Sallerner Regenbrücke in Regensburg: Gegner fordern Ratsbegehren

Das Bündnis Mobilität neu denken bläst zum Angriff auf die geplante Sallerner Regenbrücke. Ihre Strategie haben die Gegner des Projekts am Donnerstag im Evangelischen Bildungswerk (EBW) vorgestellt. Noch hat das Vorhaben allerdings eine Mehrheit im Stadtrat.
Da der Brückenbau selbst Aufgabe des Bundes ist, wollen sie verhindern, dass die Stadt die Nordgaustraße so ausbaut, wie mit Bund, Landkreis und Gemeinde Lappersdorf vereinbart.
Baurecht für die Sallerner Regenbrücke gibt es seit einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts Ende Oktober. Dem Planfeststellungsbeschluss zufolge soll das Projekt den Stadtnorden besser an das Fernstraßennetz anbinden und dabei die Amberger Straße entlasten. Dort hoffen lärmgeplagte Anwohner auf die Brücke. Der Lappersdorfer Kreisel soll ausgebaut werden, die Nordgaustraße auch eine Einhausung bekommen.
Alternative Bürgerbegehren
Die Gegner allerdings wollen sich von dem „Baurecht nicht überrollen lassen“, so formulierte es Wolfgang Bogie, Kreischef des ökologisch orientierten Verkehrsclubs Deutschland. Bogie koordiniert den Protest, zu dem sich im EBW mehr als 30 Menschen bekannten, Vertreter von etwa 15 Initiativen, Verbänden und Parteien, aber auch Anwohner. Bogie sagte mit Blick auf den Ausbau der Nordgaustraße: „Unser Anliegen ist definitiv, dass die Stadt dieses Vorhaben nicht realisiert.“ Es dürfte sie an die 100 Millionen Euro kosten, schätzte Bogie. Ziel sei, dass die Bürger mitentscheiden über die Frage, ob es mehr Autoverkehr in der Stadt geben solle oder mehr „Umweltverbund“, also Bus-, Rad- und Fußverkehr. „Wir erwarten von der Politik, dass hier auch ein Ratsbegehren gestartet wird“, erklärte Bogie mit Blick auf den Bürgerentscheid zur Stadtbahn. Auch er war im Stadtrat initiiert worden. „Wenn dieses Ratsbegehren nicht zustande kommt, sind wir auf jeden Fall bereit, ein Bürgerbegehren zu starten.“ Der Entscheid solle am Tag der Kommunalwahl im März 2026 stattfinden.
Aus Sicht der Gegner ist die Planung „definitiv aus der Zeit gefallen“, so Bogie. Die vierspurige Brücke zur Autobahnzufahrt sei ausgelegt auf 30 000 Autos pro Werktag und damit „ein echtes verkehrliches Monsterprojekt“. Dieses ziehe mehr Verkehr in die Stadt und widerspreche dem Ziel der Stadt, den Umweltverbund zu stärken. Die Entlastung der Amberger Straße lasse sich auch anders erreichen, etwa mit dem Ausbau der B16-Brücke, der Verlagerung der B15 auf die Ostumgehung sowie Tempo 30 in der Amberger Straße. Klaus Wörle (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) empfahl einen Blick ins Stadtklimagutachten, „das gerade das Regental als bedeutsame Kaltluftleitbahn identifiziert“, wo jeder bauliche Eingriff schädlich sei für die wärmer werdende Stadt. Albrecht Muscholl-Silberhorn (Bund Naturschutz) erklärte, sehr viele Schutzgüter in Flora und Fauna würden durch den Bau konterkariert. „Das ist der wertvollste Bereich in der gesamten Regenmündung.“ Werner Mayer von der Bürgerinitiative Los (Leben ohne Stadtautobahn) sieht durch die Planung Stau vorprogrammiert: „Eine Sallerner Regenbrücke wird keine Verkehrsprobleme lösen, sondern nur verlagern.“
Grüne: „Mehrheit im Stadtrat bröckelt“
Vertreter des Architekturkreises, des Arbeitskreises Kultur Regensburger Bürger, von Kultur am Regen, Letzter Generation, Scientist Rebellion und Greenpeace sowie Feine-Räder-Geschäftsführer Ulrich Schmack sprachen sich ebenfalls gegen das Projekt aus. Einen Rückschritt auch für die Lebensqualität am Fluss nannte es Grünen-Stadträtin Helene Sigloch. ÖDP-Fraktionschef Benedikt Suttner sagte, die Stadt brauche das Geld für den Klimaschutz. Irmgard Freihoffer (BSW) forderte, das Vorhaben müsse aus ökologischen Gründen auf den Prüfstand.
Grünen-Fraktionschef Daniel Gaittet zeigte sich überzeugt: „Die Mehrheit im Stadtrat für die Sallerner Regenbrücke bröckelt.“ Suttner (ÖDP) machte deutlich, worauf er hofft: „Ich glaube, dass in der SPD ein Umdenken einsetzt.“ Sollten SPD-Stadträte für ein Ratsbegehren stimmen, würden sie allerdings SPD-Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer in den Rücken fallen. Die teilte am Donnerstag mit: „Ein Ratsbegehren wird nicht angestrebt.“
