„Neustadt erzählt“: Ein neues Projekt porträtiert Menschen aus Neustadt a.d. Donau

Eine Stadt besteht nicht nur aus Bürgermeistern, Kirchen und Betrieben, sondern in erster Linie aus Menschen. Es sind die Menschen, die die Stadt und ihre Gesellschaft prägen. Ihnen widmet sich ein neues Projekt der Abteilung Kultur und Bildung in der Neustädter Stadtverwaltung. Hier entstehen Porträts von Menschen, die was zu erzählen haben.
Der Titel des neuen Projekts ist deshalb nicht zufällig entstanden. „Neustadt erzählt“ heißt die Porträtreihe, bei der Bürgerinnen und Bürger zu Wort kommen, „die viel erlebt haben“, wie Monika Weber erklärt, die in der Stadtverwaltung für Generationenarbeit zuständig ist. Zugleich ist der Titel des neuen Projekts auch das Programm. „Die Geschichten der Menschen sollen bewahrt werden“, sagt Monika Weber weiter.
Die Auswahl der Bürgerinnen und Bürger, die in dieser Serie zu Wort kommen ist vielfältig. Es sind vor allem ältere Menschen, die jedoch aus allen Schichten der Bevölkerung kommen. „Von der Bauersfrau bis zum Unternehmer“, sagt Eva Honold aus Kelheim. Sie ist gelernte Redakteurin und arbeitet heute als Autorin. Im Sommer hatte sich Eva Honold und Monika Weber im Rahmen der Familienkulturwoche kennengelernt, die Idee der Stimmensammlung entstand. Heraus kam der Wunsch, Menschen anzusprechen, ob sie ihre Geschichte erzählen und vor allem bewahren möchten. Zehn Personen fanden sich gleich auf der Liste.
Vertrauen ist wichtig
Seit einem halben Jahr ist die Autorin auf Zeitzeugensuche im Auftrag der Stadt in Neustadt a.d. Donau unterwegs, um den einfachen Leuten, aber auch prominenteren Personen ihre persönlichen Erlebnisse zu entlocken und diese Geschichten einzufangen. Inzwischen ist Eva Honold überzeugt: „So viele Geschichten schlummern in dieser Stadt, so viele Menschen sind hier, die etwas zu erzählen haben.“
Ihre Fotos und Geschichten sollen über die Website der Stadt unter dem Stichwort „Neustadt erzählt“ nach und nach Teil eines besonderen Stadtarchivs werden. Dabei, betont Eva Honold, sei es wichtig, dass es am Ende nicht nur einen Text und ein Foto gebe. „Es ist etwas anderes, wenn man die Menschen auch selbst hört. Das ist ein Unterschied“, sagt sie. Deshalb gibt es neben einem geschriebenen Text auch eine Hörspur.
Die Arbeit selbst, betont die gelernte Redakteurin, brauche Zeit. In der Regel sind es mehrere Termine, bis die Geschichten fertig sind. „Die Menschen müssen erstmal Vertrauen zu mir finden. Sie müssen sich sicher sein, dass ich sie nicht vorführe“, sagt sie. „Die Menschen lassen mich in ihr Leben.“ Wichtig, sagt Eva Honold weiter, sei ihr dabei, nicht nur eine Aneinanderreihung von Daten aus dem Leben der interviewten Menschen zu präsentieren. Es gehe auch darum, die Momente im Leben der Personen zu zeigen, in denen Weichenstellungen für deren weiteres Leben erfolgten. Zehn Personen fanden sich gleich auf der Liste. Ihre Fotos und Geschichten sollen über die Website der Stadt unter dem Stichwort „Neustadt erzählt“ nach und nach Teil eines besonderen Stadtarchivs werden.
Jeden Monat wird nun in der Stadtbücherei eine Person in einer Lesung präsentiert. Es werden Bilder gezeigt, und die Zeitzeugen plaudern mit Eva Honold vor Publikum. So erhoffen sich die Initiatoren des Projektes einen regen Austausch, neue Kontakte, eine besondere Erinnerungsarbeit, aus der ein Gemeinschaftsgefühl der Stadtbewohner entstehen könnte.
„Einen Schatz bekommen“
Nachhören können Interessierte die Neustädter Stimmen im kommenden Jahr, wenn der Podcast dazu online geht. Geplant waren eigentlich nur eine Lesung und Präsentation der Bürger. Dass es nun auch einen Podcast dazu geben soll, erklärt Honold so: „Wir haben schnell gemerkt, was wir da für einen Schatz bekommen mit diesen authentischen Stimmen, diesen Originalen, die uns in ihrer Sprachmelodie, in ihren Worten von früher erzählen.“ Auch das sollte bewahrt werden, schlug Honold vor.
Für die Stadt ist das Projekt ein Gewinn. Es geht auch bei den Geschichten von „einfachen Leuten“ um Geschichte, vor allem um Heimatgeschichte. Die Interviews mit den Bürgern und Bürgerinnen ergänzen die Arbeit der Stadtarchivare und Heimatforscher.
Los geht es mit Maria Bazin, 99 Jahre alt und ein Neustädter Urgestein. Sie macht den Auftakt am Mittwoch, 27. November. Ab 18.30 Uhr plaudert sie in der Stadtbibliothek aus ihrem Leben. Der Eintritt ist frei. Jeder Zuhörer ist willkommen.
Der zweite Interviewte wird am Mittwoch, 18. Dezember, um 18.30 Uhr vorgestellt. Monatlich wird dann 2025 eine weitere Person präsentiert. Wer das ist, wird immer kurz vorher verraten.
