Rettet das Kelheims Stadt-Kexi? Bad Abbacher startet Petition für beliebten Rufbus

Von Beate Weigert · 3. Dezember 2024 um 19:00

Ein Bad Abbacher bricht eine Lanze für Kelheims On-Demand-Bus. Viele Nutzer teilen seine Sicht und haben bereits unterschrieben. Die Unterschriften sollen Kelheims Stadträte zum Umdenken bringen.

Vor gut einem Monat beschlossen Kelheims Stadträte mit großer Mehrheit (21:2), dass die Kreisstadt in Zeiten klammer Kassen den Stadt-Kexi ab Mitte 2025 wieder abschafft. Die freiwillige Leistung sei – angesichts zahlreicher, anstehender kostenintensiver Pflichtaufgaben – nicht weiter drin. Seit ein paar Tagen läuft nun eine Petition. Der Initiator wünscht sich, dass es doch noch ein Umdenken unter Kelheims Kommunalpolitikern gibt.

„Man soll nichts unversucht lassen“, sagt Elmar Kißlinger. Deshalb stellte der Arzt im Ruhestand aus Bad Abbach, der sich ehrenamtlich als Mitarbeiter beim Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSB) im Landkreis Kelheim engagiert, vor Kurzem die Petition für den Erhalt des Kelheimer Stadt-Kexi online. Offizieller Name auf dem Portal „Open Petition“: „Der KEXI On-Demand Verkehr in der Stadt Kelheim soll erhalten bleiben.“

Menschen mit Handicap bleiben mit dem Kexi mobil

Nicht nur für die Kelheimer Bürger sei der Stadt-Kexi ein wichtiges Mobilitätsangebot, sagt der 74-Jährige. Auch Menschen aus anderen Ecken des Landkreises nutzten diesen, wenn sie in Kelheim etwas zu erledigen hätten. Nicht nur Menschen mit Handicap, die so bislang etwa einfach und günstig zum Arzt kamen oder Senioren, die kein Auto (mehr) haben, blieben im Alltag mobil. Er selbst eingeschlossen.

Bislang haben an die 170 Leute unterschrieben, obwohl Kißlinger „nicht auf Social Media vernetzt ist“ und nahezu jeder hat einen Kommentar hinterlassen. Viele mit Namen, freut sich Elmar Kißlinger. „Es ist schön, dass sich die Leute äußern und sich etwas zu sagen bzw. schreiben trauen.“

Ein Blick auf die Kommentare zeigt, dass alle Generationen vertreten sind. „Die Abschaffung wäre ein Rückschritt“, schreibt ein Unterzeichner. Andere teilen die Sicht: Der Stadt-Kexi sei „ein alternativloses, sehr wichtiges, zeitgemäßes Verkehrsmittel“, schreiben sie. Einige geben sich kämpferisch: „Eine so gute Idee und jetzt soll der Kexi abgeschafft werden. (...) Also kämpfen wir dafür, dass er bleiben soll.“

Weitere nennen den Rufbus „die vernünftigste, flexibelste und modernste Form des ÖPNV“, die es hierzulande bislang gab. Sie müsse erhalten bleiben.

Viele Kommentare der Unterzeichner auf Open Petition

Die Kommentatoren heben die vielen Vorteile der On-Demand-Fahrzeuge hervor: „Sehr pünktlich, sehr zuverlässig“, „flexible Fahrzeiten, viele Haltestellen, günstiger Fahrpreis“. Mit dem Kexi blieben „besonders Ältere“, aber auch Jugendliche mobil und hätten so mehr Teilhabe. Auch Menschen mit schmalem Geldbeutel könnten so gut von A nach B kommen.

Aber nicht nur Ältere und Behinderte, auch Pendler und Arbeitnehmer seien auf „zuverlässigen ÖPNV angewiesen. Das schafft nur Kexi.“ Der sei eine „Bereicherung und Aufwertung für Kelheim“. Noch – doch wenn das Thema nicht noch einmal aufgegriffen werde, sei am 30. Juni Schluss. Allerdings haben manche Kommentatoren den Grund für die Petition scheinbar nicht so genau gelesen. Da finden sich auch Kommentare, dass der Kexi in Neustadt oder der Land-Kexi bleiben müssten. Doch darum geht es nicht. Die Rufbusse in Bad Abbach und Teugn, Neustadt oder auch die Land-Kexis stehen nicht vor der Abschaffung. Nur der in der Kreisstadt.

Petition für Stadt-Kexi: Hoffen auf Kelheims Stadträte

Kißlinger hat diese Kommentare auch zur Kenntnis genommen. Er sagt: „Die Petition bzw. das Quorum, also die Stimmen die am Ende erreicht werden, haben keine gesetzliche Grundlage, keinen Anspruch, aber ich hoffe sehr, dass viele unterzeichnen und die Kelheimer Stadträte ihre Entscheidung vielleicht doch noch revidieren.“ Weitere Mitstreiter seien willkommen, so der Bad Abbacher.

Vor Kurzem hatte auch der ACE-Vorstand das Aus des Stadt-Kexi bedauert und kritisiert, dass die Kreisstadt hier etwas abschaffe, das voll im Trend liege. Andere Städte würden Rufbusse erst aufbauen, „wir schaffen es schon wieder ab“.

Kreis-ÖPNV-Experte Stefan Grüttner hatte Kelheims Stadträten im Oktober Vorteile und Optionen zusammengefasst. Nach wie vor ist er überzeugt: „Der Kexi in Kelheim ist nicht teuer. Für die Stadtgröße sei er das „am besten angepasste und günstigste System“. Zudem erhielte die Stadt weiterhin 40 Prozent der Kosten gefördert.

Gäbe es nach der Entscheidung im Stadtrat überhaupt noch ein Zurück? „Wenn die Stadt auf uns zukommt, wir wären offen“, so Grüttner. Allerdings wenn der On-Demand-Verkehr einmal eingestellt sei, sei jegliche Förderung vom Tisch. Sprich: Dann könnte das Konzept nur ohne jegliche Förderung wiederbelebt werden.

Das Argument der Stadtratsmehrheit bezüglich der Kosten hat Elmar Kißlinger wohl gehört. Allein er mag nicht glauben, dass ein Kelheimer Stadt-Kexi „gar nicht möglich sein soll“. Dessen „Fürsprecher“ hofft, dass sich das Blatt doch noch wendet.

Weitere Mitstreiter sind willkommen

Petition: Seit 24. November läuft auf der Plattform „Open Petition“ das von Kißlinger angestoßene Gesuch mit dem Titel „Der KEXI On-Demand Verkehr in der Stadt Kelheim soll erhalten bleiben“. Am besten finde man die Petition, wenn man im Internet-Browser die Suchbegriffe „Kexi“ und „Open Petition“ eingebe, so Kißlinger.

Organisationen: Weitere Mitstreiter, gerne auch Organisationen, können sich bei dem Bad Abbacher melden, sagt er. Zumal er darüber nachdenkt, eventuell auch noch analog zum digitalen Eintragen Unterschriftenlisten für Ältere auszulegen.

Kontakt: E-Mail an: kexipetition@gmail.com