Der SSV Jahn und die Suche nach dem Schlüssel: Kann Kother wieder ein Faktor werden?

Beim Fußball-Zweitligisten SSV Jahn Regensburg ist man überzeugt davon, dass der vom Co-Trainer zum Chefcoach aufgestiegene Andreas Patz es schafft, den Verein wieder in die Erfolgsspur zu führen. Zwei Tage vor dem Heimspiel am Sonntag (13.30 Uhr) gegen Magdeburg erklärte sich Sport-Geschäftsführer Achim Beierlorzer noch mal zur Beförderung des 41-Jährigen.
An der Spieltagspressekonferenz nahm er dieses Mal nicht im Zuschauerraum, sondern auf dem Podium teil. Seine Ausführungen waren weitgehend deckungsgleich mit denen, die tags zuvor in der Pressemitteilung des Vereins zu lesen waren. Auf die Nachfrage, ob auch in den Gremien alle für Patz als Dauerlösung gewesen seien oder ob er es ohnehin alleine entschieden habe, antwortete er: „Es gingen alle Hände hoch. Das ist keine One-Man-Show hier.“ Die Regensburger seien absolut überzeugt von der Personalie. Andi kenne die Mannschaft, die Abläufe, die Liga. Er sei am Puls der Zeit und könne sehr gute Ideen aus dem Fußballlehrer-Jahrgang einbringen.
Lesen Sie hier einen Kommentar von Felix Kronawitter: „Einige offene Fragen beim Jahn“
Hercher spielt in alter Heimat vor
Und was ist, wenn er die nächsten beiden Spiele verliert? Mit hypothetischen Fragen wollen sich die Regensburger nicht beschäftigen. Das sei kein Thema gewesen, erklärt Patz mit Blick darauf, ob im Fall der Fälle eine Rückkehr ins zweite Glied möglich sei. „Der Fokus liegt auf den Aufgaben, die jetzt anstehen.“ Bezüglich einer Verstärkung für das Trainerteam sei man in Gesprächen. Mitten in der Saison sei das nicht immer so einfach, betont Beierlorzer.
Mit Magdeburg, das mit Philipp Hercher einen Spieler mit an Bord haben wird, der fünf Jahre lang in der Jahnschmiede aktiv war und in Ihrlerstein im niederbayerischen Landkreis Kelheim aufgewachsen ist, kommt ein Team, das viel Ballbesitz hat. Das ist beim Jahn nicht der Fall.
Eine Parallele haben beide Teams aber: Sie sind extrem anfällig bei Standards. Acht von 17 Gegentreffern kassierten die Magdeburger nach ruhenden Bällen. Beim Jahn sind es von neun von 32. Die Gefahr, die auf beiden Seiten von Standards ausgeht, die ist wiederum ausbaufähig. Patz betont, dass genau das ein wichtiges Thema für den Jahn sei. „Eine Standardsituation ist eine super Chance, um ein Tor zu erzielen“, weiß Patz. Und das Toreschießen ist genau das richtige Stichwort. Das ist eine der großen Hauptbaustellen beim Jahn. 133 Torschüsse haben die Oberpfälzer gebraucht für ihre mageren fünf Treffer.
Wo liegt der Schlüssel für die Offensive? Kann Dominik Kother ein Faktor sein? Dem Mann hat es der Jahn unter anderem zu verdanken, dass es nun gegen große Klubs geht. Im neuen System mit Dreier- beziehungsweise Fünferkette hat er seinen Platz bis dato nicht gefunden. „Er hatte großen Anteil am Aufstieg, keine Frage“, erklärt Patz, schränkt zugleich aber ein: „Wie jeder andere Spieler muss er sich aber Woche für Woche beweisen.“ Während der Länderspielpause habe man viel probiert. Auch mit dem Ziel einen solchen Akteur, der besondere Qualitäten hat, wieder einzubauen. „Dominik zeigt uns mit seinen Trainingsleistungen, dass er unbedingt wieder spielen will. Und deswegen ist er auf jeden Fall auch eine Option, jetzt auch für das Wochenende“, unterstreicht Patz, der die Balance zwischen Offensive und Defensive finden will.
Mit zwei Siegen (Liga und Pokal) ist er in neuer Rolle gestartet, das 0:2 auf Schalke markierte aber einen Dämpfer. „Wir haben jetzt eine Basis geschaffen in der Defensive, dass jeder weiß, was er zu tun hat. Und jetzt wollen wir natürlich in der Offensive unsere Schwerpunkte legen“, sagt er. Im Heimspiel muss Patz womöglich auf Noah Ganaus verzichten. Der Angreifer plagte sich die Woche mit einer Erkältung herum. Auch Florian Ballas könnte erneut ausfallen. Der Verteidiger hat weiter mit muskulären Problemen zu kämpfen.
Wiedersehen mit dem Ex-Klub für Jahn-Trio
Für Sebastian Ernst, Alexander Bittroff und Julian Pollersbeck wird das Spiel gegen das Team aus Sachsen-Anhalt derweil eine besondere Partie. Das Trio trug selbst das FCM-Trikot. Zumindest Ersterer hat gute Chancen, zum Zug zu kommen. Gegen Magdeburg werden er und seine Kollegen viel laufen müssen.
„Wir wollen voller Überzeugung und selbstbewusst auftreten und natürlich auch so einer Mannschaft mit Intensität entgegenwirken“, betont Patz. „Das ist der Plan, die Jungs wissen, was zu tun ist. Wir gehen zuversichtlich in das Spiel rein.“
Mit 18 Zählern hat der FCM, der stark gestartet ist, dann aber nachgelassen hat, elf Punkte mehr auf dem Konto als der Jahn, der von einem einstelligen Tabellenplatz wiederum nur träumen kann. „Die Saison ist bisher nicht optimal für sie verlaufen“, sagt FCM-Trainer Christian Titz sehr diplomatisch über den Jahn. „Zuletzt war das aber eine Mannschaft, die diszipliniert verteidigt hat und bei Umschaltmomenten selbst Möglichkeiten hatte. Sie haben sich ein Stück weit stabilisiert“, sieht er einen Trainereffekt. „Wir werden diesen Gegner nicht unterschätzen.“
Jahn – Magdeburg (So., 13.30)SSV Jahn Regensburg: Gebhardt - Wurm, Bulic, L. Breunig – Pröger, Geipl, Hein − Viet, S. Ernst − Hottmann, Kühlwetter; es fehlen: Galjen (Rotsperre), Meyer (Außenknöchelbruch mit Bandverletzung), Saller (muskuläre Probleme), Schmidt , Schönfelder (beide Knieverletzung)
1. FC Magdeburg: Reimann – Tob. Müller, Mathisen, Heber − Hercher, Krempicki, Gnaka, Loric − El Hankouri, Kaars, Burcu
Bilanz: drei Jahn-Siege, zwei Remis, zwei Niederlagen; 9:10 Tore