Vor den Augen der Polizei: Angeklagter (39) lässt sich Kokain ins Amtsgericht Regensburg liefern

Von Philip Hell · 25. November 2024 um 19:00

Deals sind im Gericht an und für sich nichts Ungewöhnliches. Ein Angeklagter gesteht eine Tat, erspart Zeugen eine Aussage und bekommt einen kleinen Strafrabatt. Aber ein Kokain-Deal auf den Fluren des Justizpalasts? Das gibt es auch nicht alle Tage. Am Montag beschäftigte sich das Amtsgericht Regensburg mit genau so einem Vorfall – und das nicht das erste Mal.

Die Staatsanwaltschaft wirft einem 39-Jährigen vor, Ende April ein Päckchen Kokain direkt vor einem Sitzungssaal gekauft zu haben. Rechtsanwalt Alexander Greithaner räumte die Vorwürfe gegen seinen Mandanten ein – und erläuterte die Hintergründe des Falls. Sein Mandant sei seit Jahrzehnten drogenabhängig. Vor einigen Jahren sei er vor Gericht verurteilt worden. Daraufhin kam er in eine Therapieeinrichtung. Die Behandlung dort sei allerdings abgebrochen worden, da er eine Art Beziehung zu einer Sozialtherapeutin aufgebaut hatte.

Regensburg: Angeklagter hat seit Jahren mit Drogen zu tun

Er kam in ein Gefängnis – und setzte dort seine Drogenkarriere fort. Irgendwann sei ihm dann eingefallen, dass er noch ein paar Gramm Kokain daheim hat. Er organisierte, dass ihm die Drogen vor einem Prozess am Amtsgericht überreicht werden. „Dabei ist einiges schiefgegangen“, sagte Greithaner. Wie der Deal genau geplant wurde, wollte der Strafverteidiger nicht weiter ausführen.

Der Fall beschäftigte das Amtsgericht schon einmal: Vor den Augen der Polizei – Kokain-Deal im Regensburger Amtsgericht geht in die Hose

Damit zum April: Der 39-Jährige sollte vor Gericht erscheinen, weil er 2022 in einer Arztpraxis ausgerastet war. Danach beleidigte und bedrohte er auch noch Polizisten. Unmittelbar vor dem Sitzungssaal wartete damals ein 28-Jähriger auf den Angeklagten. Mit dabei: das Päckchen Kokain. Der Jüngere übergab die Drogen – unter den Augen der Polizei und einer Schulklasse.

Gescheiterter Kokain-Deal vor dem Sitzungssaal: Wiedersehen vor Gericht

Der Kurier stand deshalb bereits im August vor Gericht. Der Mann aus Bayerisch-Schwaben sagte bei seinem Prozess aus, er habe sich auf das Geschäft eingelassen, weil er in der Gunst seines eigenen Dealers steigen wollte. Zu weiteren Hintergründen schwieg der 28-Jährige im August. Er wurde zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt.

Der 28-Jährige wird Anfang Dezember im Prozess gegen den Regensburger aussagen. Die beiden Männer sehen sich also erneut im Gericht wieder. Diesmal allerdings wohl ohne, dass ein Päckchen Kokain den Besitzer wechselt.