsmarkt beenden wollen, haben die Menschen mit Behinderung Anspruch auf die Rückkehr auf einen Arbeitsplatz in der Werkstatt.

us

FIT-Pressesprecherin Elisabeth Bauer im Gespräch mit Anthony Loos. Foto: FIT AG/Mario Langbein