Stadtkirche in Neumarkt: Zusammenlegung der Pfarreien ruft gemischte Gefühle hervor

Von Josef Wittmann · 5. Dezember 2024 um 05:00

Dass die sechs Pfarreien in Neumarkt (Landkreis Neumarkt) unter der Leitung von Dekan Stefan Wingen zusammenrücken sollen, bewegt die Gläubigen in der ganzen Stadt. Etliche Betroffene haben noch keine Meinung zu dem Projekt – oder wollen sie noch nicht preisgeben. Aber einige engagierte Ehrenamtliche haben auf Nachfrage unseres Medienhauses verraten, was sie davon halten.

Zum Beispiel Franz Ebenhöch. Er ist Kirchenpfleger im Münster und engagierter Kolpingbruder. Er ist zuversichtlich. „Von Sitzung zu Sitzung ist alles klarer geworden. Und seit bekannt ist, dass Pfarrer Wingen dem Ganzen vorstehen soll, wissen wir, dass die Neuaufstellung der Stadtkirche klappen kann“, sagt Ebenhöch.

Nach seiner Einschätzung sei es auch notwendig, dass sich die Pfarreien zusammentun: „Vor einer leeren Kirche eine Messe zu halten ist schwierig. Wir brauchen mehr Austausch und die bessere Bündelung der Gottesdienste in der Stadt und müssen versuchen, auch die Beichtgelegenheiten, Firmungen und Kommunionen besser untereinander abzusprechen.“ Er sieht Neumarkt hier auf einem guten Weg. „Ich bin jetzt guter Dinge, dass wir spätestens in zwei oder drei Jahren ein neues Konzept haben, mit dem wir alle gut leben können“.

Sorge vor Dominanz der großen Kirchen in Neumarkt

Drüben in der Kirchenverwaltung „Zu unserer lieben Frau“ ist Immobilienspezialist Robert Alber für die Immobilien der Pfarrei zuständig. „Ich finde den Schritt gut, weil alle Kirchen leerer geworden sind. Die Leute müssen das Ellenbogen-Denken vergessen und das Wir-Denken rein bringen. Es geht ja um den Herrgott.“ Jetzt sollten sich die Gremien kennenlernen und unabhängig von der Größe ihrer Pfarrei miteinander arbeiten, findet er.

„Vor einer leeren Kirche eine Messe zu halten ist schwierig“

Jutta Spille ist nach zwei Jahrzehnten im Pfarrbüro von St. Martin schon seit Jahren die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats in Pölling. „Wir haben eine Menge Ehrenamtliche. Die haben Angst, dass man in der großen neuen Stadtkirche untergeht, weil die beiden Stadtpfarreien schon wegen ihrer Größe dominieren. Wir wollen als Dorfpfarrei auf Augenhöhe gesehen werden“, sagt sie.

Neben dem Zusammenlegen von Kirchen und Verwaltungen solle die Kirche mehr Vertrauen in ihre Ehrenamtlichen haben. Zum Beispiel sollten die als Leiterinnen und Leiter von Wortgottesdiensten nicht ausgebildeten Frauen und Männer nicht nur als Notnagel eingesetzt werden, wenn ein Pfarrer krank ist. „Man soll die Laien nicht nur zum Putzen, Backen und Schmücken einbeziehen und den Heiligen Geist wirken lassen“, wünscht sie sich.

Viele neue Aufgaben für Dekan Stefan Wingen

Und was sagt das Kirchenvolk zu der Entwicklung. Franz Zimmermann, dessen traditionsreiches Geschäft am Unteren Markt auf der Grenze zwischen Münster- und Hofpfarrei liegt, spricht da manchem aus der Seele. „Heute passt es eigentlich. Ich sehe noch keine wesentliche Verbesserung durch das Zusammenfassen zur Stadtkirche. Aber ich habe Bedenken, ob Dekan Stefan Wingen mit den vielen Aufgaben gut rumkommen wird. Er ist doch jetzt schon gut beschäftigt.“ Wingen brauche dringend Unterstützung, damit er sich noch seinen geistlichen Aufgaben als Pfarrer widmen kann, meint Zimmermann.