Offizielle Freigabe bei Höll: Viel Prominenz für kurzen Radweg an der Grenze nahe Waldmünchen

Von Martin Hladik · 19. November 2024 um 19:00

Es ist nur ein kurzes Stück Radweg, das seit wenigen Tagen die deutsche Seite bei Höll (Stadt Waldmünchen) mit der tschechischen Seite bei Nemanice verbindet und direkt am Grenzschild vorbeiführt. Mit 30 000 Euro Investition auf deutscher Seite gehört es auch finanziell eher zu den kleinen Bauprojekten. Dennoch waren zur Eröffnung hochrangige Gäste aus der Oberpfalz und der Region Pilsen anwesend.

Reden zur Eröffnung des kleinen Stückchen Radwegs hielten der Regierungspräsident der Oberpfalz, Walter Jonas, der stellvertretende Hauptmann für Verkehr der Region Pilsen, Pavel Čížek, sowie die beiden Bürgermeister von Waldmünchen und Nemanice, Markus Ackermann und Ivan Bartošek. Zudem waren Josef Kreitinger, bei der Regierung für den Straßenbau zuständig, und Dr. Richard Bosl vom Staatlichen Bauamt in Regensburg anwesend.

Erfolgreiche grenzüberschreitende Zusammenarbeit

„Klein, aber fein“ sei der grenzüberschreitende Radweg, hatte Bosl bei der Begrüßung der Gäste gesagt. Ein Adjektiv, das Regierungspräsident Jonas gerne aufgriff. Das „kleine Projekt“ sei dennoch „ein kleiner Meilenstein“ der „erfolgreichen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit“. Jonas betonte, dass das Projekt „unbürokratisch und schnell“ durchgeführt wurde. Erst 2023 sei die Idee dazu bei der bayerisch-tschechischen Arbeitsgemeinschaft Verkehr, der Kreitinger für die Oberpfalz vorsitze, geboren worden, Anfang 2024 hätten sich die Planer des Straßenbauamtes und der Gemeinde Nemanice zusammengesetzt, und jetzt im November 2024 sei der Lückenschluss fertig.

„Grenzüberschreitende Radwege sind für uns wichtig“, sagte der stellvertretende Hauptmann Čížek. Die Region Pilsen hatte den Ausbau des Radweges auf tschechischer Seite finanziert. Auf deutscher Seite war der Freistaat der Geldgeber. Die Radwege, so Čížek, seien ein „Symbol der Verbindung und Verknüpfung“. Auf diesem Radweg könnten die Menschen weiter auf dem Radweg 36 in Richtung des Cerchov radeln, oder auf dem Eurovelo 13 entlang der deutsch-tschechischen Grenze. Derzeit versuche man, in der Region Pilsen 800 Kilometer Radwege zu bauen. 200 Kilometer davon seien schon fertig. Einer sei die Verbindung von Domažlice nach Furth im Wald. In ein bis zwei Jahren hoffe er, dass auch der Radweg von Pilsen bis Domažlice fertig sei. Eine andere geplante Verbindung sei die von Bělá nad Radbuzou nach Eslarn und längerfristig auch die von Všeruby nach Eschlkam.

Gute Beziehungen zwischen Bayern und Böhmen

Bayern und Böhmen sei es immer dann gut gegangen, wenn beide Seiten ein gut nachbarschaftliches Verhältnis gehabt hätten, sagte der Waldmünchner Bürgermeister Markus Ackermann. „Die gut nachbarschaftlichen Beziehungen sind uns wichtig“, betonte er und verwies als Beispiel auf das Aktionsbündnis Cerchov. Der grenzüberschreitende Radweg sei ein Mosaikstein dieser Beziehungen. Auf dem Radweg könnten Touristen und die Bevölkerung unkompliziert über die Grenze.

Sein Amtskollege aus Nemanice, Ivan Bartošek, erinnerte an die Zeit, als hier noch ein Grenzzaun stand und das Gebiet ein Niemandsland war. An beiden Seiten der Grenze sei Polizei gestanden. „Heute können sich hier die Menschen frei bewegen, in beide Richtungen.“ Er hoffe, dass sich die Beziehungen so weiterentwickeln, damit es wieder so wird wie vor über 100 Jahren, als es gemischte Familien beiderseits der Grenze gab. Er danke dem Bezirk in Pilsen für die finanzielle Unterstützung beim Radwegbau und freute sich, dass alles „so flott gelaufen“ ist. Der Bau sei in wenigen Monaten Wirklichkeit geworden. Bartošek: „So sollte das immer gehen!“