Bodentag in Neunburg: 450 Teilnehmer diskutierten über Nachhaltigkeit in Land- und Forstwirtschaft

Von Renate Ahrens · 27. November 2024 um 17:00

Der Boden ist ein faszinierendes Ökosystem, gar das größte der Welt – und er geht uns alle etwas an. Das wurde beim 9. hybriden Bodentag mit rund 450 Teilnehmern in Neunburg mit dem Motto „Lebendige Böden gestalten“ klar.

Hochkarätige Referenten gaben ihr Wissen zu gesunden Böden und Pflanzen an das Publikum weiter, tauschten sich aus und diskutierten – und forderten mehr Respekt vor der Erde. Eine Grußbotschaft schickte Auma Obama. Veranstalter war die Interessengemeinschaft (IG) gesunder Boden aus Regensburg, und alle waren sich einig: Das Thema ist aktueller denn je.

Zunehmende Wetterextreme, Schädlinge und Krankheiten, Wasserknappheit, Bodenveränderungen oder Waldsterben seien die Folgen des Klimawandels. Ein direkter Zusammenhang zwischen dem Boden und dem eigenen Leben – mit den Umweg über die Pflanze – sei noch nicht ausreichend ins Bewusstsein gerückt, erklärten die Experten.

Die Stadt Neunburg, lobten die Fachleute, habe als „Pilotstadt“ die Probleme erkannt und schütze durch einen einstimmigen Grundsatzbeschluss im Stadtrat den Wald – eine generationenübergreifende und wichtige Entscheidung. Ein „Zukunfts“- oder Dauerwald soll hier entstehen, also ein natürlicher Wald, der in seiner Entwicklung erhalten bleibt und nicht regelmäßig abgeholzt wird.

Jeder kann einen Beitrag leisten

Waldboden sei nämlich stark versauert – nur zehn Prozent gelten als gesund, gab Forstingenieur Ludwig Pertl als Experte für Waldböden zu bedenken. Es sei eigentlich schon fünf nach zwölf, sagte er. „Ohne die Beteiligung aller Bürger kann man die Wälder nicht fit machen für die Zukunft und dadurch mehr Lebensqualität schaffen.“

Zu einem gesunden Boden, der die Lebensgrundlage für alle Menschen und die Basis für die Gesundheit bedeute, könne jeder einen Beitrag leisten, mahnte Franz Rösl, Vorsitzender der IG gesunder Boden. Man müsse den Boden als Organismus erkennen und eigenverantwortlich handeln. Für den Verbraucher beginne das bereits beim Einkaufen, indem man möglichst biologisch angebaute und regionale Lebensmittel auswähle.

„Regionale Produkte vertragen die Menschen zudem besser“, erklärte Rösl. Landwirten sollte man mehr Wertschätzung entgegenbringen und etwa in Hofläden einkaufen. „Man kann auch selbst tätig werden und zum Beispiel Müll in Straßengräben sammeln. Wir können nicht alle Themen den Landwirten zuschieben.“ Gerade die Landwirte hätten oft gar nicht die Zeit, an Veranstaltungen wie dieser teilzunehmen. Dabei komme ihnen eine entscheidende Rolle zu. Um gesunde, lebendige Böden zu erhalten, müsse der Humusgehalt steigen.

Zur idealen, artgerechten Tierhaltung äußerte sich die Tierärztin Dr. Viviane Theby, die selbst einen Betrieb mit 120 Hektar nach ganzheitlichen Prinzipien bewirtschaftet. Auf ihrem Hof seien die positiven Veränderungen im Boden deutlich sichtbar. Theby zeigt Verständnis für die Rinderhaltung: Diese Tiere hätten sich über Jahrtausende zusammen mit dem Gras entwickelt und könnten mit ihren Mägen das Gras in Nährstoffe umwandeln.

Rinder gehören auf die Weide

„Rinder gehören jedoch auf die Weide. Sie sind beste Verwerter für Grünland, aber wir machen die Kühe krank, indem wir sie in Ställen halten und ihnen Kraftfutter geben, damit wir Milch und Fleisch erhalten, das wiederum auch nicht mehr so gesund ist“, kritisierte die Tierärztin. Wenn man wieder anfangen würde, von der Natur zu lernen und mit der Natur richtig umzugehen, seien Kühe eine „supertolle Ergänzung zum Weideland und zu unserer Ernährung“ und man könnte wieder mit ruhigem Gewissen Fleisch essen. Diese Art der Bewirtschaftung erfordere ein enormes Umdenken, bringe aber enorme soziale, ökonomische und ökologische Vorteile.

Drei Experten, die sich für ein Umdenken einsetzen, wurden zu „Botschaftern gesunder Boden“ ernannt: Michaela Braun, Projektleitung „Boden.Bildung“ der Bioland-Stiftung, Ulrich Koch, Fachberater der Landwirtschaft, und Rolf Kern, Berater am Landwirtschaftsamt Bruchsal.

Vorsichtiger Optimismus für die Zukunft

Trotz aller Herausforderungen und Probleme blicke er „vorsichtig optimistisch“ in die Zukunft, erklärte Ludwig Pertl. Man müsse gegensteuern und den Wald „enkelfähig“ machen – doch das gehe nicht von heute auf morgen. Gerade der Wald sei Wasser- und Kohlenstoffspeicher, Feinstaubfilter und „Regenmacher“, diene der Erholung, wirke als Hochwasserschutz und zur Kühlung und sei Trinkwasserproduzent. Das Ziel des Generationenvertrags zu erreichen, ist nach seinen Worten ein langwieriger Prozess: Etwa 30 bis 70 Jahre dauere es, die Böden wieder fit für die Zukunft zu machen.