Ohne sie wird es schwierig: Sana in Cham wirbt weiter um ausländische Pflegefachkräfte

Die Sana Kliniken des Landkreises Cham haben 2023 damit begonnen, Pflegekräfte aus Nordafrika oder auch Indien für den Einsatz oder auch für die Ausbildung anzuwerben. Doch funktioniert das? Wie jetzt zu hören war, sind drei der ausländischen Pflegekräfte bereits wieder abgereist – und zwar dem Vernehmen nach in hiesige Ballungsräume. Trotz alledem setzt Sana weiter auf diesen Weg: Es gebe keine Alternative.
Wobei schon die Anwerbung keine einfache Angelegenheit ist, wîe Sana-Sprecherin Constanze Kumpf erläutert. Wer als Pflegefachkraft aus dem Ausland in Deutschland arbeiten möchte, müsse verschiedene gesetzliche Vorschriften erfüllen. Für die Vorlage eines Berufsabschluss in der Pflege sei etwa die Feststellung der Gleichwertigkeit des ausländischen Berufsabschlusses notwendig. Es handele sich hierbei um das Anerkennungspraktikum.
Drei sind gegangen
Die Chamer Sana Kliniken böten den internationalen Pflegefachkräften die Möglichkeit an, diese Dinge zur Erlangung der Berufsbezeichnung Pflegefachkraft zu absolvieren. „Während der Anerkennung auf unseren verschiedenen Pflegestationen unterstützen sie unsere jeweiligen Pflegeteams zunächst unter Aufsicht in allen anfallenden pflegerischen Tätigkeiten bei der Versorgung unserer Patienten“, erklärt Kumpf.
Nach dieser Anleitung würden ihnen auch Tätigkeiten zur selbstständigen Ausführung übertragen. Dabei würden sie auch von pädagogisch ausgebildeten Pflegekräften auf den Stationen begleitet und gezielt auf ihre Abschlussprüfung vorbereitet.
„Im Jahr 2023 hatten wir zehn Anerkennungspraktikanten. Sieben von ihnen arbeiten nach wie vor bei uns“, so die Sprecherin. Ob Stadt oder Land – diese Frage stelle sich für das Unternehmen nicht. Vielmehr müsse man den Fokus aufs Umfeld legen. Es gebe hier eine gute Zusammenarbeit mit Pater Sijo Maliyekkal George aus Teublitz, „und wir sind davon überzeugt, dass dies ein optimaler Ansatz ist, der unser Angebot einer Integrationsbeauftragten wesentlich bereichern kann“, sagt Kumpf.
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Die Fragestellung nach der Sinnhaftigkeit, wenn ein Teil der angeworbenen Kräfte schnell wieder verloren gehe, dürfe sich nicht stellen, denn eines sei ganz klar, so Sana: „Ohne internationale Pflegefachkräfte würde wohl das Pflegesystem zusammenbrechen!“ Laut einer Studie gebe es in Deutschland etwa 133 000 offene Stellen in Gesundheits- und Sozialberufen. „Folglich werden immer mehr offene Stellen von internationale Pflegekräften und Ärzten besetzt.“ Oftmals werde dabei im Klinikalltag übersehen, dass die Einstellung eines solchen Mitarbeiters nicht nur mit vermehrtem Zeitaufwand und Kosten verbunden sei, sondern, dass es auch aufgrund sprachlicher oder kultureller Unterschiede zu Stolpersteinen im Klinikalltag und Privatleben kommen könne. „Um hier vorzubeugen, wurde bei Sana die Stelle der Inte-grationsbeauftragten geschaffen und besetzt.“ Anna-Lena Fischer sei die erste Ansprechpartnerin für die internationalen Pflegekräfte, die ihre Ausbildung nicht in der hiesigen Region abgeschlossen haben, aber den Berufseinstieg in Deutschland wagten.
Für eine erfolgreiche Integration brauche es mehr als einen funktionierenden Arbeitsplatz. Auch in privaten Belangen gebe Fischer oftmals Hilfestellung, etwa bei der Wohnungssuche, bei Behördengängen, dabei, einen Hausarzt zu finden, den Fahrweg zur Arbeit zu organisieren oder die Einkaufsmöglichkeiten vor Ort zu erkunden – „hier sehen wir besondere Verantwortung gegenüber den internationalen Pflegekräften.“ Ein guter Start ermögliche die besten Chancen, dass sich die neuen Mitarbeiter im Landkreis Cham langfristig wohl und zu Hause fühlten.
Nur eine hat hingeschmissen
Im Ausbildungsbereich, wo ebenfalls ausländische Kräfte starten, sei immer wieder ein vorzeitiges Ende künftiger Pflegekräfte zu beobachten. Eine neue Kraft am Landratsamt soll sich jetzt bemühen, dass nicht von jedem Jahrgang an den Pflegeschulen gleich in den ersten Wochen bis zu einem Drittel die Ausbildung aufgeben. Momentan sei das zumindest im aktuell gestarteten Ausbildungsgang noch nicht notwendig. Aus dem aktuellen Ausbildungskurs habe bisher nur eine Auszubildende die Ausbildung beendet, teilt Constanze Kumpf mit: „Derzeit absolvieren 31 Azubis die dreijährige Ausbildung und 27 weitere Azubis die einjährige Ausbildung.“
Dennoch sei es grundsätzlich bedauerlich, „für uns als Arbeitgeber, aber auch für die Gesellschaft“, wenn Azubis die Pflegeausbildung abbrechen würden. Ein wesentlicher Grund, der immer wieder genannt werde, sei die Diskrepanz zwischen den Erwartungen an den Pflegeberuf und der Realität. Der Pflegeberuf sei zweifelsohne herausfordernd und sensibel – da könne man gut nachvollziehen, dass die tatsächlichen Anforderungen und Belastungen oft intensiver wahrgenommen würden. „Unsere Lehrkräfte setzen alles daran, die Ausbildung auf einem hohen qualitativen Niveau zu halten und unsere Azubis bestmöglich auf die Realität des Berufslebens vorzubereiten“, betont Kumpf.
Sicher sei es nicht zu leugnen, dass das Gebäude der Pflegeschule in Roding in die Jahre gekommen sei und einer Modernisierung bedürfe, die auch im Zuge der Umsetzung des 4-Säulen-Konzepts am Standort Roding in Planung sei. „Dennoch möchten wir betonen, dass die Pflegeschule als solcher nur der Ort des Lernens ist.“ Der eigentliche Wirkungsort des Erlernten finde in den Krankenhäusern, bei den ambulanten Pflegediensten und in den Seniorenheimen statt.
