Bald ist Schluss: Regensburgs Bordellkönigin hat Juliska-Bar nach Stadt-„Schikane“ abgemeldet

Von Philip Hell · 29. November 2024 um 19:00

Eine schillernde Rotlichtkarriere endet in einem trostlosen, grauen Betonbau: Am Freitagvormittag hat Juliane Streich ihre Juliska-Bar im Regensburger Stadtbezirk Reinhausen beim Amt für öffentliche Ordnung in der Johann-Hösl-Straße abgemeldet. Die MZ hat sie auf dem Parkplatz davor getroffen.

Über 50 Jahre hatte das legendäre Bordell geöffnet, nun wird es am 1. Januar endgültig schließen. Die entsprechenden Unterlagen hat Streich am Freitag eingereicht. „Eigentlich bin ich jetzt froh drum“, sagt die 78-Jährige unmittelbar danach zur MZ. „Der Druck war so hoch.“ Wie berichtet hatte Streich in den vergangenen Monaten ordentlich Ärger mit der Stadt. „Eine Schikane“, sagt Streich. Die Verwaltung will der Rotlicht-Institution eine 3000-Euro-Strafe aufbrummen. Dabei geht es um verschiedene Verstöße. „Ich krieg Strafen für Dinge, für die ich nichts kann“, sagt Streich mit den Abmelde-Unterlagen in der Hand. Die Stadt kritisiert dabei unter anderem einige Sicherheitsmängel. Kürzlich habe sie von einem versuchten Mord in einem Wohnungsbordell in der Landshuter Straße gehört. Die Haustür dort hat kein Schloss. „So etwas kann doch nicht sein. Das hätte es bei mir nie gegeben!“

Bordell in Regensburg: Gebäude der Juliska-Bar steht weiter zum Verkauf

Das Gebäude mit der legendären Adresse Reinhausen 5 steht nach wie vor zum Verkauf. „Es waren schon einige Interessenten da“, verrät Streich. „Es ist aber alles noch in der Schwebe.“ Jetzt müsse sie es erst einmal „ihren“ Mädels sagen. Leicht falle ihr das nicht. „Es tut mir schon leid.“ Sie habe den Laden ein halbes Jahrhundert mit Leidenschaft geführt. „Ich hatte nie Ärger.“

Streich möchte nun erst mal heim in ihr Haus im Grünen bei Frankfurt. Sie hätte schon gern weitergemacht, sagt sie . Aber die Kontrollen hätten ihr zugesetzt. „Ich kann doch nicht immer raufgehen und schauen, ob alles in Ordnung ist“, sagt die 78-Jährige. „Die Frauen sind eigenständige Unternehmerinnen. Sie können machen, was sie wollen.“ Sie wolle den Prostituierten nicht alles vorschreiben. „Da fühl ich mich wie ein Zuhälter.“

Bald ist die Juliska-Bar in Regensburg geschlossen: Wie geht es weiter?

Und jetzt? Eine Abschiedsfeier, wenn nach über 50 Jahren das rote Licht ausgeht? „Das haben mich schon mehr gefragt“, sagt Streich. „Ich weiß es noch nicht. Ich muss noch etwas planen. Es ist schwierig.“ Viele reagierten ungläubig auf die Nachricht vom Ende der Juliska-Bar, erzählt Streich. „Die sagen zu mir: Das kannst du doch nicht machen. Das ist eine Institution in Regensburg.“ Und das berühmte pinke Herz? „Das ist das Erste, was mich die meisten fragen. Ich weiß es noch nicht.“ Als das Wahrzeichen vor zwei Jahren mal kurz abgenommen wurde, herrschte beinahe Aufruhr im Viertel. „Die haben alle sofort angerufen. Das Herz gehört irgendwie zu Regensburg.“

Nach ein paar Minuten Gespräch muss Streich schon wieder weiter. Auch bei der Rewag muss sie sich abmelden. Manchmal wirkt das Ende einer Legende durchaus profan. „Ich bin froh, wenn es vorbei ist. Ich hab in letzter Zeit schon gar nicht mehr schlafen können. Es macht mich krank.“