Wie man einen Wald für die Zukunft umbaut – Vom Reinbestand zum klimastabilen Mischwald in Waldmünchen

Von Bernd Hofmann · 26. November 2024 um 05:00

Wie gestalte ich einen Wald resistent für die Zukunft und kann ihn trotzdem noch bewirtschaften? Solche Fragen beantwortete am vergangenen Freitag Lea Holzer, Försterin der Waldbesitzervereinigung Waldmünchen (WBV), bei einem Waldbegang. Großen Anklang fand die Führung bei frostigen Temperaturen. Viele Waldbesitzer und Interessierte nahmen am Begang teil. Vom Reinbestand zum klimastabilen Mischwald lautete das Thema des Vortrags.

„Bei einem Reinbestand schauen die Bäume aus wie Klone“, sagt Holzer. In einem solchen Gebiet besteht der Wald aus Bäumen der gleichen Art und des gleichen Alters. Im Vergleich dazu besteht ein Mischbestand aus den verschiedensten Baumarten. „Die Altersbreite ist bei Mischbeständen viel breiter“, sagt Holzer.

Ein Reinbestand hat mehrere Vorteile, berichtet die Försterin. Dieser sei kostengünstig, er gebe einen guten Absatz und er wachse und verjünge sich schnell. Der Wald sei auch zeitsparender bei der Pflanzung und beim Durchforsten. Die Fichte sei nicht grundlos als Brotbaum der Forstwirtschaft bezeichnet worden.

Holzer sieht Tradition und althergebrachte Denkweisen als Grund für die hohe Zahl an Reinbeständen. Es gebe allerdings einige Gründe den eigenen Wald nicht als Reinbestand zu halten.

Eine Baumart ist zu wenig

„Reinbestände sind viel anfälliger für Wind, Schnee und Käfer“, sagt Holzer. Mischbestände hingegen seien resistenter gegen solche Kalamitäten. Zum Beispiel sind sie weniger anfällig für Käferbefall, weil diese längere Zeit von einem Baum bis zum Nächsten fliegen müssen den sie befallen können. Reinwälder dienen geradezu zum Populationsaufbau der Schädlinge. „Wenn man ein Nest findet, hat man in der Regel im nächsten Jahr wieder einen Befall“, so Holzer.

Aber auch andere kommerzielle Gründe gibt es, warum ein Mischwald zu bevorzugen ist. Anders als ein einmaliger Erlös, wenn man den Reinbestand holzt, ist es beim Mischwald möglich, alle drei, vier Jahre Bäume herauszunehmen und diese zu verkaufen, wie Holzer berichtet. „Beim Reinbestand kann es der große Gewinn sein, oder ich verkauf im nächsten Jahr Käferholz.“ Ein Mischwald kann also einen dauerhaften Erlös garantieren, der nicht so anfällig für sogenannte Kalamitäten, wie Schädlingsbefall, Wind oder Stürme, ist. Aber wie entsteht so ein Mischwald? Ein Waldbesitzer kann dies über einige clevere Arbeitsschritte erreichen. Allem voran steht das bewusste Schneiden von Lichtkegeln: „Das Licht im Wald ist wie das Lenkrad im Auto“, sagt die Försterin. Durch punktuelles Entfernen mancher Bäume wird es im Bestand heller. Dadurch können sogenannte Z-Bäume, Zukunftsbäume, also solche die Wertträger sind oder es einmal werden sollen, heranwachsen. Diesen verschafft der Waldbesitzer genügend Platz und Licht, damit sie sich gut entwickeln.

Um eine gewisse Artenvielfalt in den Reinbestand zu bekommen, wird der Wald verjüngt. Darunter versteht man, dass jüngere Baumgenerationen gefördert werden, die dann den momentanen Bestand ersetzen können, wenn dieser aus dem Wald genommen wird. Idealerweise spricht man hier auch von Naturverjüngung, also dass Samen der eigenen Bäume den Bestand reproduzieren. Wenn solche Samen zum Beispiel aus benachbarten Waldabschnitten mit anderen Baumarten kommen, kann so ein Schritt in Richtung Mischwald gegangen werden.

Der Natur den Weg weisen

Wichtig bei den Eingriffen ist vor allem ein Leitsatz: „Früh, mäßig und oft“, sei dieser nötig, betont Lea Holzer. Es sei wichtig früh im Leben der Bäume einzugreifen, dann aber nicht zu viele Bäume aus dem Wald zu nehmen und oft den eigenen Wald zu begehen. Das Endergebnis dieser Eingriffe kann dann auf sich warten lassen. Zwischen 60 und 100 Jahre dauere es, einen Reinwald auf einen Mischwald umzustellen. Es sei also mehr etwas für die Kinder und Enkelkinder, sagt Holzer. Waldbesitzer, die ihren Forst in einen Mischwald umbauen werden vom Staat gefördert: Um die 700 Euro pro Hektar zahlt der Staat einmalig, wenn in so einem Waldgebiet mindestens vier verschiedene Baumarten stehen.