Eid auf Freiheit in bewegten Zeiten: Gelöbnis von 84 Rekruten des Rodinger Versorgungsbataillons

Feierliches Gelöbnis: 84 Rekruten des Versorgungsbataillons 4 der Bundeswehr leisteten am Mittwochnachmittag auf dem Sportplatz in Zandt ihren feierlichen Eid auf die Bundesrepublik Deutschland.
Vor zahlreichen Zuschauern lobten die Redner, unter anderem der Kommandeur des Versorgungsbataillons 4 in Roding, Obstleutnant Dr. Tobias Gößlbauer, die Rekruten, die sich in fordernden Zeiten (unter anderem durch Russlands Krieg gegen die Ukraine) verpflichtet haben, ihrem Land zu dienen und es zu verteidigen.
Gößlbauer freute sich, dass das Gelöbnis einmal mehr in der Öffentlichkeit stattfinden könne und über den guten Besuch. „Wir wollen in der Mitte der Gesellschaft sein“, betonte er und dankte in diesem Zusammenhang der Gemeinde Zandt mit Bürgermeister Hans Laumer dafür, dass sie dies wieder ermöglicht hätten. Es sei keine Selbstverständlichkeit, mit welch großem Engagement die Partnergemeinde die Vorbereitung und Durchführung des Gelöbnisses unterstütze.
„Staatsbürger in Uniform“
Die 84 Rekruten gingen einen entscheidenden Schritt mit der Aufnahme in die Bundeswehr, die 1955 gegründet wurde. Gößlbauer blickte zurück in die Anfangsjahre, als die Aufstellung von Streitkräften zur ersten schweren politischen Belastungsprobe der damaligen jungen deutschen Republik führte. Doch habe auch die Wiederbewaffnung Deutschlands dazu geführt, dass es nicht zu einer verheerenden Konfrontation zwischen der Sowjetunion und den westlichen Staaten gekommen sei, ist sich der Kommandeur sicher.
Wie wichtig es sei, dass auch heute die Bundesrepublik zu ihrer und der Verteidigung ihrer Bündnispartner beitragen kann, habe nach Jahrzehnten des Friedens der Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 sehr deutlich gezeigt. Nie wieder aber dürfe die Armee wieder „Staat im Staate“ sein, mahnte Gößlbauer, handlungsleitend dafür stehe das Leitbild des „Staatsbürgers in Uniform.“
Erkenntnisse aus Litauen
Die Rekruten träten in bewegten und außenpolitisch unsicheren Zeiten in die Bundeswehr ein, so der Kommandeur. Ein Ende des Kriegs in der Ukraine sei trotz aller Bemühungen auch nach zwei Jahren nicht absehbar. Gößlbauer kam vor eineinhalb Wochen von einer Großübung der Bundeswehr in Litauen zurück. Die Erwartungshaltung der baltischen Staaten mit ihrer geografischen Nähe zu Russland an die NATO und damit auch an Deutschland sei immens groß. Umso höher sei es einzuschätzen, dass die Rekruten bereit seien, ihrem Land zu dienen und es im äußersten Fall auch an der NATO-Ostflanke mit ihrem Leben zu verteidigen, würdigte Gößlbauer: „Ein Leben in Frieden ist heute nicht mehr selbstverständlich“.
Nach dem Ende ihrer Grundausbildung warten auf die Rekruten nun neue Herausforderungen sowie umfangreiche Fach- und Spezialausbildungen. Sie trügen nun künftig einen Teil der Verantwortung, Einigkeit, Frieden und Freiheit wachsam zu schützen und zu wahren, sagte der Kommandeur. Gemeinsam mit Bürgermeister Laumer, Bundestagsabgeordneter Martina Englhardt-Kopf und Oberst Volker Leers besiegelte Gößlbauer das Gelöbnis der Rekruten.
Auch Bürgermeister Laumer freute sich sehr, dass so viele Besucher am feierlichen Gelöbnis teilnahmen. Einige hätten dafür eine weite Anreise an einem Werktag auf sich genommen: „Mit ihrer Anwesenheit dokumentieren sie den Stellenwert, den die Bundeswehr für sie persönlich und damit auch für die Region darstellt sowie die Achtung, die sie den Soldaten entgegenbringen.“
Gelebte Partnerschaft
Vor zwei Jahren hat schon ein Gelöbnis in Zandt stattgefunden, „dieses Mal ist es etwas kleiner, schmucker – und auch wärmer“, sagte der Rathaus-Chef mit einem Schmunzeln. Das Gelöbnis gehöre, genau wie die Soldaten, in die Mitte der Gesellschaft. Dies wolle die Gemeinde mit ihrer Patenschaft und der Ausrichtung des Gelöbnisses zeigen. „Genauso gut könnte man das auf irgendeinem Kasernenhof machen, aber die Bundeswehr zelebriert es mit Präsenz, Heeresmusikkorps und vielen Ehrengästen“, lobte Laumer.
Die Rekruten hätten sich zu einem besonderen Dienst entschlossen, einer, der nicht vergleichbar sei mit einem zivilen Beruf. „Es ist sehr wichtig, dass es Menschen gibt, die sich für andere und für unser Land einsetzen“, unterstrich der Bürgermeister – gerade in einer Zeit, in der allgemein oft nicht die Pflichten im Vordergrund stünden, sondern viele Menschen nach ihren Rechten fragten und Forderungen stellten. „Ihre Entscheidung, in die Bundeswehr einzutreten, ist eine positive Entscheidung für unsere Gesellschaft, unsere gemeinsamen Werte und unser Land“, würdigte Laumer, der allen dankte, die an Vorbereitung und Durchführung beteiligt waren.
„Wir sind bereit“
Rekrutensprecher Koray Han Colak sagte unter anderem, dass die Kameradschaft in der Bundeswehr von größter Bedeutung sei. „Unsere Zukunft als Soldaten der Bundeswehr ist von Herausforderungen und Verantwortung geprägt. Wir sind bereit, uns diesen Aufgaben zu stellen“, betonte er.
Dem Gelöbnis vorausgegangen war ein Feldgottesdienst. Für die passende Musik sorgte das Gebirgsmusikkorps aus Garmisch-Partenkirchen.
Hintergrund: Diensteid und feierliches Gelöbnis
Ausdruck der Verbundenheit zur Bundesrepublik: Mit der Vereidigung beziehungsweise dem Gelöbnis drücken die Soldaten ihre besondere Verbundenheit zur Bundesrepublik Deutschland sowie deren Werten und Normen aus.
Drei Funktionen: Der Diensteid hat drei Funktionen. Die Inte-gration der Rekruten in die militärische Gemeinschaft soll gefördert werden, der Eid soll die Soldaten auf emotionaler Ebene an die Pflichten binden und den Soldaten soll ihre Funktion im Staat verdeutlicht werden.
Unterscheidung nach Status: Der Diensteid unterscheidet sich nach Status der Soldaten. Berufssoldaten und Soldaten auf Zeit leisten einen Diensteid, Soldaten, die freiwilligen Wehrdienst leisten, ein feierliches Gelöbnis.
Betonung des Verteidigungsauftrags: Der Diensteid und das Gelöbnis betonen den Verteidigungsauftrag. Die Bindung an Recht und Freiheit des deutschen Volkes steht dabei im Mittelpunkt.





