Stadt Neunburg verordnet Festspiel eine Zwangspause – Schauspieler verärgert

Von Jan Lange · 18. November 2024 um 18:00

Kurz vor der Jahreshauptversammlung des Neunburger Festspielvereins im Landkreis Schwandorf platzte die Bombe: 2026 wird es aus Kostengründen keine Aufführung „Vom Hussenkrieg“ geben. So hat es der Stadtrat kürzlich beschlossen. Nun ist die Verärgerung groß.

Die Nachricht ereilt die Festspieler wenige Monate vor einem großen Jubiläum. Im kommenden Jahr kann der Verein auf eine 40-jährige Erfolgsgeschichte mit vielen Aufführungen zurückblicken. Weit über die Neunburger Stadtgrenzen hinaus genießt das Festspiel „Vom Hussenkrieg“ einen exzellenten Ruf. Das sorgte regelmäßig für illustre Gäste. Zuletzt hatte Regierungspräsident Walter Jonas die Schirmherrschaft übernommen.

Neunburger Stadtrat wird erneut über das Festspiel beraten

Während im Jubiläumsjahr das Festspiel wie gewohnt im Burghof über die Bühne gehen soll, wird sich danach etwas ändern. Der Neunburger Stadtrat hatte jüngst hinter verschlossener Tür entschieden, dass das Festspiel eine Zwangspause einlegen muss. 2026 soll nicht gespielt werden, sondern erst 2027 wieder. Danach will man im Stadtrat erneut über den Rhythmus für die Burgfestspiele beraten.

Dass die Entscheidung bei den motivierten Laienschauspielern auf wenig Gegenliebe stoßen könnte, ahnte wohl auch Bürgermeister Martin Birner (CSU). Bei der Jahreshauptversammlung am Sonntag im Pfarrheim St. Josef kam es nun zum Aufeinandertreffen der beiden Seiten. Birner versuchte in seinem Grußwort, um Verständnis zu werben. Er sprach von „nicht einfachen Zeiten“.

Ausführlich erläuterte der Rathauschef den anwesenden Mitgliedern, dass vor allem im Sozialbereich die Kosten steigen würden. Das schlage sich auch auf den Neunburger Haushalt nieder. Kurzum: Der Stadt bliebe weniger Geld für freiwillige Leistungen wie die Finanzierung des Festspiels über. Man sei zum Sparen gezwungen.

Auf Nachfrage aus den Reihen der Mitglieder nannte Birner einen hohen fünfstelligen Betrag, den die Stadt alljährlich für das Festspiel aufwenden müsste. Nur zum Teil könnten die Ausgaben über die Eintrittsgelder wieder ausgeglichen werden.

Unter den Festspielern gärt noch immer die Wut

Den Unmut der Vereinsmitglieder konnte Birner mit seiner Rede nicht gänzlich stoppen. Im Gegenteil: Offenbar gärt noch immer die Wut. Es scheint, als hätten sich Stadtrat und Rathauschef mit ihrer Entscheidung nicht nur Freunde gemacht. „Unser Bürgermeister ist wie ein Fähnchen im Wind. Er will es jedem recht machen“, verlautete gegenüber unserer Zeitung aus der Festspielschar nach der Versammlung.

Viele der Ehrenamtlichen könnten nicht verstehen, warum die Entscheidung in nichtöffentlicher Sitzung des Stadtrats erfolgt war. Ferner fragten sich mehrere, warum die Stadt nicht stärker zu ihrem kulturellen Aushängeschild stehe. „Was ist denn jetzt noch für Urlauber geboten? Sie können jetzt noch Minigolf spielen oder den Kiosk besuchen“, schimpfte einer der Akteure. Auch das Argument der Stadt, dass man mit der Zwangspause Geld sparen könne, überzeugte längst nicht alle. Aus Festspielkreisen verlautete dazu, dass der zweijährige Rhythmus eher höhere Kosten verursachen könnte. Der Grund: Es seien dann intensivere Proben notwendig – und die Tribüne stehe in der Zwischenzeit ungenutzt rum.

Und überhaupt stelle man sich die Frage, ob die Stadt ihr Geld gut einsetzt. „Wenn man sieht, was Neunburg an anderer Stelle ausgibt, weiß man nicht, ob die Prioritäten richtig gesetzt werden“, so ein langjähriger Mitwirkender.

„Erschreckend“ findet man unter den Festspielern auch den Fakt, dass der Stadtrat mit seiner Entscheidung verkenne, wie aktuell die Handlung „Vom Hussenkrieg“ ist. Es handle sich um ein Anti-Kriegsstück. Mit Blick auf die Kämpfe in der Ukraine sei die Relevanz höher denn je. Das Votum sei daher „nicht durchdacht“ gewesen, so die Kritik.

Ein weiteres Argument brachte der Ehrenvorsitzende Theo Männer öffentlich bei der Jahreshauptversammlung vor. Auch er äußerte Bedenken gegen die Zwangspause für das Festspiel. Es könnte dem Verein schwer fallen, alle Aktiven während einer Spielpause „bei der Stange halten zu können“, so Männer wörtlich.

Da war die Welt noch in Ordnung: Vor der diesjährigen Premiere versammelten sich Schauspieler und Ehrengäste beim traditionellen Schirmherrenempfang. Foto: Ralf Gohlke, Archiv