Als Erstes gab es in Kelheim den Rufbus Kexi – nun schafft die Stadt ihn wieder ab

Eigentlich gilt der Kexi in der Kreisstadt als Erfolgsgeschichte. Doch ab Juli 2025 wird es das „On-demand-System“ nicht mehr geben. Das steckt dahinter.
Seit dreieinhalb Jahren können die Kelheimer flexibel und mehr oder weniger spontan den Rufbus Kexi für Fahrten in der Stadt oder zum Bahnhof Saal buchen. Ende Juni 2025 wird das Projekt Stadt-Kexi Geschichte sein. Zu teuer, lautet der eindeutige Tenor im Stadtrat.
Im Sommer 2020 war Kelheim der Vorreiter im Landkreis Kelheim gewesen. Der Rufbus Kexi nahm seinen Betrieb auf. Spontan oder im Voraus konnten Bürger Fahrten von und zu 148 Haltepunkten buchen. Garniert war das Ganze mit satten Fördermitteln. Die Kosten für die Stadt waren anfangs überschaubar. Zunächst fuhren zwei Ruf-Busse. Vor zwei Jahren hatte die Kreisstadt vom Bund quasi noch einen dritten „geschenkt“ bekommen, blickte Stefan Grüttner, der für den Kreis-ÖPNV zuständige Stabsstellenleiter am Montagabend im Deutschen Hof bei der Stadtratssitzung zurück.
Freiwillige Leistung in sechsstelliger Höhe
2019 war der Stadt-Kexi für drei Jahre ausgeschrieben worden, später zog der Stadtrat die Verlängerungsoption um zwei weitere Jahre. Der letzte geförderte Zeitraum endet am 30. Juni 2025.
Ab Juli hätte die Stadt, um den Kexi in der Kreisstadt weiterfahren zu lassen, diesen neu ausschreiben und jährlich mit 400.000 bzw. 500.000 Euro jährlich bezuschussen müssen. In Zeiten klammer Kasse(n) und angesichts vieler kostenintensiver Pflichtaufgaben sei das nicht drin, argumentierten die Stadträte quer durch die Fraktionen. Auch wenn ihnen das Herz blute, man sehe keinen finanziellen Spielraum für diese freiwillige Leistung, hieß es am Montagabend fast unisono. Von Vertretern der CSU, der Freien Wähler, der SPD wie auch der Grünen. Nur zwei Stadträte hätten das System trotz sechsstelliger Kosten weitergeführt. Insbesondere „für viele Junge und die Älteren“.
Vor der Diskussion im Stadtrat hatte Stefan Grüttner zwei Optionen erklärt, wie es mit dem Stadt-Kexi weitergehen könnte.
Als „günstigste“ Variante führte Grüttner die Weiterführung im städtischen Regie-Betrieb (mit Unterstützung des Landkreises) ins Feld. Dabei hätte die Stadt sämtliche Kosten selbst abrechnen müssen. Bei drei Fahrzeugen plus einem auf Reserve sei von einem jährlichen Defizit von knapp 400.000 Euro auszugehen, so Gtrüttner. Bei E-Bussen lägen die Kosten etwas niedriger, als bei Diesel-Fahrzeugen. Der Landkreis würde die Stadt operativ wie bei Einsatz- und Schichtplanung unterstützen, für jährlich 40.000 Euro.
3000 Fahrgäste pro Monat
Die zweite Option wäre die Vergabe des Kexi-Betriebs an ein externes Verkehrsunternehmen gewesen. Dabei müsste sich die Stadt auf ein Defizit von etwa 500.000 Euro einstellen, hieß es.
Grüttner informierte auch, wie der Kexi bislang in 2024 genutzt worden ist. An die 24.000 Fahrten mit etwa 28.000 Fahrgästen gab es seit Januar. Pro Monat bewegt der Rufbus, den 85 Prozent der Kreisstädter via App und 15 Prozent per Telefon buchen, 3000 Fahrgäste. Das sei bei den drei vorhandenen Bussen quasi die „natürliche Grenze“, so Grüttner.
An den Top-Abfahrts- bzw. Zielorten habe sich nichts geändert, sagte er. Mit Abstand am häufigsten fahren die Nutzer zum Bahnhof in Saal bzw. von dort in Richtung Stadt. Weitere Schwerpunkt-Ziele oder Abfahrtspunkte seien Einkaufscenter, Stettiner Straße, Ärztehaus im Donaupark oder Donau-Gymnasium/Keldorado oder die Innenstadt.
Im Grunde würden alle 148 Haltepunkte genutzt. Einzige Ausnahme: Halt Nummer 38, der Minigolfplatz. „Da will keiner hin“, so Grüttner. Auch was die Pünktlichkeit angehe, sei der Kexi top, schilderte der ÖPNV-Experte. Sie liege im Schnitt bei 95,6 Prozent. „Wenn einmal jemand den Zug nicht erreichte, lag es nicht am Kexi.“
Nach ausführlicher Diskussion – bei der übrigens keine Fraktion eine Lanze für die Fortführung des Stadt-Kexi brach – war die Abstimmung eindeutig: 21:2 votierten die Stadträte für die Einstellung des Rufbusses in der Kreisstadt zum 30. Juni 2025.
2019, als dieser beschlossen worden war, seien die Voraussetzungen richtig gewesen. Nun hätten sich diese aber drastisch geändert, hieß es.
Stefan Grüttner: Bestes, günstigstes System
So war Stefan Grüttner von der Abstimmung der Kelheimer Stadträte alles in allem nicht überrascht, wie er am Dienstag auf Nachfrage sagt. Er ist aber überzeugt, dass der Kexi „mit Abstand das beste und günstigste System“ sei und zudem eine hohe Flexibilität biete. Vergleichbares lasse sich mit keinem Ring-Stadtbus, Taxi-Gutscheinen oder Sonstigem erzielen.
Dass es kein ÖPNV-Mittel auf Dauer geschenkt gebe, müsse jedem klar sein, so Grüttner weiter. Ebenso, dass ÖPNV immer ein „Draufzahlgeschäft“ sein werde.
Niemand im Stadtrat sprach dem Stadt-Kexi die Vorteile ab. „Es war keine leichte und keine schöne Entscheidung“, fasst Bürgermeister Christian Schweiger zusammen. Man wolle auch niemandem etwas wegnehmen. Es sei um eine „Kosten-Nutzen-Abwägung“ gegangen.
Ab Juli werden nun die Ortsteile über den Land-Kexi gut an die Kreisstadt angebunden sein, innerstädtisch wird es anders sein, sagt Grüttner.
Rück- und Ausblick
Premiere: 2019 war der Stadt-Kexi für drei Jahre ausgeschrieben worden, später zog der Kelheimer Stadtrat die Verlängerungsoption um zwei weitere Jahre. Der letzte geförderte Zeitraum endet am 30. Juni 2025.
Kosten: Aktuell kostet das „On-demand“-System die Kreisstadt 330.000 Euro im Jahr. Im ersten Kexi-Jahr waren es nur 95.000 Euro gewesen.
Nutzer: Wer genau den Stadt-Kexi nutzte, wurde über die vergangenen Jahre nicht dokumentiert, bedauert Kelheims Bürgermeister. Es gibt laut Stefan Grüttner aber eine Bachelor-Arbeit. Für diese befragte die Verfasserin 2022 für zwei Wochen die Passagiere. Das Ergebnis: „Der komplette Querschnitt der Gesellschaft fährt Kexi. Pendler, Schüler, Familien, Alleinerziehende, Senioren, Deutsche wie Migranten.“
Nahverkehrsplan: 2. Bürgermeister Dennis Diermeier (FW) merkte einmal mehr an, wie wichtig ein Update des landkreisweiten Nahverkehrsplans sei. Vor 2026 werde es nicht dazukommen, entgegnete ÖPNV-Stabsstellenleiter Stefan Grüttner. Zuvor seien die personellen Kapazitäten im Sachgebiet gebunden.
Andere Orte: In Neustadt startete der Stadt-Kexi 2022, in Bad Abbach 2024.