Martin Pielmeier und Stefan Zeller fuhren 2745 Kilometer mit dem Rennrad quer über die Alpen

Von Mittelbayerische Zeitung · 9. November 2024 um 19:00

Der Rimbacher Martin Pielmeier absolvierte gemeinsam mit Stefan Zeller aus Furth im Wald eine bemerkenswerte Radtour. 2745 Kilometer spulten die beiden Radsportler herunter.

Martin Pielmeier nahm die Fußballer des SV Rimbach bei seinem Bildervortrag im Sportheim mit auf sein Radsport-Abenteuer. Er war Hauptorganisator der Tour Transalp Ost-West (TOW) und erzählte die faszinierende Geschichte einer epischen Tour von Wien bis zur ligurischen Riviera – eine Strecke quer durch die Alpen, die in Sanremo endet.

Was diese Reise so einzigartig macht, ist ihre Länge und der bewusste Entschluss, die Alpen der gesamten Breite nach zu überqueren, um die Landschaft und die sportliche Herausforderung in ihrer ganzen Intensität zu erleben.

Pielmeier und sein Freund Stefan Zeller, Grünen-Stadtrat Wirt des „Big Mouth“ in Furth im Wald, haben sich 21 Tage Zeit genommen, für die über 2745 Kilometer lange Strecke. Dabei mussten sie beachtliche 61.655 Höhenmeter überwinden.

Idee entstand schon 2017

Die Idee für das Projekt TOW (Transalp Ost-West) entstand bereits 2017 – ein Gedanke, der Pielmeier und Zeller seither nicht mehr losließ. Nach zahlreichen Touren von Nord nach Süd sollte es nun ein Quergang von Ost nach West durch die Alpen sein. Die Umsetzung war für 2020 geplant, doch die Coronapandemie kam dazwischen. Beim Rad-Urlaub in den Belluneser Dolomiten wurde entschieden, das Abenteuer 2024 in die Tat umzusetzen.

Mit anschaulichen Erzählungen und beeindruckenden Bildern zeigte Pielmeier, wie viel Leidenschaft und vor allem Ausdauer in diesem ambitionierten Projekt stecken. Die Tour, die quer durch vier Länder und über zahlreiche Gebirgspässe führte, verlangte akribische Vorbereitung. Schon der erste Blick auf die Karte des Alpen-Hauptkamms verdeutlichte das Ausmaß dieser Herausforderung. Ziel bei der Planung war, nicht nur die bekannten Routen zu nehmen, sondern auch verborgene Pässe und abgelegene Regionen zu entdecken. Die Tour startete im Wiener Prater und endete an der italienischen Riviera in San Remo. Insgesamt waren 21 Tagesetappen geplant, ergänzt durch zwei Ruhetage und einen Badetag am Meer. Es ging durch vier Länder – Österreich, Italien, Schweiz und Frankreich – und über 74 Gebirgspässe: eine sportliche und logistische Meisterleistung. Zu einer besonderen Tour gehört auch ein besonderes Outfit. Inspiriert von der Route, entstand die Idee für ein Team-Trikot. Der Entwurf zeigt auf der Vorderseite den Wiener Prater als Startpunkt und eine Straße, die sich in die Alpen windet. Auf die Rückseite kam die Promenade von San Remo. Nach zahlreichen Stunden Arbeit am Design entstand ein Entwurf, der von einem spezialisierten Trikothersteller umgesetzt wurde. Das Team erhielt so ein einzigartiges Erinnerungsstück an dieses Abenteuer.

Diese Alpenüberquerung war nicht nur eine außergewöhnliche sportliche Herausforderung für den Einzelnen, sondern auch eine Teamleistung. Hinter den vielen anstrengenden Kilometern auf dem Rad stand eine Gruppe von Freunden und Sportlern.

Der harte Kern

• Martin: Der Initiator und Organisator der Tour ist nicht nur leidenschaftlicher Langläufer und Snookerspieler, sondern auch „Radl-Junkie“ mit einem Hang zu extremen Herausforderungen. Er hatte nicht nur die Streckenplanung im Griff.

• Stefan: Als „Capitaine de Route“ sorgte er die mentale Stärke im Team und hielt auch bei schwierigsten Bedingungen durch. Er ist ein Radsport-Veteran der alten Schule, der dem Team Sicherheit gab.

Die Etappenjäger

Etappenjäger waren Freunde und Bekannte, die sich auf Teilstrecken angeschlossen haben.

• Peter: Der Wahlbayer aus Hessen ist das verlässlichste Hinterrad, das man sich vorstellen kann. Mit seinem beeindruckenden BMI und stabiler Fahrweise sorgte er für konstante Leistung und war sicherer Teamkollege auf den anspruchsvollen Etappen.

• Matthias: Der Triathlet war durch sein intensives Training im Bregenzer Wald perfekt vorbereitet und beeindruckte durch eine außergewöhnliche Radleistung.

• Steffen: Das Kraftpaket aus Nördlingen brachte nicht nur physische Stärke, sondern auch schwäbischen Humor ins Team. Seine gesellige Art und sein hoher Leistungsoutput machten ihn zu einer wichtigen Stütze.

• Andi: Der „Ruhepuls aus der Skimarathonszene“ ist extrem teamorientiert. Er liebt Herausforderungen und ist für seine Ausdauer und Ausgeglichenheit bekannt.

• Armin: Der MTB-Experte und technische Meister am Fahrrad ist nicht nur ein Schrauber-Talent, sondern trainiert akribisch.

Das Begleitteam

Das Begleitteam sorgte dafür, dass alle sicher und gut versorgt die Etappen meisterten.

• Wolfgang: Er ist Triathlet, MTB-Guide und Langläufer. Er fuhr zuerst den Begleitbus, schwang sich dann selbst aufs Rad und zeigte, dass Alter kein Hindernis für Leistung ist.

• Dani: Er löste nach ein paar Tagen Wolfgang als Begleit-Busfahrer und Unterstützer ab, Martins älterer Bruder, hat in seiner jetzigen Heimat die Liebe zum Langdistanzschwimmen im Bodensee entdeckt. Auch er scheute sich nicht, selbst mal aufs Rad zu steigen.

Die mentale Stärke und das Wohlbefinden des Teams wurden durch sportbegeisterte Freunde verstärkt.

• Berni: Ein Fahrrad-Allrounder, der alles fährt – von Lastenrad bis Fatbike – und ein großes technischen Know-how hat.

• Max: Triathlet und Leistungsdiagnostiker, dessen Humor die gute Laune im Team aufrechterhielt.

• Joe: Mit knapp zwei Metern Körpergröße der beste Windschattenspender und außerdem ambitionierter Marathonläufer.

• Bibi: Die passionierte Köchin und Bäckerin sorgte für das leibliche Wohl und die gute Stimmung im Team.

Und am Ende: Die Fahrer blickten zurück auf eine unvergessliche Zeit mit anspruchsvollen Etappen, atemberaubenden Landschaften und glücklicherweise trockenem Wetter. Es gab nur kleinere Defekte und keinerlei Stürze – besser hätte es kaum laufen können.

Interview mit Martin Pielmeier

Ursprünglich 2020 geplant, wurde die Tour wegen der Pandemie verschoben. Heuer war es soweit.

Wie viele Fahrrad-Kilometer hast du heuer schon auf dem Tacho?

Aktuell stehe ich bei 17.500 km, verteilt auf Rennrad, Crossrad, MTB und freie Rolle.

Du fährst fast täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit, von Rimbach nach Cham-West?

Das stimmt. Ich bin heuer bei 154 von 180 Arbeitstagen bis dato. Bei der Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ habe ich auch schon mitgemacht, aber die ging ja nur im Sommer. Ich fahre eigentlich das ganze Jahr über zur Arbeit, außer es ist wirklich ganz schlechtes Wetter oder es geht sich zeitlich nicht aus.

Was waren die größten körperlichen und mentalen Herausforderungen während der Tour, und wie hast du diese bewältigt?

Körperlich war ich top vorbereitet auf diese Tour, so dass ich eigentlich keinen richtig schlechten Tag hatte. An meine Grenzen bin ich allerdings auf der „Königsetappe“ gestoßen. Gleich am ersten Pass, dem Col du Glandon fing es an, zu regnen und ging an der Passhöhe in Schneefall über. Der Wetterprognose zu Folge waren wir zwar auf kühle Temperaturen eingestellt, nicht aber auf Niederschlag. Mit durchnässter Kleidung war die Abfahrt bei Temperaturen um den Gefrierpunkt schon grenzwertig. Zähneklappern vor Kälte, das hatte ich bis jetzt erst zweimal während meines Radsportler-Daseins. Mental hatte ich keine Probleme, der Kopf muss für ein solches Abenteuer zu 100 Prozent bereit sein. Damit habe ich keine Probleme.

War der Gedanke da aufzuhören, abzubrechen?

DNF ist ein Sportbegriff und bedeutet, did not finish, also nicht ins Ziel gekommen. Der existiert eigentlich nicht in der DNA von Stefan und mir, also hier ein klares Nein.

Gab es bestimmte Streckenabschnitte oder Momente, die für Dich besonders bedeutsam waren? Und warum?

Da gab es einige. Die Großglockneretappe bei Traumwetter, die Etappen in der Bilderbuch-Schweiz in Graubünden und im Walis und auf alle Fälle die beiden Etappen im Piemont im letzten Drittel der Tour. Der sicherlich bewegendste Moment war natürlich, als wir sturzfrei nach 21 Etappen mit größtenteils gutem Wetter an der italienischen Riviera angekommen sind. Da fiel mir schon ein Stein vom Herzen, weil man sich ja auch in gewisser Weise für das gesamte Team verantwortlich fühlt.

Welche persönlichen oder sportlichen Erkenntnisse hast Du aus dieser anspruchsvollen Tour mitgenommen?

Im Endeffekt haben wir, im Nachhinein gesehen, alles richtig gemacht. Es hat sich jedenfalls ausgezahlt, die ganze Sache gut vorzubereiten. Und auch die Platzierung der Puffertage war eigentlich ideal. Sportlich gesehen hatten wir natürlich auch Glück mit dem Wetter. Im Endeffekt hatten wir nur zwei richtige Regentage und Glück mit dem Wind. Da hätten wir es wesentlich schlimmer erwischen können, was das Vorhaben erheblich schwieriger gestaltet hätte.

Welche Rolle hat die Teamdynamik gespielt? Gab es besondere Momente der Zusammenarbeit oder Unterstützung?

Für uns war es schon hilfreich, immer wieder Unterstützung von Freunden zu haben, die uns etappenweise begleitet haben. Nicht nur hinsichtlich des Radfahrens tagsüber, sondern auch wertvoll für eine gute Stimmung beim Frühstück und Abendessen. Ganz wichtig waren unsere beiden Busfahrer, die uns viele andere Dinge noch abgenommen haben, was es für uns wesentlich entspannter machte.

Hat diese Erfahrung Eure Sichtweise auf den Radsport oder auf persönliche Ziele im Alltag verändert?

Bezogen auf den Radsport ist es natürlich bemerkenswert, die Leistungen der Profis bei einer dreiwöchigen Landesrundfahrt zu sehen – im Vergleich zu uns. Die finden natürlich auch ganz andere Voraussetzungen vor. Was uns beide gefreut hat, war viel positives Feedback von Leuten, die uns über die sozialen Medien verfolgt haben. Auch im Nachhinein war reges Interesse da.

Welche Abenteuer oder Herausforderungen planst du nach dieser intensiven Alpenüberquerung als Nächstes?

Da die Vor- und Nachbereitungen für diese Projekt schon sehr viel Freizeit geschluckt haben, wird es so schnell keine Tour in dieser Größenordnung für mich geben, zumindest nicht als Organisator. Aber klar, haben wir schon wieder Pläne. Eine Pyrenäendurchquerung ist noch ausstehend. Persönlich möchte ich, die Tour de Stations finishen. Ein Radmarathon mit 8848 Höhenmetern an einem Tag, den ich 2021 wegen eines Fahrfehlers und wetterbedingten Rennabbruchs kurz vor dem Ziel beenden musste.

Gesamtstrecke: 2745 Kilometer

Gesamtfahrzeit: 129h 42 min; Gesamthöhenmeter 51.655; Gesamtschnitt: 21,16 km/h

Anzahl der Pässe: 74; Längste Etappe: 158,8 Km (Tiefencastel-Cannobio) – auch längste Fahrzeit (7h 26 min) ; Höchstgeschwindigkeit: 76,57 (Abfahrt Iselsberg); Längster Anstieg: 46,1 km (San Bernadino Pass); Höhenmeter am Stück: 1734 (Großglockner Edelweißspitze); Höchster Kalorienverbrauch: 5293 Kcal; Niedrigste Temperatur: 1,6 (Col du Glandon – Schneefall), Höchste Temperatur: 35,1 (Dintner Sattel – Spätsommer)

Einer der 73 Pässe, die auf der Transalp-Tour von Ost nach West bewältigt wurden. Fotos: Martin Pielmeier
Die beiden Dauerbrenner und ihre Etappenjäger
Für die Tour gab es ein eigens angefertigtes Trikot.
Stefan Zeller und Martin Pielmeier (r.) am Wiener Prater. Dort begann die Tour. Foto: Pielmeier