Regensburg: VW-Bus krachte in die Steinerne Brücke – Verfahren bringt neue Details ans Licht

Von Philip Hell · 12. November 2024 um 19:00

Es war ein Bild, das sich vielen Regensburgern ins Gedächtnis gebrannt hat: Ende März 2023 krachte ein VW-Bus mitten in der Nacht durch die Brüstung der Steinernen Brücke. Wie durch ein Wunder überlebte der Fahrer. Nun muss er sich einem Verfahren vor dem Landgericht stellen. Die Staatsanwaltschaft möchte den Mann dauerhaft in einer Psychiatrie unterbringen lassen.

Die Antragsschrift offenbart dabei weitere Details: Nur wenige Tage vor dem spektakulären Unfall auf der Steinernen soll der Mann aus dem südlichen Landkreis an eine Tür in Barbing geklopft und dem Bewohner mit dem Tod gedroht haben. Keine zwei Stunden später soll er mit über einem Promille Alkohol im Blut durch Wiesent gefahren sein.

Nach Unfall auf der Steinernen Brücke: Fahrer haute einfach ab

Am 28. März soll der Vorfall auf der Steinernen Brücke gefolgt sein. Laut Antragsschrift leidet der Mann seit vielen Jahren unter einer paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie. Infolge der Krankheit habe er die Verkehrszeichen nicht registriert und sei unerlaubterweise auf die Brücke gefahren. Der Antragsschrift zufolge habe er den Unfall zwar bemerkt, habe sich aber aus dem Staub gemacht. Später wurde ihm laut Antragsschrift der Führerschein entzogen. Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, rund sechs Wochen später mit dem Auto durch Neutraubling zu fahren.

Der 68-Jährige fiel in den darauf folgenden Monaten kaum mehr auf – bis zum vergangenen Januar. Innerhalb weniger Stunden soll er Feuermelder angezündet und Steine auf Bauarbeiter geworfen haben.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann aufgrund seiner Erkrankung nicht schuldfähig ist. Daher soll er dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden.

Mit Bus die Steinerne Brücke durchbrochen: Mann gesteht alle Vorwürfe

Am ersten Prozesstag räumte der 68-Jährige die Vorwürfe weitestgehend ein – wenngleich er sich kaum erinnern könne. Im März vergangenen Jahres habe er über Tage einen Filmriss gehabt. Er kam erst zu sich, als er durch das Geländer der Steinernen krachte. Zehn Minuten sei er still dagessenen, erinnerte er sich. „Ich dachte nur: Wenn ich nach vorne gehe, falle ich runter.“ Er habe sich nicht einmal getraut, das Radio auszuschalten, damit der VW-Bus ja nicht nach vorne kippt. Irgendwann sei er „einfach los“. Über die Steinerne ging er stadteinwärts, bog in die Goldene-Bären-Straße ein – doch am Fischmarkt wartete bereits die Polizei.

Er leide seit 35 Jahren an einer paranoiden Schizophrenie, berichtete der Mann. Er habe immer mal wieder akute Probleme gehabt, aber auch sehr schöne Phasen erlebt. Als sich seine Frau vor einigen Jahren scheiden ließ, sei alles schlimmer geworden.

Zurzeit befinde er sich im Bezirkskrankenhaus, er sei gut eingestellt. Es gehe ihm heute „sehr gut“, sagte er. Es steht im Raum, dass er in seine Wohnung zurückkehrt und dort ambulant betreut wird. Dagegen fordert die Staatsanwaltschaft eine dauerhafte Unterbringung. Wie es mit dem Mann weitergeht, wird sich kurz vor Weihnachten entscheiden, dann fällt das Gericht eine Entscheidung.