50 Jahre bei derselben Firma: Diese Tipps hat die Kelheimerin Silvia Schels für die Jungen

50 Jahre im selben Betrieb: Die Kelheimerin Silvia Schels hat das geschafft. Mit „68 einhalb“ arbeitet sie immer noch sehr gerne bei Kelheim Fibres. Aber nicht mehr lange. Die Rente steht an. Das rät sie den Jungen, die ins Arbeitsleben einsteigen.
Fürs Foto will sich Silvia Schels einen anderen Kittel leihen. „Auf meinem ist der Firmenname mehrfach überklebt“, sagt die 68-Jährige. Aber das steht doch gerade für ihre 50 Jahre beim Kelheimer Faserwerk, sagen Betriebsärztin Reinhilde Werner und Schels’ Nachfolgerin Silke Nickl unisono. Na, gut, sagt Schels, und lässt ihren Kittel an.
Seit 1974 arbeitet sie im Faserwerk (heute: Kelheim Fibres). Viele Höhen und Tiefen, mehrfachen Personalabbau und eben zahlreiche Umfirmierungen hat sie erlebt. Im Januar geht sie in Rente und hat für die Jungen, die erst ins Arbeitsleben starten, ein paar Tipps in petto.
„Junge Leute müssen mindestens eine Ausbildung und ihren Gesellenbrief haben und dann auf ihre Fortbildungen achten“, sagt die zweifache Mutter, die stets Vollzeit gearbeitet hat. Auch weil Personalchefs „vom alten Schlag“ Teilzeitarbeit als eine Art „Nichtstun“ brandmarkten. Es war nicht immer leicht, sagt Schels. Aber sie habe es irgendwie hinbekommen.
Das sagt Personalleiter Tobias Westner
Tobias Westner, der heutige Personalverantwortliche, kennt Schels seit 2009. Er sagt: „Sie identifiziert sich zu 1000 Prozent mit Kelheim Fibres, im Grunde ist sie wie ein Türsteher – im positiven Sinne“. Er weiß, wovon er spricht. Er hatte selbst seine Einstellungsuntersuchung bei Silvia Schels. Und absolvierte bei ihr nicht nur übliche Checks, sondern hatte „im Grunde auch ein kleines Einstellungsgespräch“.
Ob sie wirklich nie mit einem Wechsel geliebäugelt hatte? Klar hatte sie sich mal über Mitarbeiter oder Vorgesetzte geärgert. In den 1980ern wollte sie die damalige Betriebsärztin mit zu einem anderen Arbeitgeber nehmen. „Ich lehnte ab, weil mir Kelheim Fibres passte, ich meinen Arbeitsplatz fußläufig erreichen konnte und mein Mann und ich uns ein zweites Kind wünschten.“
„Nur Unzufriedenheit kostet Lebenszeit“
Was rät sie den Jungen weiter? „Die Arbeit, die man ausübt, sollte man mit einer positiven Grundeinstellung ausüben. Überall läuft es mal schräg.“ Erst wenn Beruf oder Arbeitgeber überhaupt nicht mehr mit dem eigenen Leben im Einklang stehe, sollte man „die Reißleine ziehen und sich anderweitig orientieren. Nur Unzufriedenheit kostet Lebenszeit“, sagt Schels.
Mit 20 war die gebürtige Hessin von Frankfurt nach Kelheim gewechselt. Hier hat die gelernte Biologie-Laborantin quasi die werksmedizinische Abteilung aufgebaut. Die Arbeitsmediziner wechselten, Schels blieb.
Wolfgang Ott: „Sie ist ein Tausendsassa“
Wolfgang Ott vom Management kennt Schels „schlappe 30 Jahre“. Für ihn ist sie „ein Tausendsassa. Sie lernt sehr schnell und nimmt sich vieler Aufgaben an, wenn etwas automatisiert ist, steht sie auf der Matte und sagt: Was haben Sie denn noch zu tun für mich?“ So testete sie bald nicht nur Sehvermögen, Gehör oder Lungenfunktion der Kollegen, sondern beriet sie auch in Versicherungsfragen und analysierte Urinproben im Labor.
Zu Corona lief sie zur Höchstform auf. Es gab sehr viel zu tun – Schnell- und PCR-Tests, Impfungen organisieren. Silvia Schels fand das „top“. Seit 2019 ist Reinhilde Werner die Arbeitsmedizinerin für KF und weitere externe Betriebe. Sie charakterisiert Schels als „wahnsinnig innovativ, für viele ihrer Generation ist das nicht selbstverständlich. Sie denkt vorausschauend und scheut keinen Konflikt“.
Silvia Schels: „Ohne gute Arbeit ist alles ein Schmarrn“
Ihre Arbeit war Silvia Schels stets wichtig. „„Ohne gute Arbeit ist alles ein Schmarrn“, sagt sie. Ihre „Begeisterung“ für die Rente hält sich in Grenzen. Allerdings schaut sie von ihrem Zuhause in der Bergstraße direkt auf den Kesselhauskamin. Dem Verantwortlichen für die Gebäude hat sie schon gesagt, wenn dort einmal ein Licht kaputt ist, bekommt er einen Anruf.
Ihren Kollegen wünscht sie, dass sie die aktuelle Insolvenz überstehen. „So weit wie jetzt war es noch nie. “ Es sei hart für jeden, der seine Arbeit verliert. Sie musste diese Erfahrung zum Glück nie machen.
