Nicht nur Autofahrer betroffen: Stürzt Großdemo Regensburg am Wochenende in ein Verkehrschaos?

Von Philip Hell · 4. Dezember 2024 um 05:00

Schöne Bescherung – und das noch vor dem Fest: Die Letzte Generation hat für das Wochenende einen Großprotest angekündigt. Nun droht ein Verkehrschaos in Regensburg.

Denn: Durch den Protest am Samstag ab 12 Uhr wird aller Voraussicht nach das Parkhaus am Dachauplatz zumindest teilweise blockiert. Stadtwerk-Sprecher Martin Gottschalk schreibt auf MZ-Anfrage: „Das Parkhaus am Dachauplatz wird am Samstag grundsätzlich nicht geschlossen. So lange es geht, bleibt die Erreichbarkeit gewährleistet.“ Allerdings rechnen die Stadtwerke ab dem Samstagvormittag mit massiven Beeinträchtigungen.

Verkehrschaos durch Demo am Samstag in Regensburg: Auch Busse betroffen

Abgesehen vom Parkhaus wird sich die Blockade auch auf den Busverkehr auswirken, schreibt Gottschalk weiter. Alle Linien, die über den Dachauplatz fahren, müssen umgeleitet werden. Gottschalk macht deutlich: „Durch die erwartbaren Stauungen im gesamten Stadtgebiet rechnen wir mit einer höchst problematischen Verkehrslage.“ Die Stadtwerke empfehlen, die Innenstadt mit dem Auto zu meiden.

Ausgerechnet am zweiten Adventssamstag droht Regensburg also ein Verkehrs-Fiasko. Das Parkhaus am Dachauplatz ist das größte in der Altstadt. Bei den Händlern stoßen die Auswirkungen der Demo auf wenig Gegenliebe, sagt Maria Müller, Geschäftsführerin des Vereins Faszination Altstadt. Das anstehende Wochenende sei mit das verkaufsstärkste im Jahr – die Händler seien auf Umsätze angewiesen. „Die vergangenen Jahre waren herausfordernd“, sagt Müller. Zugleich betont die Vereins-Geschäftsführerin: „Wir verstehen, dass es in einer Demokratie wichtig ist, seiner Meinung Ausdruck zu verleihen.“ Müller schränkt allerdings ein: „Die Frage ist immer: Was erreicht man mit einer Demonstration? Kann man wirklich seine Botschaft transportieren oder spaltet man nur noch mehr?“

„Advent, Advent, die Erde brennt“: Darum protestiert die Letzte Generation in Regensburg

Also: Wofür demonstriert die Letzte Generation eigentlich diesmal? Die Demo steht unter dem Motto „Advent, Advent, die Erde brennt.“ Auf dem Dachauplatz soll ein „widerständiger Weihnachtsmarkt“ stattfinden. Sebastian Mederer, Sprecher der Klimaaktivisten, kündigt im MZ-Gespräch zahlreiche Stände an, die sich allesamt mit der Klimakatastrophe beschäftigen werden. Die Demo ist als Großprotest angelegt, die Letzte Generation rechnet mit bis zu 200 Teilnehmern. Darüber kündigen sie friedliche, bunte und kreative Proteste im gesamten Stadtgebiet an. Wie diese genau aussehen werden, lässt Mederer noch offen. Womöglich soll es aber Störaktionen geben. Der Sprecher der Aktivisten macht allerdings deutlich: „Wir wissen, dass Weihnachtsmärkte sensible Orte sind. Wir wollen niemanden in Gefahr bringen oder für Panik sorgen.“

Großprotest könnte Verkehr in Regensburg lahmlegen: Wie reagiert die Polizei?

Die Demonstration soll bis zum Abend dauern, sagt Mederer. Das hänge auch vom Umgang der Polizei mit dem Protest ab.

Auch das Polizeipräsidium rechnet mit einem Großeinsatz, sagt Sprecher Michael Zaschka. Ob die Demonstration geräumt wird, könne man noch nicht sagen. „Das ist eine Einzelfallentscheidung.“ Die Einsatzleitung vor Ort werde darüber entscheiden. Grundlage dafür ist das bayerische Versammlungsrecht. Das schützt zum einen die Demonstration – zum anderen aber auch die öffentliche Sicherheit und Ordnung. In diesem Spannungsfeld bewegen sich die Demonstrationen der Letzten Generation meist.

Die Aktivisten haben für Samstag im Übrigen auch Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) eingeladen. Die Letzte Generation hat der Stadtspitze einen Brief zukommen lassen. Darin fordern die Aktivisten die OB dazu auf, sich hinter die Ziele der Gruppe zu stellen. Zudem solle die Stadt aus allen fossilen Energien aussteigen. Darüber hinaus solle Maltz-Schwarzfischer sich auf Landes- und Bundesebene dafür einsetzen, dass ehrlich über die Klimakatastrophe gesprochen wird. Die Oberbürgermeisterin solle am Samstag auf den Dachauplatz kommen, um über die Klima-Thematik zu sprechen. Die Aktivisten forderten das Stadtoberhaupt dazu auf, bis zum Montag auf das Schreiben zu reagieren. Aktivisten-Sprecher Mederer: „Bislang hat sie sich noch nicht gemeldet.“ Die Pressestelle der Stadt wollte das Schreiben am Dienstag nicht offiziell kommentieren. Nur so viel: „Die Demonstration der Letzten Generation wurde bislang noch nicht offiziell angezeigt.“ Viel Hoffnung auf prominenten Besuch aus dem Rathaus hatten die Aktivisten ohnehin nicht, sagt Sprecher Mederer: „Wir haben nicht mit einer Zusage gerechnet.“

Rückblick: Schon im September legte die Letzte Generation das Parkhaus am Dachauplatz lahm.