Die Luchs-Population stagniert in Ostbayern auf einem niedrigem Niveau

Von Alexander Frimberger · 20. November 2024 um 20:34

Wie geht es dem Luchs in Bayern? Die Frage beantworteten Vertreter des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) und der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) im LBV-Zentrum in Nößwartling bei Arnschwang.

73 selbstständige Luchse und 22 Jungtiere bevölkern den ostbayerischen Raum im Dreiländereck Deutschland/Tschechien/Österreich, sagt David Epple vom LfU. Ein Bevölkerungsschwerpunkt sind dabei unter anderem der Bayerische und der Oberpfälzer Wald.

Elf Weibchen haben Nachwuchs bekommen. „Die Population befindet sich damit mittelfristig weiter auf stagnierendem Niveau“, bedauert Epple. Die Reproduktionen befinden sich ebenfalls auf einem niedrigen Stand. Erfreulich sei, dass es Geburten im Regensburger Raum und im Frankenwald gegeben haben.

Insgesamt sieben Totfunde

Wie belastbar die Zahlen sind, kann nur vermutet werden, denn: LfU und HWST haben bei ihrem Monitoring eingeschränkte Möglichkeiten in der Methodik: So werden – soweit es ein Jagdpächter zulässt – Fotofallen aufgestellt. Es gibt Zufallshinweise wie private Sichtungen und Fotos oder auch Funde von Losungen.

Totfunde (im Zeitraum Mai 2023 bis April 2024 waren es sieben) oder Halsband-Sender (Telemetrik) werden herangezogen. Insgesamt 611 Sichtungen konnten so dokumentiert werden. Die allermeisten davon, nämlich 520, durch Foto- und Videofallen, in welche die Pinselohren getappt sind.

Doch es könnte weitaus mehr Luchspopulation geben. Dazu müsste man an die Daten der Jägerschaft, Bilder deren Fotofallen und andere Beobachtungen kommen. Das klappt aber offensichtlich nur eingeschränkt, wenn Karl-Heinz Schindlatz, Vorsitzender des Landesbundes für Umwelt und Vogelschutz (LBV), bei seiner Begrüßung für eine fachliche und sachliche Diskussion und das gedeihliche Miteinander wirbt, Epple und seine Kollegen von LfU und Hochschule mehrfach auf die Wichtigkeit von Meldungen hinweisen. So muss man die kleinen Erfolge feiern, etwa zwei Jungluchse, die gefunden, aufgepäppelt und wieder in die Freiheit entlassen wurden. Diese Aktionen können zur Ausbreitung der bayerischen Luchspopulation beitragen, wie Wildtierbiologin Katja Schnetz vom HWST in einer Pressemitteilung ausführt. Und das scheint bitter nötig, denn: „Der Luchs in Bayern ist weiterhin eine stark gefährdete Tierart, da die bestehenden Bestände noch keine überlebensfähige Population bilden.“ Schnetz ging bei ihrem Vortrag auch auf den Luchs als Räuber ein. Seine Hauptbeute sind zu 78 Prozent Rehe. Er reißt aber auch Rotwild, Füchse und Marder, benötigt rund 50 bis 70 Rehe im Jahr. Der Pirsch- und Ansitzjäger frisst an seiner Beute mehrere Tage. Eine noch nicht endgültig belastbare Aussage, aber doch eine Richtung ergibt sich aus einer Bachelorarbeit, die am HWST angefertigt wurde.

Demnach hat die Jagd einen größeren Einfluss auf die Rehpopulation als der Luchs. Er kann allerdings in bestimmten Situationen, beispielsweise im Winter, zur Dezimierung beitragen. Ganz generell gilt, je vielfältiger und produktiver ein Lebensraum ist, um so geringer ist der Effekt.

Professor Volker Zahner erläuterte die notwendige Vernetzung einzelner Regionen miteinander. Nur wenn die Tiere weit wandern, sich über die Region hinaus vermischen, kann demnach eine gesunde Population entstehen.

Jäger hat Aneignungsrecht

In der Diskussionsrunde wurde mehrfach nachgefragt, wie im Fall eines Verkehrsunfalls vorgegangen werde. Laut Epple hat der Jäger ein Aneignungsrecht. Wenn die Polizei keine Ermittlungen einleitet, muss der Jäger das Tier nicht in Augenschein nehmen lassen. Wenn er es zulässt, dann wird das tote Tier beim Tierarzt in Augenschein genommen. Im Verdachtsfall eines unnatürlichen Todes kann es in der Tierpathologie in München untersucht werden. In jedem Fall bekommt der Jagdpächter den Kadaver zurück, der dann präpariert werden kann.

Dass zwischen beiden Parteien wohl noch einiges im Argen liegt, zeigte die Frage von Max König, Vorstand der Kreisjägerschaft Grafenau. Vom bayerischen Jagdverband (BJV) hat er die Information, dass DNA-Proben von gerissenen Nutztieren nach Wien geschickt werden müssen. Laut Monika Hußlein vom LfU stimmt das nicht. Man habe dem BJV schon mehrfach mitgeteilt, dass Mitarbeiter ihres Amtes bei Bedarf Proben nehmen und diese an ein deutsches Labor schicken.