MZ-Reporterin testet mit Rallye-Legende Walter Röhrl ihren Fahrstil

Es ist ein besonderer Anlass, zu dem der ADAC am Donnerstag auf das Trainingsgelände in Rosenhof (Landkreis Regensburg) eingeladen hat: Der 50.000 Gast beim Fahrsicherheitstraining. Auch Journalisten dürfen deshalb mit dem Profi eine gefahrenbehaftete Runde drehen.
Da sitzt er also nun neben mir. Walter Röhrl, zweifacher Weltmeister und vierfacher Gewinner der Rallye Monte Carlo. Meine Hände fühlen sich schwitzig an. Walter Röhrl ist bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, wenn es um Fahrtüchtigkeit und Geschwindigkeit geht. „Beim Beschleunigen müssen die Tränen der Ergriffenheit waagerecht zum Ohr hin abfließen“, ist einer seiner überlieferten Sprüche. Ein anderer: „Autofahren ist Rallye fahren. Alles andere ist Kindergeburtstag.“ Ich fahre Tempo 100 auf Landstraßen und 130 auf der Autobahn. Und jetzt ein Fahrsicherheitstraining mit dem Profi. Das kann was werden.
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Es ist ein besonderer Anlass, zu dem der ADAC am Donnerstag auf das Trainingsgelände in Rosenhof (Lkr. Regensburg) eingeladen hat. Hier absolviert an diesem Tag der 50.000. Teilnehmer – Florian Hesl aus Regensburg – ein Fahrsicherheitstraining. Ein Geschenk seiner Eltern zu Weihnachten, wie der junge Mann erzählt. Für Walter Röhrl, der mit Landrätin Tanja Schweiger und Walter Ittlinger, Geschäftsführer der ADAC Fahrsicherheitszentren Südbayern, gratuliert, ein Angebot, das eigentlich jeder Autofahrer in Anspruch nehmen sollte. Und nicht nur einmal, sondern am besten regelmäßig. Bei Führerscheinneulingen würde Röhrl sogar für ein verpflichtendes Fahrsicherheitstraining plädieren – wie es in Österreich bereits der Fall ist. „Wenn ein Auto ins Rutschen kommt und der Fahrer weiß, was er tun muss, ist viel erreicht!“
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Rutschen. Das ist auch mein Stichwort. Auf dem Trainingsgelände werden widrige Straßenverhältnisse eine besondere Rolle spielen. Und Hindernisse, die aus dem Nichts auftauchen. Vorausschauendes Fahren ist hier besonders wichtig, wie Röhrl mir vor unserem Training erläutert. Denn auf der Straße muss in einer unerwarteten Situation ohne langes Nachdenken richtig reagiert werden. „Man hat ja nur diese eine Chance“, sagt Röhrl.
Ich sitze seit über drei Jahrzehnten am Steuer. Glücklicherweise hatte ich noch keinen Wildunfall und keinen Zusammenstoß im Gegenverkehr. Doch freilich haben sich Fehler und nachlässiges Verhalten eingeschlichen, wie Walter Röhrl auch schon beim Anfahren bemerkt. „Die Hände beidseitig ans Lenkrad“, korrigiert er mich.
Fast 390.000 Unfälle hat es 2023 in Bayern gegeben. Über 62.800 Person verunglückten, von denen 499 den Unfall nicht überlebten. „Der Faktor Mensch birgt die größte Gefahr“, sagt Röhrl, der selbst einmal durch blitzschnelle Reaktion am Steuer einen Motorradfahrer vor dem sicheren Zusammenstoß rettete. „Er hat damals registriert, dass sein zweites Leben begonnen hat.“
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Ich trete aufs Gaspedal, um selbst zu erleben, wie viel Reaktionsvermögen ich den Herausforderungen entgegensetzen kann. Der Trainings-BMW macht plötzlich einen Satz nach vorne. Das Heck bricht nach links aus. „Nach links lenken, nach liiiiinks“, instruiert mich Walter Röhrl als aus dem Nichts auch noch ein Hindernis vor mir auftaucht. Doch ich stehe stattdessen auf der Bremse, das Fahrzeug macht eine unerwartete Drehung. Ich steuere wild gegen. Fast hätte ich die Pylonen weggekegelt. Das ABS-System schaltet sich ein. „Das Sicherheitssystem tut, was es soll“, bleibt Röhrl entspannt. „Wir probieren das gleich noch mal!“
Es geht weiter in eine rutschige Kurve. „Wenn wir hier zu schnell sind, geht es geradeaus“, mahnt mich mein Beifahrer, der viele Autorennen gewonnen hat. Auch, weil er sich sehr genau auf die Streckenverhältnisse vorbereitet hatte.
Sich vorbereiten auf die Straßenverhältnisse – gerade jetzt im Winter – und am Steuer konzentriert bleiben, das rät Röhrl allen Verkehrsteilnehmern. Denn die Ablenkungen werden mehr. Anrufe auf dem Handy, laute Musik, Freunde auf dem Rücksitz. Röhrl warnt: „Viele Leute träumen beim Autofahren und das ist sehr gefährlich.“
Mir rät der Weltmeister, mein neu erworbenes Wissen für den Ernstfall weiter auf der Teststrecke zu trainieren. „ Bis es in Fleisch und Blut übergeht!“ Denn nur dann ist es auch im Ernstfall abrufbar. Für den Ernstfall, der hoffentlich nie eintritt.
Zur Person:
Karriere: Von 1973 bis 1987 verfolgte der in Regensburg geborene Walter Röhrl seine Profikarriere im Rallye-Sport. Seinen ersten WM-Titel holte er 1980 mit Fiat. Als herausragenden persönlichen Triumph dieses Jahres wertete er seinen ersten Sieg bei der Rallye Monte Carlo. Diese gewann er weitere drei Mal auf jeweils anderen Automarken. 1982 wurde er mit Opel erneut Weltmeister. Als Testfahrer für Porsche war Röhrl an der Entwicklung des Supersportwagens Carrera GT beteiligt.
Anerkennung: Rennfahrer Niki Lauda nannte Röhrl „ein Genie auf Rädern“.
