Albert von Thurn und Taxis zu Gast beim Dies Academicus: Fürst will mehr Präsenz vor Ort zeigen

Die Regensburger Universität stellt sich zunehmend international auf. Milliardäre aber besuchen sie relativ selten.
Während an der TU München bereits OpenAI-Gründer Sam Altman zu Gast war, findet Unternehmer Elon Musk, man brauche ohnehin keinen Studienabschluss, um bei Tesla erfolgreich zu sein.
Einer, der aus einer Familie stammt, die eine Art Apple des Mittelalters waren, ist Albert von Thurn und Taxis. Beziehungsweise Dr. Albert von Thurn und Taxis. Die Adelsfamilie gründete bereits im 13. Jahrhundert einen Postdienst, der mit Reitern und Poststationen, an denen die Kuriere die Pferde wechseln konnten, ein Imperium, das sie unermesslich reich, aber auch mächtig machte.
Lehre als Finanzanalyst
Thurn und Taxis ist der Alleinerbe eines Vermögens, das je nach Ranking und Schätzung auf über eine Milliarde Euro taxiert wird. Anders als sein Vater Johannes (1926 bis 1990), der eine Banklehre absolvierte, und seine Mutter Gloria, die den Realschulabschluss ablegte, bevor sie mit 20 Jahren den 11. Fürsten von Thurn und Taxis heiratete, hat Albert studiert. Von 2004 bis 2008 Volkswirtschaftslehre und Theologie mit Master-Abschluss an der Universität von Edinburgh, zwischen 2008 und 2010 absolvierte er eine Ausbildung zum Finanzanalysten in Zürich und bis 2022 studierte der heute 40-Jährige Philosophie. Am Ende stand die Promotion an einer päpstlichen Universität in Rom. Offenbar verbindet diese akademische Laufbahn den Unternehmer auch mit der Regensburger Universität. „Ich fühle mich hier zuhause“, sagte Albert von Thurn und Taxis am Rande des „Dies Academicus“ an der Universität Regensburg.
Mit der Universität verbindet Thurn und Taxis auch ein Ereignis, das Geschichte geschrieben hat. 2006 war er einer der Gäste, als Joseph Ratzinger als Papst Benedikt XVI. an seiner früheren Wirkungsstätte als Professor die „Regensburger Rede“ hielt. Sie ging in die Geschichte ein, auch, weil Ratzinger sich durch ein Zitat eines inhaftierten byzantinischen Kaisers kritisch mit der Rolle des Propheten Mohammeds auseinandersetzte. „Damals war das nicht absehbar, welche historische Auswirkungen diese Rede haben würde“, sagte Thurn und Taxis am Mittwoch an der Universität.
Unternehmer will sich mehr einbringen
Lange Jahre führte die Mutter des Fürsten, der bürgerlich eigentlich Prinz von Thurn und Taxis heißt, die Geschäfte. Doch der Unternehmer will sich mehr in die Unternehmensführung einbringen. „Ich möchte meine Mama unterstützen“, so von Thurn und Taxis. „Regensburg ist so schön, ich genieße es sehr.“ Thurn und Taxis sei auch viel in München, deshalb kann es durchaus sein, dass der leidenschaftliche Rennfahrer frühmorgens im Lamborghini vom Emmerams- Richtung Ägidienplatz donnert und dabei freundlich Passanten grüßt.
Die internationale Ausrichtung der Universität und das gute Abschneiden in Hochschulrankings stellte Uni-Präsident Udo Hebel beim Dies Academicus in den Mittelpunkt. So stieg die Quote der angeworbenen Drittmittel heuer erstmals über 80 Millionen Euro, ein wichtiger Indikator für die Forschungsleistung einer Universität. Hebel verwies auch auf den von Wissenschaftsminister Markus Blume eingeweihten neuen Forschungsbau, der auf Grundlage des Artikels 91b des Grundgesetzes errichtet wurde: Darin wird ein Zusammenspiel von Bund und Land „in Fällen überregionaler Bedeutung bei der Förderung von Wissenschaft, Forschung und Lehre“ aufweist.
Ebenfalls auf Basis der Hightech-Offensive der Staatsregierung wirkt derzeit der Ausbau der Fakultät für Informatik und Data Science als Booster für die Universität. Diese sei „ein Game Changer im weiter zu beschleunigenden digitalen Transformationsprozess unserer Universität in allen Bereichen“, so Hebel weiter. Und auch die Erfolge in den Hochschulrankings und gute Plätze für verschiedene Forschungseinrichtungen thematisierte Hebel in seiner Bilanz.
Jiddisches Gedächtnis
Dass aber nicht nur Hightech, sondern auch die Beschäftigung mit Historie und Kultur zentral sind, belegte der spannende und berührende Vortrag der Professorin für Slavisch-Jüdische Studien, Sabine Koller. Sie entführte in eine geistige Welt, die angesichts der Mordlust gegen Juden fast in Vergessenheit geriet – aktueller hätte ein Vortrag trotz Rückgriffs auf Vergangenes überhaupt nicht sein können.

