Mit 91 Jahren bringt ein Bad Kötztinger endlich seine 60 Jahre alte Idee auf den Markt

Von Stefan Weber · 7. November 2024 um 05:00

Sein erster Schultag, das war der Tag des Beginns des Zweiten Weltkrieges, der 1. September 1939. Ein Datum, das das Leben von vielen Millionen Menschen verändert hat, auch das von Dieter Donath. Der ist heute 91 Jahre alt, hat nicht nur den Krieg miterlebt, sondern auch, wie das Familien-Unternehmen, das seinen Namen trug, verkauft wurde. Nun ist er wieder Unternehmer.

Sein Großvater hatte Fruchtsäfte hergestellt. Dieter Donath selbst war die längste Zeit seines Berufslebens als Informatiker tätig. Im Ruhestand haben er und seine Frau Marianne, die in Nürnberg ein Reformhaus betrieben hat, eine neue Heimat in Bad Kötzting gefunden. „Ich kann aber nicht ganz ohne Beschäftigung sein“, sagt Dieter Donath, und so hat er in seiner Wohnung eine Idee umgesetzt, die er bereits vor rund 60 Jahren hatte.

Arbeitete selbst in Kelterei

Damals arbeitete er selbst noch im Betrieb des Vaters mit, heißt: Saft keltern, Technik verbessern, neue Produkte entwickeln. Nicht ohne Stolz präsentiert er eine 250-Milliliter-Flasche, die nichts weniger als einen jahrzehntelangen Traum enthält. „Im Wesentlichen ist das gesprosster Weizen“, sagt er. Zwei bis drei Zentimeter hoch wachsen die Keime, bis der Prozess unterbrochen und alles zerkleinert und gepresst wird. Im Vakuum wird der Saft eingedickt, durch milchsaure Vergärung haltbar und durch den Zusatz von Weinsirup, Algarven-Dicksaft und Portwein haltbar gemacht.

Sprossen-Müsli, das habe es schon in den 1960er-Jahren gegeben. Allerdings sei die Herstellung zu Hause eher umständlich. Was also läge für eine Saft-Kelterei näher, als die positiven Eigenschaften als Nahrungs-Ergänzungsmittel in flüssige Form zu bringen? Eine Frage, die sich Dieter Donath schon vor 60 Jahren gestellt hat, deren Antwort der Verkauf der Firma aber verhinderte.

Keine Nahrungs-Ergänzung

Wobei er selbst den Betriff „Nahrungs-Ergänzungsmittel“ gar nicht gerne hört. „Es ist schon mehr ein Nahrungsmittel“, sagt er. Für 14,95 Euro pro Flasche bietet er seit wenigen Tagen – und mit sechs Jahrzehnten Verzögerung – nun unter dem Namen Ceracym ein Produkt an, von dessen positiver Wirkung auf den Vitamin-, Enzym- und Mineralstoff-Haushalt der Konsumenten er überzeugt ist – und nicht nur er, sondern auch seine Frau Marianne. Nur zwei bis drei Esslöffel am Tag, so steht es auf dem Fläschchen, sollten reichen, um sich noch gesünder ernähren zu können. Gesunde Ernährung habe im Hause Donath immer dazugehört, sagen beide.

Für die Produktion der rund 100 Flaschen, die Dieter Donath bislang im heimischen „Labor“ hergestellt hat, habe es gar nicht viel gebraucht: ein Klimaschrank, um die Keimlinge zu ziehen, eine Presse, die Zutaten – Flaschen und Verpackung kommen aus dem Internet, für Design und Website wurden regionale Partner gefunden.

Nun gelte es erst einmal, das Produkt bekannt zu machen, sagt Dieter Donath. Mit 91 Jahren sei es ihm nun aber vor allem wichtig, schnell jemanden zu finden, der seine lange gehegte Idee in größerem Maßstab produzieren könne, als das in seiner Wohnung der Fall sei.

Selbstverständlich wolle er auch Geld mit Ceracym verdienen, sagt er. Noch wichtiger wäre ihm aber, dass der Gedanken dahinter nach so vielen Jahren, in denen er auf die Umsetzung warten musste, auch andere Menschen erreicht, nicht nur ihn und seine Frau, die schon heute auf die tägliche Keimkraft setzen.

Die Firma Donath

Bestehen: 1893 gründete Emil Donath, der Großvater von Dieter Donath, in Dresden die erste Saftkelterei Deutschlands – und das mit alkoholfreien Fruchtsäften, was zur damaligen Zeit ohne chemische Zusätze eine Neuheit war. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg war die Marke etwa für ihren Apfelsaft sehr bekannt, erinnert sich Dieter Donath.

Entwicklung: Zum Kriegsende war Dieter Donath zwölf Jahre alt, und 1950 zog das Unternehmen – wie viele andere – aus der sowjetisch besetzten Zone in den Westen Deutschlands, und zwar nach München. Nach dem Abitur 1951 in Dresden zog sein Sohn nach.

Wiederbegründung: Die Kelterei wurde in der Bayerischen Landeshauptstadt neu begründet, und auch Dieter Donath arbeitete im Unternehmen mit, bis sie Anfang der 1970er-Jahre verkauft wurde und die Familie aus der Firma ausschied.

Grundidee: Doch schon damals hatte Dieter Donath die Idee für den Vollkorn-Vitalstoffkomplex aus keimendem Getreide, die er nun, im Alter von 91 Jahren, umgesetzt hat. Den Namen Donath gibt es aber immer noch, bekannt vor allem für den Vollfrucht-Sanddorn, der heute noch hergestellt und verkauft wird.

Donath steht noch heute etwa auf Flaschen, in denen Sanddorn abgefüllt ist, auch wenn es kein Familienunternehmen mehr ist.
Ceracym hat Dieter Donath sein eigenes Produkt genannt.