Jahn-Trainer im Interview: Patz spricht über neue Rolle, Dämpfer, Taktik und den Kader

Von Felix Kronawitter · 15. November 2024 um 21:32

Sportchef Achim Beierlorzer schenkt Andreas Patz weiter das Vertrauen. Im Interview spricht der neue Cheftrainer der Regensburger über intensive Wochen in neuer Rolle und als baldiger Fußballlehrer, den herben Dämpfer auf Schalke, die Spielphilosophie der Oberpfälzer, Impulse, die er der Mannschaft seiner Meinung nach geben kann – und Verstärkungsbedarf beim Zweitliga-Schlusslicht im Winter.

Die Verantwortlichen um Sport-Geschäftsführer Achim Beierlorzer schenken Ihnen weiter das Vertrauen. „Weiter bis auf Weiteres“? Oder erst mal bis Winter? Was wurde denn da jetzt genau vereinbart?

Andreas Patz: Wir sind uns einig, dass ich wie bisher als Cheftrainer weitermachen werde. Mir ist es wichtig, dass beide Seiten eine klare Aussage treffen und offen und ehrlich miteinander kommunizieren und die weiteren Schritte werden wir final zeitnah vermelden. In Bezug auf die Verstärkung des Trainerteams arbeiten wir bereits an Lösungen und sind im Austausch.

Es sind intensive Wochen für Sie. Plötzlich Cheftrainer und zugleich gilt es auch noch, den Fußballlehrer, wo sie in den letzten Zügen sind, zu meistern. Zu Wochenbeginn waren sie sogar noch für ein Praktikum bei Rapid Wien.

Patz: Ja, aktuell sind es wirklich herausfordernde Wochen. Der Wechsel in die Rolle des Cheftrainers kam schnell und der Abschluss des Fußballlehrer-Lehrgangs erfordert ebenfalls vollste Konzentration. Dennoch bereitet mir diese Arbeit große Freude und ich empfinde die Herausforderung als bereichernd. Das Praktikum bei Rapid Wien zu Beginn der Woche war ebenfalls eine wertvolle Erfahrung. Nichtsdestotrotz liegt dieser Zeitabschnitt in einem überschaubaren Rahmen und ich erfülle ihn mit Begeisterung.

Als Unterstützung soll ein neuer Co-Trainer kommen. Ist schon Verstärkung in Sicht?

Patz: Auch hier im sind wir im Austausch und fokussieren, was zeitnah realisierbar und für das gesamte Trainerteam eine gute Lösung ist.

Sie haben frischen Wind beim Jahn gebracht mit den Erfolgen im Pokal und in der Liga. Auf Schalke gab es aber einen herben Dämpfer. Nicht wenige Fans sprachen von einer erschreckenden Offensivleistung. Wie bewerten Sie es?

Patz: Mit Blick auf die generelle Situation war es für mich erst einmal sehr wichtig, die Defensive zu stabilisieren und der Mannschaft wieder Sicherheit zu geben. Darauf können wir jetzt sukzessive aufbauen. Künftig ist es uns sehr wichtig, auch in der Offensive wieder ein anderes Gesicht zu zeigen. Im Zuge dessen konnten wir die Länderspielwoche nutzen, um an diesen Inhalten verstärkt zu arbeiten.

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Im Duell zwischen dem 17. und dem 18. gab es meiner Meinung nach einen Klassenunterschied. Die xGoals-Werte (3,44 vs. 0,29) sprechen eine deutliche Sprache. Nach dem 3:8 in Nürnberg war es alternativlos, mit einer Mauertaktik zu agieren. Warum war man aber gegen verunsicherte Schalker nicht mutiger?

Patz: Selbstverständlich haben wir uns auf Schalke mehr erhofft und wollten etwas Zählbares mitnehmen. Wir tun gut daran, nicht Woche für Woche alles über den Haufen zu werfen, sondern es Stück für Stück aufzubauen. Aktuell befinden wir uns einfach nicht in der Lage zu sagen, dass wir auf Schalke fahren und einfach mal das Spiel gewinnen.

Wie viel neue Impulse können Sie der Mannschaft überhaupt geben? Sie dürften ja bereits unter Joe Enochs sehr aktiv gewesen sein als Input-Geber.

Patz: Jeder Trainer hat seine eigene Persönlichkeit und im Zuge dessen seine eigenen Herangehensweisen. Mir ist es wichtig, wie die Jungs miteinander umgehen, auf dem Platz auftreten und sich mit dem Verein identifizieren. Leidenschaft, Überzeugung und der Glaube an das, was wir tun ist letztlich die Basis.

Viele Anhänger monieren auch, dass von der Spielphilosophie des Jahn überhaupt nichts mehr zu sehen ist.

Patz: Dies ist meines Erachtens momentan auch verständlich und nicht der Fußball, in welchem sich der Jahn, die Mannschaft und ich wiederfinden. Nach den letzten Wochen und der 3:8-Niederlage hielt ich es für nötig, der Mannschaft wieder Sicherheit und Stabilität zu geben. Nachdem sich zwei von drei der letzten Spiele erfolgreich gestalteten, erlangte insbesondere die Mannschaft wieder mehr Selbstvertrauen, welches es gilt, in den nächsten Wochen weiter zu stärken.

Die Frage aller Fragen: Reicht die Qualität im Kader überhaupt aus, den Klassenerhalt noch schaffen zu können?

Patz: Ich bin davon überzeugt, dass wir als Mannschaft die Qualität haben, die Klasse zu halten. Für uns ist es wichtig, als Einheit zu fungieren, geschlossen aufzutreten und sich vollumfänglich mit dem zu identifizieren, was – und wer wir sind.

Sport-Geschäftsführer Achim Beierlorzer hat bereits erklärt, dass nach der Verletzung von Oscar Schönfelder hinten links Verstärkungsbedarf besteht. Gibt es den – angesichts von fünf mageren Törchen in zwölf Spielen – nicht vor allem vorne?

Patz: Mit Blick auf die Verletzung müssen wir selbstverständlich auf der linken Außenverteidigerposition reagieren. Wir tun gut daran, dies zeitnah zu besprechen und zu berücksichtigen, was für uns als Verein und Mannschaft der richtige Weg ist. Aktuell gilt der volle Fokus den anstehenden Aufgaben.

Es gilt, die Balance zwischen Defensive und Offensive zu finden. Wäre da eine Rückkehr zur Viererkette nicht naheliegend?

Patz: Das System spielt jetzt vielleicht nicht primär die Rolle. Es ist wichtig zu schauen, welche Spieler uns aktuell zur Verfügung stehen und wie wir deren Stärken bestmöglich zur Geltung kommen lassen.

Ist der Austausch mit den Spielern so offen, dass die ihre klare Meinung in Sachen Taktik kundtun? Ein Kai Pröger ist sicher kein Fan davon, als Außenverteidiger zu agieren

Patz: Ich führe immer offene Gespräche mit den Spielern und bin im engen Austausch mit ihnen. Natürlich ist mir bewusst, dass sich Kai in der Offensive wohler fühlt und dort seinen Platz sieht. Aktuell stehen uns leider nur wenige Möglichkeiten zur Verfügung und es gilt, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen.

Nach der Länderspielpause wartet mit Magdeburg die nächste Aufgabe in der Liga.

Patz: Wir schauen von Aufgabe zu Aufgabe. Wir sind in Schlagdistanz und wollen schnellstmöglich punkten. Dafür gilt es, Woche für Woche hart zu arbeiten und am Wochenende alles rauszuhauen.