Wiener Melange im Pettendorfer Schlosskeller– mal bitter, mal süß

Von Claudia Kreissl · 4. Oktober 2024 um 12:00

Eigentlich ist sie mild und oft sogar süß – die Wiener Melange. Doch wie so oft macht es hier die Mischung – zumal, wenn sie vom PettenDorftheater serviert wird. Für die knapp 150 Besucher der „Wiener Melange“ im Pettendorfer Schlosskeller war sie an drei ausverkauften Abenden bitter und süß zugleich. Ganz so, wie sie eben auch sind, das Leben und der Tod.

Nach dem Live-Hörspiel „Magdalena“ im vergangenen Jahr hatte sich das PettenDorftheater auch heuer für ein Programm entschieden, das auf ganz besondere Weise zur Atmosphäre in dem Jahrhunderte alten Gewölbekeller unter dem Amann-Anwesen passt. Hubert Dennerlohr hat dafür eine Idee, die er schon lange mit sich herumträgt, in ein abendfüllendes Programm für eine Lesung mit Musik gepackt.

Ein prägendes Motiv

So stand an den drei Abenden Wien im Mittelpunkt – vor allem aber seine ganz besondere Kultur im Umgang mit dem Sterben und dem Tod als prägendes Motiv in Kunst, Literatur und Musik. Zur Seite geholt hatte sich Dennerlohr den Musiker Rainer Turba sowie Manuela Dennerlohr, die in den überleitenden Texten tief in die Wiener Todeskultur blicken ließ. Der österreichische Komponist, Sänger und Dichter Georg Kreisler hat die melancholisch-morbide Beziehung der Wiener zum Sensenmann treffend beschrieben: „Der Tod, das muss ein Wiener sein“, heißt sein Lied aus dem Jahr 1969, mit dem Dennerlohr den Abend eröffnete. Ein Abend, der mit vielen Liedern und Texten auf diese Wiener Todeskultur heraufbeschwor: „Lebensfreude und fröhliche Geselligkeit gehen Hand in Hand mit Traurigkeit, Todesangst und Melancholie“, zitierte Manuela Dennerlohr die Historikerin Hilde Schmölzer.

Und tatsächlich schafften es die drei Protagonisten des Abends, auch die Zuhörer zwischen diesen Stimmungen schwanken zu lassen. Hochkonzentriert, mucksmäuschenstill und auch sehr nachdenklich, aber auch immer wieder befreit auflachend und amüsiert verfolgten sie Texte von HC. Artmann bis Helmut Qualtinger und Lieder von Hans Moser bis Josef Hader – ein gutes Stück „morbid bis makaber“ eben.

Keine leichte Kost

So hatte Hubert Dennerlohr das Programm beschrieben, und sorgte selbst dafür, dass es beim Publikum genauso ankam. In jeder Phase des Abends war zu spüren, wie wichtig ihm dieses Programm ist. Ein Höhepunkt dabei: Die Wiener Lieder, die Dennerlohr und Turba so überzeugend interpretierten, als hätten der Oberpfälzer und der Franke Wien noch nie verlassen. So mag mancher schwer geschluckt haben bei „Lass mi no amoi d’Sunn aufgeh segn“ von Georg Danzer und „Komm großer schwarzer Vogel“ von Ludwig Hirsch, aber auch tief in sich hineingeschmunzelt bei „Es lebe der Zentralfriedhof“ von Wolfgang Ambros oder „So ist das Leben“ von Josef Hader.

Erlös für die Pettendorf Bücherei

Dafür, dass nach so intensiven Stimmungsschwankungen, zumindest das leibliche Wohl der Gäste in Gleichgewicht gebracht wurde, sorgte an den drei Abenden das Team der Bücherei Pettendorf. Dorthin fließt traditionell auch komplette Erlös der Abende im Pettendorfer Schlosskeller. Dafür verzichteten alle Beteiligten auf ihre Gage.

Das PettenDorftheater gastiert mit der „Wiener Melange“ im Januar in Pielenhofen. Am 17. und 18. Januar ist die Lesung mit Musik im dortigen Kulturkeller zu sehen und zu hören. Karten für die beiden Aufführungen gibt es demnächst im Klosterladen und im Internet unter www.pettendorftheater.de.

Eine ganz besondere Atmosphäre bietet der Schlosskeller.