Nachwuchs für die Bundeswehr in schwierigen Zeiten: „Sie übernehmen Verantwortung!“

Ob Krieg in Europa, die Wiederwahl Trumps oder das Ende der Ampel – die Zeiten sind unruhig. Darauf wies am Donnerstag auch der Kommandeur des Versorgungsbataillons 4, Oberstleutnant Dr. Tobias Gößlbauer, beim feierlichen Gelöbnis am Esper in Roding hin. 59 junge Soldatinnen und Soldaten gelobten ihre Treue und versprachen, die Werte der Bundesrepublik Deutschland zu verteidigen.
Es seien bewegte und außenpolitisch unsichere Zeiten, in denen das Gelöbnis stattfinde, so der Kommandeur. Er erinnerte bei seiner Rede an die Gründung der Bundeswehr 1955, die für die junge Republik durch die unheilvolle Rolle des deutschen Militarismus eine schwere Belastungsprobe, doch vor dem Hintergrund des Kalten Krieg alternativlos gewesen sei.
Die Bedrohung sei heute zurück, wieder allgegenwärtig – nicht nur für die Ukraine, sondern auch für Deutschland und Europa. Das spüre man in Deutschland wirtschaftlich und in den politischen Diskussionen. Auch militärisch sie das spürbar, etwa durch die Aufstellung der Litauenbrigade. Dort werde das NATO-Bündnis verteidigt, wenn nötig. Sicherheit sei nie zum Nulltarif zu haben, vor allem finanziell, so Gößlbauer: „Wir stehen hier an einem entscheidenden Punkt, und die Zeit spielt gegen uns.“
Russland rüste massiv auf und sei bereit, seine Kräfte zu nutzen, wie man in der Ukraine sehe. „Auf russischer Seite wurden 200 000 Soldaten getötet – dies entspricht mehr als die Zahl aktiver Soldaten, die die Bundeswehr überhaupt umfasst.“
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Der 9. November sei der Schicksalstag der Deutschen – kein anderer Monat stehe in der deutschen Geschichte so sehr für Freiheit und Abgrund gleichermaßen, so der Kommandeur. So sei am 9. November 1918 die erste Republik ausgerufen worden, habe Hitler 1923 versucht zu putschen, habe 1938 die so genannte „Reichpogromnacht“ mit ihren Gräueln stattgefunden. Und auch der „gestrige Tag“, so Gößlbauer mit Anspielung auf die USA-Wahl und das Ampelende, habe zum November gepasst. Doch auch am 9. November im Jahr 1989 sei die Mauer geöffnet worden – das stehe symbolisch für den Mut der Menschen, die für Freiheit und Einheit gekämpft hätten.
„Sie leisten Dienst für unser Land. Sie sind bereit, es im äußersten Fall auch an der NATO-Ostflanke mit ihrem Leben zu verteidigen“, richtete er seine Worte direkt an die Rekrutinnen und Rekruten. Dafür würden sie an diesem Tag ihr Treueversprechen abgeben. Die Bundeswehr sei eine Parlamentsarmee und damit ein wesentliches Instrument unserer wehrhaften Demokratie. „Sie haben sich für eine fordernde Aufgabe entscheiden, eine besondere Berufung, vor allem in der heutigen Zeit“, so der Kommandeur: „Sie übernehmen sichtbar Verantwortung und treten für Freiheit, Recht, Menschlichkeit und Frieden ein!“ Er wünsche ihnen eine beruflich erfolgreiche Zeit in der Bundeswehr – „viel Soldatenglück und Gottes Segen“.
Bürgermeisterin Alexandra Riedl, die vorher mit dem Kommandeur die Reihen abgeschritten hatte, hob die Bedeutung der Bundeswehr für die Stadt Roding hervor. Die Menschen hier hätten viel Wertschätzung für die Soldaten. Friedenssicherung sei heute wichtiger denn je. Man müsse hoffen und beten, dass die schrecklichen Kriege in Nahost und der Ukraine bald beendet würden. Und sie lobte die Rekrutinnen und Rekruten für ihr Eintreten: „Wir alle sind sehr stolz auf Sie!“
Begleitet wurde der feierliche Akt des Gelöbnisses musikalisch vom Heeresmusikkorps aus Veitshöchheim.
Diensteid und feierliches Gelöbnis
Verbundenheit: Mit der Vereidigung beziehungsweise dem Gelöbnis drücken die Soldatinnen und Soldaten ihre besondere Verbundenheit zur Bundesrepublik Deutschland und deren Werten und Normen aus.
Diensteid: Der Diensteid unterscheidet sich nach Status der Soldatinnen und Soldaten. Berufssoldaten und Soldaten leisten einen Diensteid mit Schwur, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.
Gelöbnis: Soldatinnen und Soldaten, die freiwilligen Wehrdienst leisten, geloben, Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit tapfer zu verteidigen. Der Diensteid und das Feierliche Gelöbnis betonen den Verteidigungsauftrag. Die Bindung an „Recht und Freiheit des deutschen Volkes“ steht dabei im Mittelpunkt.
