Auto rast in Steinerne Brücke: Hat Fahrer seine Medikamente nicht genommen?

Von Philip Hell · 29. März 2023 um 08:19

Ein Bauzaun, rot-weißes Polizei-Flatterband und ein Absperrgitter sind stumme Zeugen dessen, was in der Nacht auf Dienstag auf der Steinernen Brücke passiert ist:Sie sichern die Stelle ab, an der ein 66-Jähriger einen schweren Unfall hatte.

Der Mann aus dem Landkreis Regensburg fuhr gegen 1.20 Uhr mit seinem VW-Bus über die Lieblstraße auf die Steinerne Brücke und raste laut Polizei ungebremst auf das Geländer zu. Der Kleinbus durchbrach es. Dabei stürzten Steinbrocken auf die Jahninsel herab. Die Fahrerkabine und die Vorderachse ragten über die Brüstung. Der Fahrer konnte sich aber noch selbst aus dem Auto befreien. Danach floh er Richtung Altstadt. Eine Zeugin beobachtete ihn dabei und rief die Polizei. Kurze Zeit später und nur wenige hundert Meter vom Unfallort entfernt, nahmen die Beamten den Mann fest.

Unfall auf der Steinernen Brücke: Fahrer von VW-Bus „wirkte abwesend“

Ein Sprecher der zuständigen Polizeiinspektion Nord sagte zur MZ, der Mann habe wohl einen Aussetzer gehabt. Er habe „total abwesend“ gewirkt. Derzeit gehen die Beamten davon aus, dass der Mann bestimmte Medikamente nicht eingenommen habe, weshalb er in einer Art Ausnahmezustand gewesen sei. Ihm wurde Blut abgenommen – das Gutachten soll in rund zwei Wochen vorliegen.

Lesen Sie hier die Erstmeldung:Mann (66) fährt mit VW-Bus auf Steinerne Brücke, durchbricht Geländer und flüchtet

Der Mann wurde vorübergehend festgenommen – inzwischen befindet er sich laut PI Nord im Bezirkskrankenhaus. Sein Führerschein wurde sichergestellt. Bei dem Unfall wurde der 66-Jährige laut Polizei leicht verletzt. Der Mann sei bislang nicht polizeibekannt gewesen. Ein Abschleppunternehmen brachte den VW-Bulli zur Dienststelle der PI Nord. „Er steht in unserem Hinterhof“, sagte ein Polizeisprecher.

Wie geht es nun weiter? Laut Auskunft der städtischen Pressestelle ist die Statik der Brücke nicht betroffen. Der Bereich der Jahninsel, in dem die Brücken-Brocken abgestürzt sind, wurde am Nachmittag abgesichert. Die Geländer-Teile wiegen der Stadt zufolge jeweils rund eine Tonne. Sie sollen im Laufe der Woche geborgen werden.

Darüber hinaus sei bereits eine Fachfirma vor Ort gewesen, um die Schäden am Bauwerk einzuschätzen. Wie lange es dauert, die Brücke wieder instand zu setzen, sei noch nicht abzusehen. Es sei davon auszugehen, das die Brücke für bevorstehende Arbeiten gesperrt werden muss. „Bei der Sanierung wird natürlich versucht, den gleichen Stein in möglichst gleicher Farbgebung zu finden zu und verwenden.“

Schnell wurden gestern Stimmen laut, die einen Poller vor der Steinernen Brücke einforderten. Entsprechende Pläne gebe es jedoch nicht, teilt die Stadt mit. Als Grund führt sie an, dass die Steinerne Brücke seit 2008 komplett für den Verkehr gesperrt ist. Schon seit 1997 ist das Bauwerk für private Fahrzeuge tabu. Rund elf Jahre später ordnete der damalige Oberbürgermeister Hans Schaidinger an, die Brücke auch für Taxis und Busse zu sperren.

Vorfall auf der „Steinernen“ beschäftigt Regensburg

Der Unfall hat also Seltenheitswert – und sorgte für Wirbel in der Stadt. Immer wieder blieben gestern Passanten stehen, um die Schäden zu beäugen. Viele zückten ihr Handy. Fremde kamen miteinander ins Gespräch. „Der muss ein Tempo drauf gehabt haben. Volles Karacho“, sagt eine ältere Frau.

Auch Bürgermeisterin Astrid Freudenstein eilte am Morgen zur Unfallstelle. Gegen 7 Uhr postete sie ein Bild von der Absperrung.

Gegen 9 Uhr wissen in Stadtamhof schon fast alle Bescheid: Ein älterer Herr fährt mit dem Rad durch die Brückstraße. Er sieht einen Bekannten, bremst ab und grüßt ihn. „Hosdas scho gherd?“ Der Bekannte: „Na, wos?“ Der Radfahrer: „Das’d Stoanane Bruck zamgfohn ham!“ Ganz so dramatisch ist es dann doch nicht.

Drei große Brocken stürzten auf die Jahninsel.
Durchbruch: Die Schäden sind von der Jahninsel aus zu sehen
Blick auf den Dom: Die Baustelle zog die Aufmerksamkeit vieler Passanten auf sich.
Die Unfallstelle ist gesichert.