Sie ist die Teublitzer „Käichl-Queen“: Maria Dickert ist für ihr Schmalzgebackenes weitum bekannt

Von Werner Artmann · 7. November 2024 um 11:00

Ihren Spitznamen hat die 68-jähriger Maria Dickert aus Teublitz nicht umsonst. Mit ihrer Backkunst und als „Käichl- Queen“ ist sie weit über die Grenzen ihrer Heimatstadt hinaus bekannt. Die Tradition des „Käichlbacha“ in ihrer Familie geht zurück bis in das 19. Jahrhundert.

Schon Urgroßmutter Katharina Schreier (geb. 1877) gab das Wissen um das Schmalzgebäck an ihre Enkeltochter Anna Roth und diese wiederum an ihre Tochter Maria Dickert weiter. Und zur großen Freude der 68-Jährigen hat ihre Schwiegertochter Heidi großes Interesse und Geschick am Käichlbacken. So darf sie „guter Hoffnung“ sein, dass Heidi die Familientradition in vierter Generation weiterführt.

Das Wichtigste im Leben ist für die Teublitzerin ihre Familie. Dann kommen das Singen und Musizieren und das Dichten von Versen, die sie in elf Heftchen veröffentlichte und zu Gunsten der Leukämiehilfe Ostbayer seit 23 Jahren verkauft. In Folge drei hat sie ihr Käichl-Rezept verewigt.

Das Rezept blieb gleich

Im Laufe der Jahre hat sie die Verarbeitungsweise rationalisiert und verbessert, das Rezept ist allerdings unverändert geblieben. Gerne gibt sie es bekannt und freut sich über jede Rückmeldung, wenn die Käichl gut gelungen sind.

Schmunzelnd erinnert sich Maria Dickert an ihre Kinderzeit, wenn ihre Mutter und Großmutter – die Oma beherrschte nur das Umdrehen – schwitzend in der überhitzten Küche standen und das ganze Haus nach Hefeteig und Schmalz roch. Zu bestimmten Anlässen wie zur Faschingszeit, zur Allerweltskirwa, an Hochzeiten oder runden Geburtstagen wurde Teig „eidampf’lt“, und dann herrschte aufgeregte Geschäftigkeit, bis die Prachtstücke fertig waren.

„Ich war nie ein Käichl-Fan und brachte höchstens ein warmes ‚Tramperl’ zusammen, wie meine Mutter ein missratenes Käichl nannte. Doch in den 90er Jahren wurde ich von unserem Sohn Markus immer wieder animiert und bedrängt, das Käichlbacken zu erlernen, um die alte Tradition weiterführen zu können“, erzählt Maria Dickert.

Das Rezept holte sie sich von ihrer Mutter und probierte mit ihr das „Ballwala-Drehen“ und das Ausbacken. „Das lernst du nie“, habe ihre Mutter gesagt. Doch diese Aussage forderte Mariannes Ehrgeiz heraus, und schon am nächsten Tag ging sie ans Werk. „Doch das Ausziehen ging total daneben. Ich nannte diese unförmigen Gebilde ‚Kunstwerke’ oder ‚Schleiferla’, das hört sich doch viel schöner an als ‚Tramperl’.“ Bald entstanden aber formschöne Käichl, manche sogar mit einem „Randl“, dem hellen Strich in der Mitte des Randes.

Volltreffer beim Bürgerfest in Teublitz

Ihren ersten öffentlichen Auftritt als „Käichlbäckerin“ hatte Maria Dickert 1998 beim ersten Bürgerfest in Teublitz, wo sie als Vorsitzende der Teublitzer Blaskapelle mit frischen Käichln einen Volltreffer erzielte. Schnell waren die „Dickert-Käichln“ in aller Munde. Der Erlös ging natürlich an die Jugendblaskapelle.

Es folgten Backkurse bei der Blaskapelle und dem Frauenbund in Teublitz und Bruck, bei den Premberger Volksmusikfreunden und vielen Gutscheineinlösungen, die sie zu Geburtstagen oder dergleichen verschenkte. „Am meisten freute es mich, wenn sich junge Frauen an den Backkursen beteiligen“, sagt Maria Dickert. Einige ihrer Schülerinnen hätten ihr Können beim diesjährigen Teublitzer Bürgerfest mit hervorragendem Erfolg bewiesen, sagt die 68-Jährige mit einem zufriedenen Lächeln.

Bei den DGB-Senioren und beim Seniorenbeirat Burglengenfeld backt Maria Dickert seit Jahren in der Kirwazeit hunderte Käichl und spendet den Erlös an die Leukämie-Hilfe. Der vorerst letzte Großeinsatz war vor einigen Tagen beim Tag der offenen Tür am Bahnhof in Schwandorf.

„Bei diesen Außeneinsätzen konnte ich auch die Mythen widerlegen, dass man nur im warmen Zimmer backen kann und dass Käichl nur schön werden, wenn sie übers Knie ausgezogen werden“, sagt Dickert.

Senioren erinnern sich

Auch in den Seniorenheimen Maxhütte-Haidhof, Teublitz und Bruck erfreute sie die Bewohner mit dem Traditionsgebäck. Bei manchen Frauen wurden Erinnerungen an ihre Jugendzeit und das eigene Käichlbacken wach. „So kann ich den alten Menschen viel Freude bringen nur durch das Verschenken meiner Freizeit. Und wenn dann der Kommentar von den Kunden kommt, ‚wie bei der Großmutter’, ist das der schönste Lohn für mich. „Richtig Geld verdienen kann man mit dem Käichlbacken nicht. Der Zeitaufwand ist einfach zu hoch. Ich möchte, dass die alte Tradition nicht ausstirbt und wenn der Erlös einem guten Zweck zu Gute kommt, bin ich glücklich.“ Ihr Motto habe immer gelautet und laute auch weiterhin: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“