Jahn Regensburg: Ein blaues Auge, eine schwarze Null und stehender Applaus zum Abschied

Möglicher Konfliktstoff kam gar nicht erst zur Sprache. Verschiedene Änderungsanträge zur Satzung, die unter anderem darauf hinausgelaufen wären, den Vorstandsvorsitzenden künftig durch die Mitgliederversammlung küren zu lassen, hatten die Initiatoren kurzfristig zurückgezogen. Somit obliegt es weiter dem Aufsichtsrat des SSV Jahn e.V., diesen zu wählen. Die Weichen für einen Wechsel an der Spitze des Regensburger Fußball-Zweitligisten sind längst gestellt.
Bereits im Sommer hatte Hans Rothammer seinen Rückzug zum Jahresende angekündigt. Sein designierter Nachfolger ist nach dem einstimmigen Willen des Gremiums Ex-Profi und Vereinsikone Oliver Hein, wie der Versammlungsleiter und e.V.-Aufsichtsratsvorsitzende Andreas Gietl bekräftigte. Rothammer will indes weiterhin als Aufsichtsratsvorsitzender der Jahn-KGaA fungieren.
Auch kritische Stimmen
Andreas Patz soll derweil nach der Beurlaubung von Joe Enochs von der Interims- zur Dauerlösung auf dem Trainerstuhl des SSV Jahn avancieren. Diese Botschaft verkündete Sport-Geschäftsführer Achim Beierlorzer den rund 420 Mitgliedern, die sich am am Dienstagabend im Jahnstadion eingefunden hatten. Gleichzeitig hält er nach einem neuen Co-Trainer für den Tabellenletzten Ausschau, weil diese Position seit der Beförderung von Patz im Trainerstab vakant ist.
„Andreas Patz hat die Mannschaft stabilisiert. Ich bin überzeugt von ihm. Deswegen lautet die klare Botschaft, dass wir weiter mit Andi als Trainer arbeiten“, sagte Beierlorzer.
Auch wenn die Mitgliederversammlung insgesamt ohne große Reibungspunkte und Kontroversen ablief, wurden angesichts der prekären sportlichen Lage des Aufsteigers und Schlusslichts kritische Stimmen laut. „Natürlich werde ich mich intensiv um mögliche Neuzugänge bemühen. Aber ich bin keiner, der in Aktionismus verfällt“, erwiderte Beierlorzer mit Blick auf die Transferperiode im Winter und fügte hinzu: „Wir müssen in jedem Spiel alles investieren. Unser einziges Ziel ist es, in dieser Liga zu überleben.“
Mit stehendem Applaus bedachte das Publikum Hans Rothammer, der nach zehneinhalb Jahren im Amt abtreten wird. Der 71-Jährige verwies in seiner Rede auf Meilensteine wie die Entschuldung des wirtschaftlich schwer angeschlagenen Vereins, den Stadionneubau, die Abwehr einer feindlichen Übernahme durch einen Investor, die beiden Zweitliga-Aufstiege 2017 und 2024 sowie Investitionen in Höhe von rund 10 Millionen Euro in die Infrastruktur des Trainingsgeländes am Kaulbachweg. Der geplante Bau des Nachwuchsleistungszentrums in Barbing stellt eine weitere finanzielle Herausforderung dar.
„Wir dürfen den Weg der Solidität nicht verlassen“, forderte Rothammer. Der SSV Jahn sei ein Profiverein ohne Schulden, der seine Botschafterrolle für die Region verantwortungsvoll wahrnehme. Aus einem „Chaosverein ohne Strom“ habe sich nicht nur „eine positive Marke entwickelt“. Der Jahn sei vielmehr ein mittelständisches Unternehmen mit mehr als 20 Millionen Euro Umsatz und rund 150 Mitarbeitern. „Die zehneinhalb Jahre waren anstrengend, teilweise sehr anstrengend, sie waren aber auch bereichernd. Sie haben mein Leben bunter gemacht. Dafür herzlichen Dank! Es war mir eine Ehre“, schloss Rothammer. Offiziell verabschiedet wird er erst nach seinem Rücktritt Ende Dezember.
Mittlerweile 5600 Mitglieder
Die wirtschaftliche Seite beleuchteten als Vorstand kaufmännischer Bereich im e.V. der Schwandorfer Landrat Thomas Ebeling (CSU) sowie Philipp Hausner als kaufmännischer Geschäftsführer. Während Ebeling über ein positives Jahresergebnis des e.V. und einen Überschuss von 819 000 Euro berichtete, verkündete Hausner erstmals seit der Spielzeit 2015/16 für die KGaA einen Verlust in vergleichbarer Höhe. Insgesamt sei man „mit einem blauen Auge und einer schwarzen Null“ davongekommen, so Hausner. Der SSV Jahn, der mittlerweile rund 5600 Mitglieder und 196 Partnervereine in der Region zählt, erwartet in der laufenden Saison einen Umsatz von circa 24,9 Millionen Euro und bewegt sich damit weiterhin im unteren Drittel der zweiten Liga. In der vergangenen Abstiegssaison war der Umsatz vor allem wegen fehlender TV-Gelder auf rund 14 Millionen Euro gefallen.
Oliver Hein, bis auf Weiteres noch Vorstand sportlicher Bereich im e.V., sieht die Arbeit in der Jahnschmiede erstmals seit langer Zeit Früchte tragen, Talente wie Jonas Bauer, Leopold Wurm und Max Meyer hätten bereits Zweitliga-Einsätze verbucht. Hein sieht in seiner kommenden Rolle als Vorstandsvorsitzender im e.V. ein „Privileg, eine große Ehre und eine Herausforderung“, wie er sagte.
Fünf Aufsichtsräte waren zu bestimmen. Unter sieben Kandidaten wurden bei insgesamt 392 abgegebenen Stimmen Johannes Baumeister (323 Stimmen), Andreas Gietl (331), Günter Hödl (348) und Walter Schwabenbauer (333) als Mitglieder des Gremiums bestätigt. Neu dabei ist künftig Stefan Müller (229).

