Posse um Regensburger Luxusklo: Grüne kritisieren neue Stühle – und die Stadtverwaltung

Von Philip Hell · 23. November 2024 um 11:00

Das Gebäude an sich ist unscheinbar – produziert aber mit einer gewissen Hartnäckigkeit Schlagzeilen: Die Posse um das sogenannte Luxusklo am Schwanenplatz, das 900 000 Euro gekostet hat, ist seit Freitag um ein Kapitel reicher.

Zur Erinnerung: Im August 2023 montierte die Stadt die Sitzbank im überdachten Bereich des Gebäudes ab. Begründet wurde der Schritt damit, dass die Bank von Obdachlosen als Schlafmöglichkeit genutzt wurde. Tatsächlich fiel damals immer wieder eine offensichtlich wohnungslose Frau auf, die teilweise Passanten und Stadtmitarbeiter anpöbelte. Auch die Polizei musste anrücken. Schon im August 2023 teilte die Stadt mit, eine Alternative zur Sitzbank zu prüfen. Doch Unbekannte kamen der Verwaltung zuvor.

Sitzgelegenheiten am Luxusklo: Ein Katz- und Mausspiel

Nur einen Tag, nachdem die Stadt die Bank entfernt hatte, installierten Aktivisten an derselben Stelle eine Art Bett – mitsamt einiger Protestschilder. Die Stadt räumte die Installationen – und es kehrte ein wenig Ruhe ein.

Lesen Sie hier zwei Kommentare: Die MZ-Autoren Christian Eckl und Philip Hell sind unterschiedlicher Meinung

Bis sich im Juni der Mitternachtsbauhof der Sache annahm. Das Kollektiv Unbekannter installierte in einer Nacht- und Nebelaktion eine Bank am Luxusklo. Eine Stadtsprecherin teilte damals mit, dass die Bank nicht sehr stabil sei. Es bestehe Verletzungsgefahr. Die Bank wurde entfernt – und es begann ein Katz- und Mausspiel. Die „Architekturfreund*innen“ betraten nur Tage später die Bühne. Sie betonierten kurzerhand ein Sofa an derselben Stelle. Sie teilten mit: „Mit steinharten Argumenten und betonfester Überzeugungskraft haben wir eine Bank am Schwanenplatz festzementiert.“

Bürgermeister kündigte schon im Sommer an: Es kommt was Neues am Regensburger Luxusklo

Einer Stadtsprecherin zufolge ist das Beton-Sofa fachgerecht entsorgt worden. „Ohne großen Aufwand.“ Mitte September folgte der nächste Akt: Vorhang auf für Mitternachtsbaumeister Hubert Rengschburger. Der machte es sich verhältnismäßig einfach und stellte eine rustikale Eckbank vor das Luxusklo. Die Stadt machte kurzen Prozess und entfernte das Möbelstück. Der zuständige Bürgermeister Ludwig Artinger (Freie Wähler) hatte im Sommer angekündigt, etwas Neues am Schwanenplatz installieren zu wollen.

Und damit zum neuesten und sechsten Akt der Luxusklo-Posse. Am Freitagmorgen schritten Mitarbeiter der Stadt Regensburg zur Tat und installierten neue Sitzgelegenheiten. Acht einzelne Stühle in verschiedenen Farben. Diese stehen in einem Halbkreis und sind fest im Boden verankert, teilt die Stadt mit. „Die Kosten für die neue Bestuhlung und deren Anbringung belaufen sich auf rund 8000 Euro.“

Also: Ende gut, alles gut? Nicht, wenn es nach Daniel Gaittet geht. Der Grünen-Fraktionschef im Stadtrat hat die Stadt im Zuge der Angelegenheit immer wieder kritisiert – und tut das auch nun wieder.

Luxusklo in Regensburg: Tadel für die Verwaltung

Gaittet wörtlich: „Die bunten Stühle können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es bei dieser Maßnahme um die Verdrängung von Menschen geht“, sagte er der MZ am Freitag.

„Dass jeder Stuhl wohl mehrere hundert Euro gekostet hat, schlägt dem Fass den Boden aus.“ Es wäre pragmatisch gewesen, die Bank wieder anzuschrauben. Außerdem hätte sich die Stadt schlechte Schlagzeilen gespart. „Harte Zeiten verlangen nach Menschlichkeit und Haltung. Beides hat die von SPD und CSU geführte Verwaltung an dieser Stelle vermissen lassen.“

Nun bleibt abzuwarten, ob die acht bunten Stühle tatsächlich das letzte Kapitel dieser Posse sind.