Ein Streik, der das Eis brechen soll: 3000 Beschäftigte protestierten in Regensburg

Von Jürgen Scharf · 7. November 2024 um 17:00

Vergangene Woche gab es die dritte und bisher letzte Verhandlungsrunde im laufenden Tarifstreit der Metallindustrie. Nach Angaben der Gewerkschaft liegen beide Lager noch weit auseinander. Nun gingen Beschäftigte von mehreren Betrieben in Regensburg auf die Straße.

Aus den Boxen tönt das Lied Highway to Hell der Rockband AC/DC. Der harte Sound heizt die aufgeputschte Stimmung unter den Teilnehmern des Streiks weiter an. In dem Song geht es auch über den Weg zu einem versprochenen Land. Für die Menschen, die sich hier vor dem Tor 2 des BMW-Werks versammelt haben, hätte dieses Land einen Namen. Es heißt: sieben Prozent mehr Lohn.

Vergangene Woche gab es die dritte und bisher letzte Verhandlungsrunde im laufenden Tarifstreit der Metallindustrie. Nach Angaben der Gewerkschaft liegen beide Lager noch weit auseinander. Die Arbeitgeber haben ein Angebot von einer Lohnerhöhung um 3,6 Prozent vorgelegt. Diese soll in zwei Stufen erfolgen und der Vertrag soll eine Laufzeit von 27 Monaten haben. Die Gewerkschaft ging darauf nicht ein. Sie fordert sieben Prozent mehr Lohn und eine Laufzeit von zwölf Monaten.

Zweieinhalb Stunden lang

Am Mittwoch gab es nun in ganz Bayern große Warnstreiks. Auch in Regensburg legten Mitglieder der Gewerkschaft ihre Arbeit nieder, im BMW-Werk beispielsweise für zweieinhalb Stunden. Von insgesamt 3000 Teilnehmern sprachen die hiesigen Veranstalter. Es seien unter anderem Mitarbeiter von BMW, Continental, Schaeffler, Siemens,, Infineon, ams-OSRAM, der Maschinenfabrik Reinhausen und vom Schneider-Sachsenwerk aufgerufen worden, hieß es. Beschäftigte von weiteren Betrieben, etwa von Krones, hätten sich solidarisch gezeigt und an der Aktion beteiligt.

„Siegen, siegen. Wir wollen siegen.“ Immer wieder skandierten die Teilnehmer beim Marsch zum Versammlungsgelände diesen Spruch – und machten damit eindeutig klar, dass sie von ihren Forderungen nicht einfach so abrücken wollen. „Dieser massive Demozug und die starke Kundgebung waren überwältigend“, sagte Michael Faltermeier, IG Metall-Chef bei BMW Regensburg: „Wieder einmal zeigt sich, dass die Kollegen entschlossen hinter der Forderung ihrer IG Metall stehen.“ Bei seiner Ansprache beim Warnstreike hatte Faltermeier auch die aktuelle gesamtwirtschaftliche Situation thematisiert: „Wir wissen, dass es keine einfachen Zeiten sind. Aber gab es denn überhaupt schon einmal einfache Zeiten?“

Rico Irmischer von der IG Metall Regensburg sagte, dass die Folgen der konjunkturellen Lage nicht auf dem Rücken der Beschäftigten abgeladen werden dürften. Es sei vielmehr Aufgabe der zuständigen Konzernmanager und der Politik, erfolgreiche Strategien zu entwickeln und wieder Perspektiven aufzuzeigen. Wenn nichts passiere, würde schließlich vor allem die Arbeiterschaft unter die Räder geraten: „Die Preissteigerungen haben uns die Euros aus der Tasche gezogen.“

Nun fiebern alle der kommenden Woche entgegen, Für den 11. November ist das vierte Verhandlungstreffen angesetzt. Hier soll nun eine Lösung gefunden werden, heißt es. Es sei bei der Gewerkschaft auch wirklich die Bereitschaft da, die Kuh vom Eis zu kriegen, sagt Irmischer. Allerdings, daran lässt er keinen Zweifel, müssten die Arbeitgeber dafür ihr bisheriges Angebot noch nachbessern: „Das ist notwendig und das haben wir uns auch verdient.“

Weitere Aktionen geplant

Zudem soll es bis zu der Verhandlungsrunde weitere Warnstreiks geben. Auch in der Oberpfalz sind der Gewerkschaft zufolge erneut Aktionen denkbar. Sollte es am 11. November keine Einigung geben, werde sich die Haltung der Gewerkschaft aber noch einmal deutlich verschärfen, sagt Olga Redda von der IG Metall Regensburg: „Dann werden wir keine weiteren kurzen Warnstreiks durchführen. Dann werden wir direkt in die weitere Eskalation gehen und ausgewählte Schlüsselbetriebe für ganze Tage lahmlegen.“

Nach eigener Aussage wäre sie aber froh, wenn es nicht so weit kommen würde: „ Wir wollen jetzt zügig abschließen.“ Wenn die Arbeitgeber sich aber den Forderungen der Gewerkschaft nicht annähern, „werden wir unsere Planungen in die Tat umsetzen. Wir sind gut vorbereitet“.

Auch viele Auszubildende kamen zum Warnstreik.
Die Gewerkschaft fordert sieben Prozent mehr Lohn.
Die Streikenden demonstrierten Geschlossenheit.
Ronja Künstler sorgte auf der Bühne für Live-Musik.