„Cluedo“ beim PettenDorftheater: Eine Farce voller Morde und Intrigen

Von Claudia Kreissl · 22. November 2024 um 19:00

Eigentlich ist „Cluedo“ ein Klassiker des Brettspiels. Nun hat „Cluedo“ den Sprung auf die Bühne des PettenDorftheaters geschafft. Das von Thomas Kreissl in Szene gesetzte Stück von Sandy Rustin bot mehr als 1000 Zuschauern in acht restlos ausverkauften Abenden eine amüsante Farce voller Morde, Intrigen und unerwarteter Wendungen.

Während am Abendhimmel Blitze zucken und lautstarker Regen niederprasselt, treffen sechs mysteriöse Charaktere in der Villa Schwarz ein. Wir schreiben das Jahr 1954, und Senator Joseph McCarthys „Rote Angst“ hat in den USA eine Paranoia ausgelöst: Das Komitee für unamerikanische Umtriebe macht Jagd auf kommunistische Sympathisanten im Staatsdienst und verunsichert die Öffentlichkeit mit Verschwörungstheorien. Vor diesem Hintergrund sind die Gäste eines Abendessens, allesamt auf mysteriöse Weise eingeladen und mit Decknamen versehen worden, verständlicherweise beunruhigt. Warum sind sie eingeladen worden und warum sind sie gekommen?

Die Gäste werden erpresst

Sebastian Klügl mimt den Butler Wadsworth, der für die Zusammenkunft verantwortlich ist und es nicht eilig hat, Antworten zu geben. Das kokette Dienstmädchen Yvette (Lena Hufnagl) und die Köchin (Sabrina Vogel) vervollständigen das Personal in der Villa Schwarz. Bald stellt sich heraus, dass alle Gäste eine Verbindung zu Washington D.C. haben und von ihrem Gastgeber Dr. Schwarz (Jonas Dotzler) wegen Vergehen erpresst werden, die ihre berufliche oder gesellschaftliche Stellung gefährden könnten.

Der begriffsstutzige Oberst von Gatow (Maximilian Gerdes), der etwas tollpatschige Direktor Grün (Benedikt Mühle), die unterkühlte Frau Weiß (Eva Ferstl), die hochnäsige Baronin von Porz (Julia Dieterle), der selbstgefällige Professor Bloom (Michael Dotzler) und die selbstbewusste Begleitservice-Chefin Madame Roth (Emily Löffert). Mit der Verteilung von Geschenkboxen, die allesamt Mordwerkzeuge enthalten, setzt der Gastgeber ein makaberes Spiel in Gang, an dessen Ende die Villa mit Leichen übersät ist.

Darsteller haben sichtlich Spaß

Zu den illustren Gästen stoßen noch ein Chauffeur und ein Polizist hinzu (Doppelrolle Janosch Mühle). Die Inszenierung von Thomas Kreissl und Reinhold Demleitner legt ein ordentliches Tempo vor, mit überraschenden, bisweilen auch verrückten Wendungen. Die Darsteller des PettenDorftheaters haben sichtlich Spaß an der abgedrehten Krimi-Farce und laufen zur Höchstform auf.

So wundert es nicht, dass der Funke schnell auf das Publikum überspringt und die Protagonisten auf der Bühne immer wieder mit Szenenapplaus belohnt werden. Ein ums andere Mal flitzen die Darsteller durch das federführend von Karin und Markus Schweiger entworfene Bühnenbild und nutzen gekonnt die vier Türen der Villa für komische oder spektakuläre Auftritte. In bester Matrix-Manier weicht Benedikt Mühle, alias Direktor Grün, in Zeitlupe einer Revolverkugel aus.

Darsteller spulen zurück

Am Ende verdächtigt auf der Bühne jeder jeden, ein Mörder zu sein. Absolut sehenswert dabei: Zum Geräusch eines rückspulenden Tonbandes kehren die Darsteller mit Rückwärtsbewegungen ein ums andere Mal wieder an den Anfang einer Szene zurück und erzählen dann ihre Version des Geschehens.

Mit viel Liebe zum Detail verwandelt sich die kleine Bühne im Saal beim Mayerwirt mit wenigen Handgriffen und großem Ideenreichtum ein ums andere Mal in eine Bibliothek, ein Arbeitszimmer, ein Esszimmer, einen Wintergarten oder einen Salon. Die ständige Verwandlung des Bühnenbilds trägt ebenso wie die von Andreas Gröber eigens für „Cluedo“ komponierte Musik maßgeblich zur Dynamik des Stücks bei.

Der Polizist (Janosch Mühle) inspiziert die Villa Schwarz.
Butler Wadsworth (Sebastian Klügl) entpuppt sich als der eigentliche Erpresser.
Dienstmädchen Yvette (rechts, Lena Hufnagl) mit Frau Weiß (Eva Ferstl) und der Köchin (Sabrina Vogel)