Regensburger Autohaus weicht 28 Wohnungen – Nachfrage ist schon vor Baustart enorm

Von Rainer Wendl · 1. Dezember 2024 um 05:00

Erst die Abrissbirne, dann Nachverdichtung: Ein Bauprojekt in der östlichen Regensburger Innenstadt stößt schon vor seinem Start auf enormes Interesse.

In der Adolf-Schmetzer-Straße, in Sichtweite zum Ostentor, begann über Jahrzehnte die Regensburger Autohaus-Meile. Einer Perlenkette gleich reihten sich von hier aus die Betriebe in Richtung östliche Stadtgrenze. Die Vergangenheitsform ist deshalb gewählt, weil es den Anfangspunkt seit einigen Tagen nicht mehr gibt.

Das frühere Fiat-Autohaus Weger, zuletzt als Übergangsquartier für die Gebrauchtwagen des Stern-Centers genutzt, ist abgerissen. Auf dem jetzt freigelegten, etwas über 2000 Quadratmeter großen Baufeld, entstehen binnen der nächsten 24 Monate 28 Wohnungen.

Fünf Radl-Minuten zum Dom

Es handelt sich um ein Vorhaben der Dr. Rosenkranz & Ehrenreich Projektentwicklung GmbH & Co. KG, die das Areal von der Familie Weger erworben hat. Thomas Rosenkranz, einer der beiden Geschäftsführenden Gesellschafter, ist von der bisherigen Nachfrage überwältigt: „Über 80 Prozent sind nach nur vier Wochen Vorvertriebsphase bereits reserviert. Das ist brutal – und es freut mich natürlich“, sagt er.

Schon ein halbes Jahr vor dem eigentlichen Baubeginn der zwischen 52 und 89 Quadratmeter großen Zwei- und Dreizimmerwohnungen mit geräumigen Kellerabteilen zeichnet sich also ab, dass Rosenkranz und sein Projektpartner Georg Ehrenreich einen Nerv getroffen haben. Und dafür gibt es mehrere Gründe, einer davon ist die ewige Immobilien-Trumpfkarte namens „Lage“.

„Innerer Osten, am Rand der Altstadt, perfekte Bus-Anbindung im Zehn-Minuten-Takt“, listet Rosenkranz die Kernmerkmale auf und fügt als anschauliches Beispiel hinzu: „Mit dem Radl ist man in fünf Minuten am Dom, das habe ich selber ausprobiert.“

Aus dieser Lage ergibt sich aber auch die Verpflichtung, keinen 08/15-Bau auf die ehemalige Autohaus-Fläche zu stellen. Gleich mehrfach wurde daher im Gestaltungsbeirat über das Projekt diskutiert, nach dem fordernden Austausch mit den gestrengen Architekturwächtern zieht der Bauherr ein zufriedenes Resümee: „Das war eine konstruktive Zusammenarbeit. In guter Abstimmung wurde eine sinnvolle Bebauung ermöglicht.“

Der möglicherweise größte Pluspunkt des Projekts ist seine Klassifizierung in Sachen Energieeffizienz. Das Gebäude in der Adolf-Schmetzer-Straße erreicht unter anderem, dank Nahwärme-Versorgung seitens der Rewag, den Standard KfW 40 QNG. Dieses Kürzel steht für„Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude“ und eröffnet den Käufern und späteren Vermietern lukrative Abschreibungsoptionen.

Im Zusammenspiel mit einem zinsgünstigen KfW-Darlehen werden die Wohnungen mit ihrem durchschnittlichen Quadratmeter-Preis von 6900 Euro daher gut leistbar, glaubt Rosenkranz: „Die Immobilie an sich trägt sich durch die Mieterträge. Die Sonderabschreibung kommt on top.“

Abseits von diesen finanziellen Überlegungen betont der Projektentwickler den hohen qualitativen Wert des Neubaus. Er preist den „extrem hohen Standard“, der auf der ausschließlichen Verwendung von als nachhaltig zertifizierten Materialien beruhe. Deren Verwendung müsse in der Bauphase peinlich genau dokumentiert werden.

„Ein Signal an den Markt“

Betrachtet man das Vorhaben aus dem Blickwinkel der Stadtentwicklung, ist es ein gutes Beispiel für Nachverdichtung und die ständig geforderte, in letzter Zeit aber erlahmte Schaffung von neuem Wohnraum. Mit dem Rückenwind der enormen Nachfrage spricht Rosenkranz daher von einem „Signal an den Markt“. Es lautet: „Wohnungsbau macht Sinn, der Bedarf ist da.“

Vor zwei Wochen stand das frühere Autohaus Weger noch.
Das künftige Baufeld, auf dem ab Mai Wohnungen entstehen